Yves Grevet: NOX – Anderswo

3423650176Yves Grevet: NOX – Anderswo

Originaltitel: Ailleurs (2013)
übersetzt von Stephanie Singh
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
Seitenanzahl: 320 Seiten
ISBN-10: 3423650176
ISBN-13: 978-3423650175
Dies ist der 2. Teil der NOX-Reihe.

Inhaltsangabe:

Die Geschichte um Lucen, Firmie, Gerges und Ludmilla geht weiter, und zwar nahtlos nach dem ersten Teil.

Unschuldig wird Lucen zum Tod verurteilt, vorher soll er 6 Monate im verseuchten Wald Zwangsarbeit leisten. Nur mit Hilfe der Mitgefangenen kann er die Arbeit überstehen. Während dessen sitzt Firmie hochschwanger in der Wohnung fest, bekommt ihren kleinen Sohn und sieht sich in ihrer Not einem skrupellosen Geschäftsmann konfrontiert. Sie betet, das Lucen doch bald kommt und nur der kleine Igo kann ihr den Glauben und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben. Lucen gelingt die Flucht aus dem verseuchten Wald und er könnte Firmie und Igo wiedersehen, aber Firmie wird festgenommen und in der Oberstadt zu Zwangsarbeit verurteilt. Gerges, dessen Hass auf Lucen sich ins Unermessliche steigert, weil er seiner Ansicht nach für den Tod der Mutter verantwortlich ist, hat inzwischen geheiratet und seine Frau Snia erwartet ein Kind. Doch es mehren sich die Hinweise, das Lucen gar nicht primär etwas mit dem Bombenanschlag zu tun hat. Als sein Vater und dessen Lebensgefährtin getötet werden, beginnt bei ihm ein Umdenken, aber womöglich ist es da schon zu spät. Ludmilla, die einzige der vier Jugendlichen, die in der Oberstadt ein previligiertes Leben führt, wird von ihrem Vater zur Doppelspionin angeheuert. Doch ist sie wirklich skrupellos genug?

Mein Fazit:

Ich habe den zweiten (und abschließenden) Teil der Nox-Reihe sehnsüchtig erwartet und konnte auch gleich mit dem Lesen beginnen. Ein Tipp vorweg: Der erste Teil sollte unbedingt vorher gelesen werden.

Die düstere Szene setzt sich auch im zweiten Teil fort. Die Menschen in der Unterstadt kennen nur schlechte Luft, schlechtes Essen, schlechte Arbeits- und Lebens-Bedigungen und doch sind sie dem ausgesetzt. Wenn es doch jemand wagt, in der Oberstadt leben zu wollen, muss man nicht nur genug Geld haben, sondern auch eine neue Identität annehmen. Die knappen Beschreibungen des verseuchten Waldes haben vollkommen ausgereicht, um sich selbst ein Bild machen zu können, wie ekelerregend und menschenunwürdig das sein muss. Aber auch Gerges und Ludmilla beschreiben ihr Leben und doch vermitteln sie immer den Eindruck, das es einfach so ist, wie es ist. Sie akzeptieren ihre Situation, auch wenn sie es nicht gutfinden.

Die Abschnitte beginnen immer dem dem jeweiligen Erzähler. Derjenige erzählt aus seiner Perspektive, was in seinem Leben gerade passiert und da an manchen Situationen zwei „Erzähler“ beteiligt waren, hat jeder seine Sichtweise zu der gleichen Geschichte erzählt. Das war schon im ersten Teil spannend, aber hier fand ich es an einigen wenigen Stellen etwas ermüdend. Schließlich wollte ich wissen, wie es weitergeht und nicht noch einmal die gleiche Situation erzählt bekommen.

Man kann sich durchaus mit den Figuren identifizieren und ihre Handlungen und Gedankengänge verstehen. Für mich sind sie beim Lesen immer irgendwie greifbar gewesen, als würde ich sie ewig kennen. Dementsprechend war ich auch gespannt, wie die Geschichte sich weiterentwickelt. Und hier hat der Autor schon sehr geschickt die Situationen miteinander verwoben.

Zum Ende hin wird es etwas holpriger bzw. die Wendung der ganzen Geschichte kommt so plötzlich – für mich nicht ganz nach zu vollziehen. Ich glaube, da hat der Autor ein bißchen getrickst, damit es schnell beendet werden kann. Allerdings kam mir schon der Gedanke an die Parallele, die derzeit aktuell in unserer Gesellschaft so viel diskutiert wird. Ich will nicht allzu viel spoilern, aber es gibt da schon die eine oder andere Gemeinsamkeit zwischen den Jugendlichen und den heutigen Flüchtlingen aus Kriegs-Gebieten. Da macht man sich noch mehr Gedanken. Ebenso bin ich gedanklich noch sehr mit dem Buch beschäftigt, das ich mich schon um die Zukunft unserer Welt sorge. Denn so eine Welt halte ich keinesfalls für Utopie, sondern für ein realistisches Szenario.

Von mir bekommt das Buch volle fünf Sterne und ich halte dieses Buch durchaus für eine geeignete Schul-Lektüre.

Veröffentlicht am 27.08.15!

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