Alles, was wir geben mussten

united_kingdomAlles, was wir geben mussten (2010)
Originaltitel: Never Let Me Go

B0054MYAQ4Regie: Mark Romanek
Drehbuch: Alex Garland
Produktion: Andrew Macdonald, Allon Reich, Alex Garland
Musik: Rachel Portman
Darsteller: Carey Mulligan, Andrew Garfield, Keira Knightley, Izzy Meikle-Small, Ella Purnell, Charlotte Rampling, u.v.a.
Dauer: 103 Minuten
Romanvorlage: „Alles, was wir geben mussten“ von Kazuo Ishiguro

Inhaltsangabe:

Im englischen Internat Hailsham wachsen Kathy (Carey Mulligan), Ruth (Keira Knightley) und Tommy (Andrew Garfield) auf. Über die Bedeutung ihres Lebens erfahren sie von einer Lehrerin: Sie sind gezüchtet, um ihre Organe zu spenden. Spätestens mit 40 Jahren ist ihr Leben beendet. Obwohl noch klein, wird ihnen schon eingeredet, sie seien etwas Besonderes und müssten daher auch besonders gesund sein. Regelmäßige Kontrollen beim Arzt sind genauso Routine wie die tägliche Tablette bei einem frischen Glas Milch. Zur Außenwelt haben sie keinen Kontakt. Über ein elektronisches Armband wird ihre ständige Anwesendheit kontrolliert.

Inzwischen 18 Jahre alt, kommen sie in die Cottages. Dort haben sie freie Zeit, dürfen auch Ausflüge machen. Kathy ist seit langem heimlich in Tommy verliebt. Aber Ruth ist mit Tommy zusammen und lässt ihn ungern mit Kathy allein. Als Kathy sich dafür entscheidet, als Betreuerin der Spender zu arbeiten, trennen sich die Wege der drei und erst zehn Jahre später treffen sie zufällig aufeinander.

Mein Fazit:

Wie kann man diesen Film nur beschreiben?

Den Film hatte ich letztes Jahr schon einmal gesehen – eher zufällig und leider auch nicht von Anfang an. So fehlte mir ein Stück, um den Film besser verstehen zu können. Nun kam der Film wieder im Fernsehen und ich konnte ihn von Anfang an sehen. Welch‘ verstörende Atmosphäre diese Geschichte doch beinhaltet. Die Kinder leben in einem Internat. Angeblich ist es ein Elite-Internat, aber die Kinder tragen alle graue Wäsche, die Anlagen und Räume sehen veraltet und etwas herunter gekommen aus. Um den Kindern Unterhaltung zu bieten, werden alte Schwarz-Weiß-Filme gezeigt.

Dann taucht plötzlich eine neue Lehrerin auf. Sie erklärt den Kindern, was für ein Leben ihnen bevorsteht und wurde dann tags darauf entlassen. Sie hatte ein Geheimnis ausgeplaudert, hatte den Kindern die Wahrheit gesagt. Sie sind Klonen und nur dafür da, um Organe zu spenden. Ein Leben wie andere junge Menschen mit Träumen und Zielen, Ausbildung und Familie sei für sie nicht vorgesehen. Sie seien nur da, um ihr Leben für ein anderes Leben zu geben.

Mit dieser Gewissheit wachsen Kathy, Ruth und Tommy auf. Sie haben jedoch genau die gleichen Probleme wie alle anderen Menschen auch. Pupertät, die Frage nach dem Warum und wie sie aus der Misere rauskommen könnten. Kathy ist von allen dreien die Stärkste, sie schafft es sogar, einen Job als Betreuerin zu bekommen und andere Spender auf ihrem Weg bis zur Vollendung (Tod) zu begleiten, wohl wissend, das sie selbst irgendwann dran ist. Und ohne elterliche Führung werden aus ihnen ganz normale junge Menschen, die fassungslos der Tatsache gegenüber stehen, das sie keine Chance haben, dem Ganzen zu entkommen. Nahezu stoisch fügen sie sich in ihr Schicksal.

Alex Garland hat das Drehbuch geschrieben. Die Buchvorlage habe ich noch nicht gelesen, aber dem Drehbuch-Autor ist ein Meisterwerk gelungen. Ohne viel Schnörkel, ohne viel drumherum erzählt der Film in eindringlichen Bildern eine verstörende Welt, eine Parallel-Welt sozusagen. Geschaffen, um den echten Menschen ein langes und gesundes Leben zu schenken, auf Kosten von Klonen. Am Rande wird deutlich, das die Regierung glaubt, das die Klonen keine Seelen haben. Die Internats-Leiterin (wunderbar gespielt von Charlotte Rampling) bemühte sich stets, die Position der Regierung zu berichtigen. Alle drei Hauptdarsteller, allen voran Carey Mulligan haben eine grandiose Arbeit abgeliefert. Noch nie hat man meines Erachtens nach eine so traurige Geschichte so intensiv mit Gestik und Mimik dargestellt. Die Verzweiflung, die Mut- und Fassungslosigkeit über den weiteren Verlauf des Lebens so erschütternd glaubhaft in den Gesichtern widergespiegelt, das mir oft eine Gänsehaut kam.

Einige Fragen kamen jedoch bei mir auf, die unbeantwortet geblieben sind. Daher sehe ich mich schon etwas genötigt, bald das Buch dazu zu lesen, in der Hoffnung, Antworten auf meine Fragen zu bekommen. In jedem Fall bleibt die Geschichte im Kopf und regt zum Nachdenken an. Das der Mensch grausame Züge hat, ist ja nichts Neues. Aber diese Geschichte ist schon etwas Besonderes. Von mir bekommt er 95%.

Veröffentlicht am 07.01.15!

image_pdf

Einen Penny für Ihre Gedanken ...