Kristin Harmel: Solange am Himmel Sterne stehen

3442381215Kristin Harmel: Solange am Himmel Sterne stehen

Originaltitel: The Sweetnest of Forgetting (2012)
übersetzt von Veronika Dünninger
Verlag: Blanvalet Verlag
Seitenanzahl: 480 Seiten
ISBN-10: 3442381215
ISBN-13: 978-3442381210

Inhaltsangabe:

von amazon.de: Rose McKenna liebt den Abend. Wenn am Himmel über Cape Cod die ersten Sterne sichtbar werden, erinnert sie sich – an die Menschen, die sie liebte und verlor, und von denen sie nie jemandem erzählte. Doch Rose weiß, dass es bald zu spät sein wird, denn sie hat Alzheimer. Bald wird niemand mehr an das junge Paar denken, das sich einst die Liebe versprach … 1942 in Paris. Als sie ihre Enkelin Hope bittet, nach Frankreich zu reisen, ahnt diese nichts von der herzzerreißenden Geschichte, die sie dort entdecken wird – von Hoffnung, Schmerz und einer alles überwindenden Liebe …

Mein Fazit:

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf dieses Buch aufmerksam wurde. Jedenfalls war es vor Urlaubsantritt auf meinem Kindle geladen und kaum waren wir an der Ostsee, begann ich zu lesen. Und las … und las … und ich ließ mich mitreißen von dieser absolut zauberhaften Geschichte um Hope, Rose, Annie und auch Gavin.

Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht eigentlich Hope. Hope ist frisch geschieden, Mutter einer pupertierenden Tochter namens Annie und sie ist die liebevolle Enkelin von Rose, die wegen ihrer fortgeschrittenen Demenz in einem Altersheim lebt. Der Familientradition wegen betreibt sie die Nordstern-Bäckerei auf Cap Code. Jedoch ist diese eigentlich kurz vor dem Bankrott und nur ein Wunder kann das finanzielle Desaster aufhalten. Mitten in dieser chaotischen Situation hat Rose einen klaren Moment und bittet Hope und Annie zu sich. Sie gehen an den Strand und Rose drückt der verdutzten Frau eine Liste mit merkwürdig klingenden Namen in die Hand. Hope soll herausfinden, was mit ihnen ist. Für Hope und Annie ist es nur verwirrender, da scheinbar nur jüdische Namen draufstehen, die damals in Paris lebten, Hope ist sich sicher, das Rose doch katholisch ist.

Gavin, ein gutmütiger junger Mann Ende zwanzig, der handwerklich sehr begabt ist und Hope schon einiges unentgeltlich repariert hat, hilft den Beiden bei der Suche. Und tatsächlich kommen sie jemanden auf die Spur und Hope macht sich auf den Weg nach Paris, um herauszufinden, was diese Namen zu bedeuten haben. Und ehe Hope es sich versieht, hat sich ihr Leben schlagartig verändert und sie muss ihre bisher gekannte Vergangenheit neu überdenken.

Das Buch ist aus Sicht von Hope geschrieben, die mir von Anfang an sympathisch war. Frisch geschieden, fühlt sie sich als Versagerin und glaubt, nur durch den Erhalt der Bäckerei kann sie einen Sinn in ihrem Leben sehen. Obwohl sie Gavin sehr anziehend findet, verbietet sie sich selbst, auf ihn zuzugehen. Außerdem hängt sie sich regelrecht daran auf, das er ein paar Jahre jünger ist und sie ihm -ihrer Meinung nach- nicht gut genug erscheint. Ihre Liebe zu Rose wird durch die Kälte von ihrer Mutter geprägt. Die Mutter, bereits verstorben, konnte ihr nie die Liebe und Aufmerksamkeit schenken, die ihr dann die Großeltern schenkten.

Annie ist die typische 12jährige, die mitten in der Selbstfindungsphase steckt und zudem von ihrem Vater verunsichert wird der eine neue Frau an seiner Seite hat. Zwischendrin wird auch aus der Sicht von Rose erzählt, wie sie ihre Erkrankung erlebt. Gavin erlebt sie zuerst als Rivalen, aber als er ihr jedoch einige Male vorbehaltlos in Notsituationen zur Seite steht, ändert sie ihre Meinung.

Für alle Beteiligten (auch für den Leser) ist es eine emotionale Reise, die sehr wenige Klischees bedient, dafür aber Einblicke in die Geschichte unserer Zeit gewährt. Der Holocaust wird zum großen Thema, aber auch Vergebung und Hoffnung. Die Autorin hat es geschafft, so etwas Abscheuliches in ein Buch zu packen, ohne das es allzu negativ nachhängt. Auch der mahnende Zeigefinger bleibt aus. Sensibel und doch eindringlich wird geschildert, was passierte, ohne dabei die eigentliche Geschichte aus den Augen zu verlieren.

Ein kleines Schmankerl sind dann auch noch die Rezepte, die immer wieder eingefügt wurden, die man tatsächlich nachbacken kann. Eine tolle Idee von der Autorin.

Für mich ist dieses Buch eine echte Überraschung gewesen und das seit langem beste Buch, was ich gelesen habe. Noch Wochen später habe ich oft an die Geschichte gedacht und das ist echt beeindruckend. Ich habe noch nicht viele Romane gelesen, wo mir das passiert ist. Es ist für mich der Hit 2014 und ich könnte mir gut vorstellen, das Buch irgendwann nochmal zu lesen.

Anmerkung: Ich habe es als eBook gelesen.

Veröffentlicht am 19.10.14!

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