Egbert Osterwald: 2054 – Jahr der Entscheidung

B01F5F7UHUEgbert Osterwald: 2054 – Jahr der Entscheidung

Erschienen 2016
Verlag: Endeavour Press
Seitenanzahl: 337 Seiten
ASIN: B01F5F7UHU (nur als eBook erhältlich)

Inhaltsangabe:

Deutschland im Jahre 2054: Die deutsche Gesellschaft ist veraltet. Junge Menschen oder gar Kinder sind in der Minderheit. Die arbeitende Bevölkerung ächzt unter den hohen Abgaben, teilweise bis zu 70 oder 80% vom Einkommen muss für Sozialabgaben oder Steuern entrichtet werden, während die Rentner immer älter werden und bis ins hohe Alter vital sind. Wer das Glück hatte, für seinen Ruhestand noch zusätzlich zu sorgen (was häufig nur mit wenigen oder gar keinen Kindern ging), kann im Alter ein Leben ins Saus und Braus führen.

„Die Alten“, wie sie verächtlich von den jungen Menschen genannt werden, wählen schon seit vielen Jahren die gleiche Partei. Die Partei, die ihren Bedürfnissen gerecht wird und somit herrscht politischer wie auch gesellschaftlicher Stillstand. General Bertram, ranghoher Offizier beim Militärischen Abschirmdienst, kurz MAD genannt, wird zusammen mit seiner Frau eines nachts in seinem Bett ermordet, bevor er der Kanzlerin Trude von Tadden sehr geheime und wichtige Informationen anvertrauen kann.

Murat Cender, ein fähiger Mann vom MAD, soll zusammen mit Kommissar Wende vom BKA den Mord an Bertram untersuchen, doch dieser wird schnell als Selbstmord ad acta gelegt. Verdeckt sollen sie weiter ermitteln, bis sie auf die Spur einer terroristischen Vereinigung stoßen. Eine Terror-Gruppe plant Anschläge im großen Stil mit Giftgas Sarin und offensichtlich soll es beim Europa-Liga-Spiel Hannover96 gegen Juventus Turin freigesetzt werden. Damit wären hunderttausende Menschenleben in Gefahr und die nationale Sicherheit wäre ebenfalls erheblich gefährdet.

Doch viel zu spät erkennt Murat Cender, dass hinter dem Ganzen etwas ganz Anderes, etwas viel Größeres, steckt …

Mein Fazit:

Erstmal möchte ich mich beim Endeavour Press-Verlag ganz herzlich für die Überlassung des Rezensions-Exemplares bedanken. Wie man im Vorwort schnell erkennt, hat der Autor Egbert Osterwald diesen Roman bereits 2004 geschrieben. Inwiefern der Autor den Roman in jüngster Zeit noch einmal bearbeitet hat, weiß ich nicht. Aber der Grundtenor ist sowohl interessant als auch gruselig, denn das Bild von einer überalterten Bevölkerung und deren Folgen können durchaus realistisch anmuten. Einige Nebensätze lassen darauf schließen, das sich der Autor dies aber nicht nur für Deutschland vorgestellt hat, sondern eben in allen europäischen Nachbarstaaten.

Nun, mit Krimis tue ich mich manchmal schwer, daher lese ich auch nicht soo viele Krimis. Dieser dystopische Roman enthält eigentlich einen Thriller, genauer gesagt einen Polit-Thriller, der als ganz normaler Krimi beginnt. Im Laufe der Geschichte wandelt es sich, denn die Politik spielt eine große Rolle. Die derzeitigen großen Volksparteien gibt es nicht mehr. Es herrscht schon seit Jahren die Partei, die die Bedürfnisse der „Alten“ befriedigt. Karsten Meister, ein aufstrebender wie skrupelloser Politiker der „Gruppe 44“, versucht dem entgegen zu halten. „Gruppe 44“ ist deshalb so benannt, weil im Jahre 2044 erstmals mehr Menschen über 60 als unter 60 in Deutschland lebten und sie somit das politische Geschehen durch ihre Wahlstimme bestimmen und für die Zukunft blockieren. Ebenso gibt es natürlich mehr Technik im Roman. Visafon (Telefon mit Bild), Holovision (3D-Fernseher) und die Autos werden überwiegend mit Wasserstoff betrieben. Und selbstverändlich gibt es flächendeckende Überwachung durch Kameras, Datenschutz wird der Sicherheit untergeordnet. Und die jungen Menschen werden dazu genötigt, drei viertel ihres Einkommens an den Staat abzugeben, um die „Alten“ zu bezahlen, was immer mehr zu Unruhen und Unmut führt.

In dieser Atmosphäre muss Murat Cender, Offizier beim MAD mit Migrationshintergrund, den Mord an General Bertram aufklären. Es soll wie Selbstmord aussehen, ist es jedoch nicht. Da es von dem Mörder gar keine Spur gibt, wird berechtigterweise vermutet, dass eine größere Organisation dahinter steckt. Doch in wie weit die Verflechtung der Organisation wirklich geht, ahnt Murat zu dem Zeitpunkt nicht. Innerhalb von sechs Tagen verändert sich seine Welt auf grundlegende Art und Weise. Die Geschichte hat sechs Kapitel, für jeden Tag einen, beginnend mit Montag und es endet am Samstag, wo das Fußball-Spiel Hannover96 gegen Juventus Turin stattfindet (nebenbei bemerkt: Es ist ja ein schöner Traum, wenn die Roten tatsächlich im Jahre 2054 zum dritten Mal (in Folge) ihren Titel als Europa-Meister in der ersten Europa-Liga gewinnen würden *hach*). An jedem Tag passieren Dinge, auf die die Ermittler in irgendeiner Weise reagieren und agieren müssen und erst allmählich wird die Tragweite des Ganzen klar.

Ja, ich habe mich am Anfang sehr schwer getan mit der Geschichte und es gab auch Momente, wo ich es nicht weiterlesen wollte. Aber ungefähr ab der Hälfte wurde mir als Leserin dann klar, dass es sich nicht nur um einen normalen Krimi handelt, sondern um einen Polit-Thriller. Je mehr die Informationen durchsickerten (die jedoch noch immer nicht das vollständige Bild abgaben), desto spannender wurde es. Und oft genug habe ich ja bei den Geschichten eine Ahnung, so auch dieses Mal, aber das Ende übertraf meine Ahnung bei weitem.

Es gab sehr viele Personen, häufig wechselnde Orte und Begebenheiten. Das verwirrte mich sehr und bremste meinen Lesefluss. Ich hätte mir davon weniger und von den wichtigen Persönlichkeiten wie Murat Cender oder Hagen Conradi (Presse-Sprecher der „Gruppe 44“) mehr Profil und mehr Hintergrund gewünscht. Leider konnte ich sie nicht wirklich kennen lernen außer durch ein paar Infos und Häppchen.

Ansonsten kann ich dem Roman durchaus 4 Sterne vergeben.

Anmerkung: Ich habe es als eBook gelesen.

Veröffentlichung am 25.06.16!

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