Joël Dicker: Die Geschichte der Baltimores

3492057640Joël Dicker: Die Geschichte der Baltimores

Originaltitel: Le Livre des Baltimore (2015)
Übersetzt von Andrea Alvermann und Brigitte Große
Verlag: Piper Verlag
Seitenanzahl: 512 Seiten
ISBN-10: 3492057640
ISBN-13: 978-3492057646
Dies ist der 2. Teil der Marcus Goldman-Reihe.

Inhaltsangabe:

Florida 2012: Marcus Goldman hat sich ein Haus in einer ruhigen Gegend von Bota Roca gekauft, um an seinem nächsten Roman zu arbeiten. Doch anstatt zu schreiben tritt seine Jugendliebe Alexandra plötzlich wieder in sein Leben. Und er hat seinem inzwischen verstorbenen Onkel Saul versprochen, sich um das Haus in Coconut Grove zu kümmern.

Während er versucht, mit Alexandra wieder in näheren Kontakt zu kommen und sich um das Haus seines Onkels kümmert, erinnert er sich an seine prägende Zeit – die Jugend. Marcus Goldman gehört zu den Goldman’s, die in Montclair ein normales mittelständisches Leben führten. Kleines Haus, bescheidene Einkommen und Marcus ging auf eine staatliche Schule. Die Goldman’s in Baltimore hingegen schienen vom Leben verwöhnt – großes Haus, ruhmvolle Jobs und Hillel – Marcus Cousin – ging auf eine Privatschule.

Hillel ist von zarter Statur, aber sehr intelligent. Wie durch den Wink des Himmels trifft er auf Woody, einem schwierigen Jungen, der im Heim lebt. Seine soziale Prognose ist bescheiden, dennoch freunden sich die zwei Jungs an und die Goldman’s nehmen Woody in ihre Familie auf. Es beginnt eine unvergleichliche Freundschaft und sorgenfreie Kindheit für die Goldman-Gang, wo auch Marcus zugehört.

Doch ohne es wirklich zu ahnen, werden sie zu Rivalen, je älter sie werden und Marcus kann nur hilflos zusehen, wie die Familie Goldman in Baltimore dem sicheren Untergang geweiht ist …

Mein Fazit:

Dies ist mein erster Roman von Joel Dicker. Mir ist das Buch durch den einen oder anderen Blog schon „über den Weg gelaufen“ und so kaufte ich dieses Buch, als ich einen Geburtstags-Gutschein einlöste. Was mich allerdings wirklich erwartete, konnte ich beim besten Willen nicht wissen, da viele Rezensionen doch eher vage blieben.

Der Autor beschreibt eine vielschichtige Charakterstudie von einer erfolgsverwöhnten – aber durchaus liebevollen – Familie – den Goldmans in Baltimore. Onkel Saul, der als Anwalt sehr viel Ruhm erfährt (da er nie verliert), Tante Anita, die als Internistin im John Hopkins Hospital arbeitet und Hillel, der zwar sehr intelligent ist, aber das schützt ihn nicht vor Mobbing allerübelster Sorte. Seine Art  die Dinge zu betrachten bringen auch die Lehrkräfte und Direktoren auf die Palme, wobei da schon deutlich wird, wo das System erhebliche Defizite hat. Die allseits bekannte amerikanische Doppelmoral kommt erheblich zum Tragen so wie auch die Verblendung durch Ruhm und Ansehen. Jede Medaille hat eben zwei Seiten und die zweite Seite der Baltimores kommt nach und nach zum Vorschein.

Und natürlich steht auch die unverbrüchliche Kinderfreundschaft zwischen Hillel, Woody und Marcus im Vordergrund, welche gemeinsamen Dinge sie erlebten, wie sie ihre Versprechen hielten und gemeinsam jedes Problem anpackten. Nichts und niemand konnte sie auseinanderbringen. Woody galt dabei meine größte Sympathie. Er hatte das Herz auf dem rechten Fleck und setzte sich immer für die Schwächeren ein, auch wenn es dabei ernsthafte Konsequenzen drohte. Die, die er liebte, wollte er nie enttäuschen und doch war er manchmal nah dran – aus völlig heroischen Gründen.

Joel Dicker hat bei der Erzählung immer wieder Zeitsprünge eingesetzt. Die ersten Seiten musste ich mich daran gewöhnen, aber dann hatte ich keine Schwierigkeiten mehr, so sehr nahm mich die Geschichte gefangen. Ich musste beim Lesen lachen und weinen, Gefühle fuhren Achterbahn! Und dann immer wieder vage Andeutungen von der Katastrophe oder ein anderer Satz, die mich dann dazu veranlassten, einfach weiter zu lesen. Während der Pausen spukten mir die Geschichten um die Baltimores in meinem Kopf herum, ich ließ Passagen Revue passieren und versuchte zu rätseln, was denn die Katastrophe sein könnte. Die Auflösung ist erschreckend wie auch logisch und konsequent! Die vielen Personen erhalten ihren Platz zur Entwicklung und freien Entfaltung, man kann sie sich bildlich vorstellen. Manchmal glaubte ich, ich säße neben ihnen und würde die Geschehnisse live miterleben.

Das Buch wird mir lange im Kopf bleiben und es wird einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal haben. Den Vorgänger-Band werde ich mir auf jeden Fall noch kaufen und lesen. Der Autor schreibt einfach grandios und packend – defintiv ein Highlight in 2016. Von mir gibt es begeisterte fünf Sterne und eine klare Lese-Empfehlung für Fans von Familien-Sagas.

Veröffentlicht am 28.06.16!

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