J. Edgar

usaJ. Edgar (2011)

Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Dustin Lance Black
Produktion: Clint Eastwood, Brian Grazer, Ron Howard
Musik: Clint Eastwood
Kamera: Tom Stern
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Kaitlyn Dever, Josh Hamilton, Cheryl Lawson, Brady Matthews, Geoff Pierson, u.v.a.
Dauer: 137 Minuten

B0074H0I2MInhaltsangabe:

J. Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio), der unangefochtene Direktor des FBI, ist alt geworden und möchte gern seine Geschichte über das FBI niederschreiben lassen. Dafür bittet er junge Agenten in sein Vorzimmer und beginnt zu erzählen:

Bereits mit 29 Jahren wird der junge Edgar Direktor des FBI. Bis dato hat seine Mutter (Judi Dench) seine Persönlichkeit und sein Denken beeinflusst. Er lebt noch zu Hause und teilt seine beruflichen Erfolge stets in seiner Familie. Freunde hat er nicht.

Zaghafte Bemühungen, eine Frau für sich zu gewinnen, gehen mit seinem analytischen Verstand und seine Überkorrektheit auf Konfrontationskurs und als er 1927 Clyde Tolson (Armie Hammer) kennen lernt, geht er mit ihm eine lebenslange Freundschaft ein, die fast schon eine Beziehung zu sein scheint. Obwohl Clyde sich ihm einmal offenbart, kann Edgar seine homosexuellen Neigungen nicht nachgeben.

Währenddessen geht der Kampf um die Integrität der Behörde weiter. Das damalige FBI hat einen schlechten Ruf, Gangster nehmen die Agenten nicht wirklich ernst, denn sie dürfen keine Waffen tragen. Dies ändert sich erst, als das Lindbergh-Baby entführt wird. Hoover richtet erstmals ein technisches Labor und eine zentrale Kartei für Fingerabdrücke ein. Auch das Führen einer Waffe ist diesem Enführungs-Fall zu verdanken.

Doch Edgar erkennt auch die Macht von geheimen Akten. So legt er von hochrangigen Politikern und anderen öffentlichen Personen eigene Akten mit pikanten Inhalten an. Diese sichern ihm schließlich die Position über den Zeitraum von acht Präsidenten. Nur sehr wenige haben Kenntnis von diesen Akten.

Doch jede Ära geht mal zu Ende, ob nun politisch, privat oder beruflich. Und so kommt auch Egar mit dem Wandel der Zeit nicht klar und erkennt, das nicht alle Menschen bestechlich sind.

Mein Fazit:

Was für eine Charakterstudie! Selten so einen hochwertigen wie interessanten Film gesehen.

Leonardo DiCaprio verkörpert J. Edgar Hoover, der kein gesundes Verhältnis zur Mutter hat und bis zu ihrem Tod dominiert wird. Er ist ihr Augapfel, ihr Liebling und ihre Hoffnung auf Ruhm und Ansehen, der ihr durch den kranken Mann verwehrt geblieben ist. Judi Dench spielt die Rolle toll, es entstand schon eine besondere Magie zwischen diesen Persönlichkeiten auf der Leinwand. Beide Darsteller gaben alles und brillierten auf ihre eigene Art und Weise. Es war stets ein Kampf der Gegensätze – alt gegen jung, Mutter gegen Sohn, Frau gegen Mann – auf suptile Art und Weise, faszinierend und auch erschauernd.

Der Film stellt die Persönlichkeit von J. Edgar Hoover in den Mittelpunkt, wie er zum FBI kam, wie er es revolutionierte und den Ruf der Behörde verbesserte. Sein Privatleben hingegen wurde nicht sehr stark beleuchet (außer die Beziehung zur Mutter) und es gab auch nur eine Szene, wo ihm eine Frau wichtig wurde – nämlich seine langjährige Sekretärin Helen Gandy (toll gespielt von Naomi Watts). Diese versuchte auf eine ziemlich stümperhafte Art für sich zu gewinnen, Gefühle spielten kaum eine Rolle, eher ihre Tugenden.

Brilliant wurde gezeigt, wie Hoover sich seine Macht aufbaute, mit den Geheim-Dossiers und dessen Wirkung. Diese verloren jedoch mit der Bürgerrechts-Bewegung in den 60er Jahren allmählich ihre Wirkung, was ihn sehr erschütterte. Bis dahin war das FBI jedoch eine hochangesehene Behörde geworden. Die Entführung des Lindbergh-Babys war der Schlüssel aller Errungenschaften, die das FBI heute hat, mit dem technischen Labor, den Datenbanken und Katei-Systemen. Dies basiert allein auf Hoovers Ideen.

Ein besonderes Merkmal möchte ich noch auf die exzellente Ausstattung und Maske des Films lenken. Die Atmosphäre der damaligen Zeit wurde in allen Belangen sehr gut eingefangen und widergegeben. Nicht nur die Autos, auch die Kleidung, den Flair der Zeit und die Atmosphäre von Clubs und Bars. Ich als Zuschauerin hatte das Gefühl, mitten drin im Geschehen zu sein.

Insgesamt ist es ein absolut sehenswerter Film mit einem hohen Anspruch an Schauspielkunst. Von mir bekommt der Film 95% und ich würde ihn mir jederzeit wieder ansehen. Absolut top!

Anmerkung: Die Rezension stammt vom 05.02.2012.

Veröffentlicht am 15.05.16!

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