Bernhard Schlink: Der Vorleser

3257229534Bernhard Schlink: Der Vorleser

erschienen 1999
Verlag: Diogenes Verlag
Seitenanzahl: 206 Seiten
ISBN-10: 3257229534
ISBN-13: 978-3257229530
Hier ist der Film dazu rezensiert.

Inhaltsangabe:

Michael Berg ist 15 Jahre alt, als er die wesentlich ältere Hannah Schmitz kennen lernt. Noch unsicher in seinen Gefühlen, zieht es ihn stets zu ihr. Sehr schnell entwickelt sich eine Liebesgeschichte der besonderen Art: Er soll ihr vorlesen, bevor sie miteinander schlafen!

Michael verliert sich in ihr, fühlt sich jedoch gleichzeitig gedemütigt, denn sie gibt kaum etwas von sich preis. Plötzlich verschwindet sie eines Tages, ohne ein Wort zu sagen und hinterlässt ihn mit all seinen Enttäuschungen und Gedanken.

Während seines Jura-Studiums sieht Michael sie wieder: Sie ist Angeklagte in einem Ausschwitz-Prozeß und soll das Leben von unzähligen Juden auf dem Gewissen haben.

Mein Fazit:

Das Buch ist genauso eindringlich wie der Film. Und genauso wie nach dem Film war ich nach der Lektüre innerlich aufgewühlt und verstört. Was der Regisseur im Film schon so gut rüber brachte, konnte der Autor genauso – noch viel intensiver.

Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben und birgt die tiefsten Gedanken eines jungen Mannes, der nicht damit klar kommt, das seine einzige große Liebe (denn das blieb sie) etwas ganz anderes ist, als sie vorgab zu sein. Zwar hatte ihn ihre geheimnisvolle Aura stets angezogen und auch verwirrt, aber wer rechnet schon damit, das dieser Mensch, einst geliebt, plötzlich verantwortlich sein soll für den Tod vieler Juden im KZ.

Dabei wird Hannah Schmitz als Mensch betrachtet, die zwar „ihre Arbeit“ gewissenhaft und mit aller Sorgfältig absolvierte, aber auch irgendwo ein bißchen Menschlichkeit insich barg, indem sie junge und geschwächte Mädchen vorlesen ließ. Sie erkennt ihre Schuld nicht wirklich an, denn hat sie nur aus Gehorsam und Pflichtbewußtsein gehandelt. Dabei musste ich mir als Leserin selbst die Frage gefallen lassen, was ich getan hätte. Kann man einen Menschen freisprechen, weil dieser nur in Ausübung seiner Tätigkeit gehandelt hat oder hätte das menschliche Gewissen und die moralische Verpflichtung siegen müssen? Eine Frage, die kaum einer beantworten kann, am wenigsten Michael Berg.

Der Autor hat mit aller Eindringlichkeit diese Frage nach der Schuld oder Unschuld von allen Seiten beleuchtet und fordert vom Leser eine ebensolche Betrachtung. Jeder wird wohl selbst für sich klären müssen, wie er gehandelt hätte. Mich hat die Geschichte um Hannah und Michael zutiefst berührt und bewegt.

Es bekommt von mir 4,5 von 5 Sternen.

Anmerkung: Die Rezension stammt aus August 2009.

Neu veröffentlicht am 16.06.15!

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