Kazuo Ishiguro: Alles, was wir geben mussten

3442742668Kazuo Ishiguro: Alles, was wir geben mussten

Originaltitel: Never let me go (2005)
übersetzt von Barbara Schaden
Verlag: btb
Seitenanzahl: 352 Seiten
ISBN-10: 3442742668
ISBN-13: 978-3442742660
Hier ist der Film dazu rezensiert.

Inhaltsangabe:

Kathy, noch nicht mal 30 Jahre alt, beginnt von ihrem Leben zu erzählen. Sie arbeitet als Betreuerin und obwohl sie weiß, das sie selbst bald eine Spenderin sein wird, berichtet sie ohne Groll und Verbitterung von ihrer Kindheit im Elite-Internat Hailsham, von den Cottages und schließlich von ihrer viel zu kurz ausgelebten Liebe zu Tommy, der weit vor ihr schon „abgeschlossen“ hat. Dabei versucht sie die Dinge zu verstehen, die ihr Leben betreffen …

Kathy, ihre Freundin Ruth und ihre Liebe Tommy sind geboren, um anderen das Leben zu retten.

Mein Fazit:

So selten fällt es mir schwer, eine richtige Inhaltsangabe zu schreiben. Vor ein paar Wochen habe ich zum wiederholten Male den Film zu diesem Buch gesehen und ich hatte mir von der Lektüre ein paar Antworten auf meine Fragen erhofft. Leider wurden auch hier nicht alle Fragen beantwortet, wenngleich das Buch wesentlich tiefere Einblicke in die Seelen der „besonderen Kinder“ gewährt als der Film.

Die Geschichte ist aus Kathys Sicht erzählt und der Autor gibt einem ständig das Gefühl, das Kathy vor mir sitzen und ruhig ihre Geschichte erzählen würde – mit kleinen Abschweifungen, Andeutungen und scheinbar belanglosen Anekdoten. Und zwischen den Zeilen kommt immer wieder das nackte Grauen – das diese Kinder nur geschaffen wurden, um anderen Menschen das Leben zu retten. Es fühlt sich so unwirklich an, dennoch ist es für Kathy eine unumstößliche Realität. Es wurde keine Parallel-Gesellschaft erschaffen – sondern ein Parallel-Universum.

Obwohl die Kinder schon recht früh vermittelt bekommen, weshalb sie auf die Welt gekommen sind, können sie eine fast normale Kindheit und Jugend erleben – mit allen Höhen und Tiefen – nur ohne Eltern, ohne menschliche Wärme und ohne eine Perspektive. Die Probleme mit der Pupertät und die verschiedenen Stadien des Erwachsen-werdens machen sie jedoch genauso durch wie „normale“ Kinder. Und doch ergeben sie sich stoisch in ihr Schicksal, ohne Auflehnung und ohne brennende Fragen.

Wie soll man ein solches Buch bewerten? Eine sehr schwierige Frage. Der Autor hat wahrlich toll geschrieben. Ich denke, er hat bewußt einige Fragen offen gelassen, damit man sich als Leser selbst mit dem Thema beschäftigt, aber dennoch ist es etwas unbefriedigend. Daher gibt es auch nur vier Sterne. Ansonsten ist es wirklich zu empfehlen.

Ich persönlich hoffe, das nie ein solches „Programm“ entsteht, auch wenn ich dadurch länger leben könnte. Aber die Vorstellung, das Menschen geklont werden, um anderen die Organe zu spenden, ist für mich menschlich so furchtbar, das der Gedanke kaum zu ertragen ist.

Veröffentlicht am 22.02.15!

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