Robert Scheer: Pici

3944442407Robert Scheer: Pici

Untertitel: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück (Nahaufnahmen)
erschienen 2016
Verlag: MARTA PRESS
Seitenanzahl: 228 Seiten
ISBN-10: 3944442407
ISBN-13: 978-3944442402

Inhaltsangabe:

2014 reiste der Autor Robert Scheer nach Israel. Seine Großmutter Elisabeth Scheer, genannt Pici, feierte ihren 90.ten Geburtstag. Und Robert Scheer bat seine Großmutter, dass sie ihm ihre Geschichte erzählt.

Elisabeth Scheer, geborene Meisels, wuchs in der rumänischen Stadt Carei auf. Mit ihren Eltern, drei älteren Schwestern und einem jüngeren Buder lebte sie in einem zwei-Zimmer-Haus, welches sie zeitweise sogar mit acht Personen bewohnten, als die Großmutter pflegebedürftig wurde.

Trotz der Enge erfuhr Elisabeth liebevolle Zuwendung und einen großen Zusammenhalt in der weit verzweigten Familie. Dies jedoch schützte sie nicht vor dem NS-Regime. Ein Jahr lang erlebte sie die Hölle auf Erden und überlebte als Einzige in der ganzen Familie den Holocaust.

Mein Fazit:

Als erstes möchte ich mich bei dem Autor und bei dem Verlag Marta Press für das Rezensions-Exemplar bedanken.

Elisabeth Scheer erzählt von ihrem segensreichen Leben als Kind und Jugendliche. Ihre Familie zeichnete sich durch großen Zusammenhalt aus. Die vielen verwandtschaftlichen Verzweigungen verwirrten mich zuweilen, störte mich aber nicht weiter. Ihre Eltern erzogen die Kinder zur Nächstenliebe, Fleiß und mit Bildung, soweit das Familieneinkommen reichte. Wer schon arbeitete, trug zum Familieneinkommen bei. Die Mutter war Hausfrau und gab sich alle Mühe, ihren Töchtern alles beizubringen, was den jüdischen Traditionen entsprach. Dem Vater war der Samstag heilig, dass sogar Arbeitsstellen hinten anstehen mussten.

Pici wurde auch schon früh mit dem unterschwelligen Judenhass konfrontiert. Der Vater pflegte als Holzhändler stets freundschaftliche Verbindungen, und doch konnte man es nicht verhindern, dass die Meisels alles durch die Judengesetze verloren, die auch in Rumänien Einzug hielten. Schließlich, 1944, kamen sie erst ins Ghetto, dann in verschiedene KZ’s. Picis Erinnerungen an diese Zeit ließen mich als Leserin den Atem anhalten. Schnörkellos, und doch eindringlich erzählte sie von dem Jahr, das für die Hölle auf Erden war. Die Eltern wurden gleich ermordet, mit ihren drei Geschwistern kann sie noch eine Weile zusammen bleiben, was ihr durchaus Trost und Halt war. Doch der Hunger, Verwahrlosung, Krankheiten, Gewalt und Tod forderten ihren Tribut. Sie konnte als eine der wenigen schließlich im Mai 1945 durch die russische Armee befreit werden.

Die Geschichte ringt mir als Leserin Demut ab. Ich als Deutsche empfinde die Geschehnisse aus der NS-Zeit als einen Teil meiner Geschichte, auch wenn ich und meine Eltern nichts dafür können. Aber wir müssen dazu stehen und ich kann bei solchen Geschichten nur beschämt und wortlos entschuldigend den Hut ziehen. Wie konnte Elisabeth Meisels diese Zeit nur überleben und danach noch so viel Hoffnung und Liebe in sich tragen? Wie kann man da nicht verbittern oder gar daran zerbrechen. Picis Geschichte steht für Millionen (wohl ungeschriebenen) Geschichten, aber sie ist lesens- und beachtenswert.

Der Verlag hat sich indes bemüht, die Geschichte um Elisabeth Meisels und ihre Geschichte zu belegen und tatsächlich fanden sich noch Unterlagen in verschiedenen Archiven, die die bewegende Geschichte bestätigen. Die Unterlagen sind in dem Buch als Abbildungen integriert.

Fünf Sterne für dieses Kleinod der Zeitgeschichte. Dieses Kapitel sollte niemals in Vergessenheit geraten und so etwas sollte auch nie wieder passieren! Egal, welcher Bevölkerungsgruppe man angehört oder welche Religion man ausübt, so etwas darf einfach nie wieder geschehen, an keinem Ort der Welt.

Veröffentlicht am 02.05.16!

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