Micaela Jary: Wie ein fernes Lied

3492306136Micaela Jary: Wie ein fernes Lied

erschienen 2015
Verlag: Piper Taschenbuch
Seitenanzahl: 544 Seiten
ISBN-10: 3492306136
ISBN-13: 978-3492306133

Inhaltsangabe:

Hamburg 1939: Die 18jährige Margarete Maibach, von allen Marga genannt, muss ihren Jugendfreund und Schwarm Michael Friedländer in die Schweiz ziehen lassen. Denn er ist Halbjude und sieht für sich Gefahr, wenn er im nationalsozialistisch geprägten Deutschland bleiben würde. Sie verbindet nicht nur die gemeinsam verbrachte Zeit, auch der Swing verbindet sie miteinander. Michael spielt Klarinette und Marga singt und tanzt gerne dazu.

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges weiß Marga, das sie Michael so schnell nicht wiedersieht, dennoch erfährt sie von den ihren Swing-Freunden, das er in Paris verweilt und dort unter dem Namen Jules Delaborde und spielt auf seiner Klarinette. Sie schmiedet einen Plan: Sie will mit einem Tanz-Orchester als Sängerin auf Tournee gehen und hofft so, irgendwann nach Paris zu kommen. Tatsächlich kann sie bei Harald Alsen anheuern, doch nur über einen großen Umweg über Dänemark kommt sie schließlich in von der Deutschen Wehrmacht besetzten Paris an.

Paris 1999: Die deutsche Musik-Studentin Andrea Cramer spielt in einem Hotel an einem Klavier, als sie einen alten Mann ihrer Musik lauschen sieht. Erst glaubt sie an einen Zufall, als er jedoch später in einer Bar sitzt, wo sie ebenfalls wieder spielt, weiß sie, dass es kein Zufall ist. Irgendwas will der Mann von ihr, doch jedes Mal, wenn sie ihn ansprechen will, verschwindet er. Als sie ihn wieder sieht und ihm folgt, wird der alte Mann in einen Unfall verwickelt. Sie erfährt seinen Namen: Jules Delaborde. Zusammen mit dem deutschen Journalisten Frank begibt sie sich auf die Suche nach dem Rätsel, warum dieser Mann ihr immer wieder gefolgt ist und findet eine Wahrheit, die sie nie für möglich gehalten hätte.

Mein Fazit:

Was für ein tolles Buch. Ich liebe ja solche geheimnisvolle Geschichten, um eine verlorene Liebe in stürmischen Zeiten.

Ich bin nicht unbedingt unmusikalisch, aber dennoch bin ich da überhaupt nicht bewandert. Glenn Miller und Bing Crosby sind natürlich Namen, die auch mir geläufig sind. Aber über die Swingkids in Hamburg oder überhaupt die Szene, davon hatte ich keinen blassen Schimmer – bis ich dieses Buch las. Die Autorin hat in diesem Roman eine tolle Atmosphäre geschaffen. Auch als Laie konnte ich mich durchaus hineinversetzen in die Tanzpaläste und Konzerthallen, wo Bigbands und attraktive Sängerinnen auf der Bühne standen und so für Stimmung beim Publikum zu sorgten.

Ebenfalls wurde die Atmosphäre des Krieges gut eingefangen. Die schönen Seiten (uk – „unabkömmlich“ für den Kriegsdienst) wie auch die schlechten Seiten (Straßenkontrollen mit angeschlagenem Gewehr oder Razzien in Clubs) wurden eindringlich erzählt, das ich eins ums andere Mal das Gefühl hatte, dabei zu sein. Mit einer sehr sanften aber doch unmissverständlichen Schreib-Art werden die Szenen geschildert, die mitunter auch typisch waren für die damalige Zeit. Dabei hat die Autorin sehr viel Geschichtliches mit eingebaut, sowohl vom Krieg als auch von der Musik-Szene. Ob nun der geschichtliche Hintergrund der künstlerischen Freiheit der Autorin zum Opfer fiel, kann ich nicht beurteilen, aber für mich las es sich sehr glaubhaft und einiges kann man sicherlich nachlesen. Die Melodie, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, nämlich „Stardust Melody“ kann man bei Youtube durchaus finden und ich empfinde es als eine sehr schöne Melodie.

Die zwei Geschichten (Marga und Andrea) werden unabhängig voneinander erzählt, wobei Andrea in dem Buch anfangs weniger Raum inne hat. Doch im Verlaufe des Buches wächst ihr Raum und zum Ende hin wechseln sich die Geschichten regelrecht ab, so das die Spannung immer mehr steigt. Die letzten 240 Seiten habe ich nahezu in einem Rutsch gelesen und auch jetzt, einen Tag später, bin ich gedanklich immer noch bei Marga, Michael, Harry Alsen und Andrea. Es ist schon sehr bemerkenswert. das passiert mir nicht mit jedem Buch. Die Figuren sind alle sehr gut ausgearbeitet und die Geschichten so geschickt ineinander verwoben, das ich bis fast zum Schluss nicht genau wußte, das auf mich als Leserin zukommen könnte.

Am Ende des Buch hat die Autorin noch ein bißchen darüber geschrieben, wie sie zu der Geschichte gekommen. Auch eine Legende der (wahren) Persönlichkeiten aus der damaligen Szene ist im Anhang. Durch lesenswert, man lernt doch das eine oder andere dazu.

Für mich war es Lese-Vergnügen pur und der Roman bekommt begeisterte fünf Sterne von mir. Bitte mehr von solchen Romanen 🙂

Veröffentlicht am 25.09.15!

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