Der Vorleser

usaDer Vorleser (2008)
Originaltitel: The Reader

B002D5LUPERegie: Stephen Daldry
Drehbuch: David Hare
Produktion: Anthony Minghella, Bob Weinstein, Harvey Weinstein
Musik: Nico Muhly
Kamera: Roger Deakins
Darsteller: Kate Winslet, David Kross, Ralph Fiennes, Bruno Ganz, Jeanette Hain, Lena Olin, u.v.a.
Dauer: 124 Minuten
Romanvorlage: „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink

Inhaltsangabe:

Gegenwart: Michael Berg (Ralf Fiennes) ist nach wie vor ruhelos und nicht fähig, eine echte Bindung einzugehen. Selbst zu seiner Tochter Julia (Hannah Herzsprung) hat keine wirkliche Beziehung aufgebaut. Doch er spürt, das er nun der Sache auf den Grund gehen muss und beginnt sich zu erinnern, als er 15 Jahre alt war …

Michael Berg (in jung: David Kross) lernt die Straßenbahn-Schaffnerin Hannah Schmitz (Kate Winslet) kennen. Hannah ist doppelt so alt wie Michael, aber auf Anhieb sind sie sich sympathisch. Beim dritten Aufeinandertreffen beginnen sie eine Affäre. Ein festes Ritual in ihrer Beziehung ist, das er ihr erst aus seiner Schullektüre vorlesen muss und dann lieben sie sich. Die Affäre hält jedoch nur einen Sommer und plötzlich verschwindet Hannah und lässt Michael mit unbeantworteten Fragen zurück.

Jahre später: Michael studiert inzwischen Jura und besucht im Rahmen seines Seminars eines der Ausschwitz-Prozesse. Dort sieht er Hannah zum ersten Mal nach langer Zeit wieder und kann nicht glauben, das sie tatsächlich für den Tod von 300 Menschen verantwortlich sein soll. Michael ist hin- und hergerissen und trifft schließlich eine Entscheidung, die sein gesamtes Leben beeinflusst.

Mein Fazit:

Ich war neugierig und gespannt auf diesen Film. So einiges wußte ich, letztendlich durch persönliche Empfehlung und lesen von Rezensionen. Aber das kommt all dem nicht nah, was ich bei diesem Film empfunden habe.

Erst gibt es da die Liebesgeschichte, die sehr offen und natürlich ist, aber auch gleichzeitig viele Fragen aufwirft. Hannah ist von Anfang sehr unnahbar, kann kaum echte Gefühle zeigen und dennoch genießt sie offensichtlich jede Minute, die sie mich Michael zusammen sein kann. In den Momenten, wo er ihr vorliest, ist sie ganz in den Geschichten drin und leidet mit den Protagonisten.
David Kross war zum Zeitpunkt des Drehs 18 Jahre alt und ich muss sagen, das er Kate Winslet in nichts nach steht. Er liefert eine tolle Arbeit ab, gibt sich natürlich und authentisch. Kate Winslet als Hannah Schmitz, die einst so unnahbar und doch so voller Gefühl war, ist nun plötzlich eine Mörderin. Ein absolut krasser Gegensatz, aber beide Ebenen hat sie mit Bravour gespielt. Den Oscar hat sie zurecht verdient und ich gönne ihr diese Auszeichnung. Sie ist eine begnadete Schauspielerin.

Zum anderen ist da natürlich die Frage nach unserer deutschen Vergangenheit, die auch nach über 60 Jahren einfach nicht verstummt. Hätten wir diese millionenfachen Morde verhindern können? Immer wieder müssen wir uns als Zuschauer mit diesem Teil der Geschichte auseinander setzen. Und noch immer kommt Beklemmung auf, wenn die Geschichten erzählt werden von Überlebenden, von Opfern, die dem Tod entronnen sind. Es ist schwierig, neutral dabei zu bleiben, dennoch kann man weder für Hannah noch für Michael Position beziehen, denn die Thematik ist so vielschichtig und komplex. Das zeigt auch ganz deutlich im Film die Diskussion der Studenten mit ihrem Professor (toll gespielt von Bruno Ganz).

Die Figur Michael habe ich nicht in allen Facetten verstanden, wohl auch nicht so ganz die Figur der Hannah. Daher werde ich es mir nicht nehmen lassen und das Buch dazu lesen. Der Film bekommt von mir 90% und ich denke, ich werde ihn mir irgendwann noch mal ansehen.

Anmerkung: Die Rezension stammt vom 05.04.2008.

Neu veröffentlicht am 30.03.15!

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