Nina George: Das Lavendelzimmer

B00AAABJIMNina George: Das Lavendelzimmer

erschienen 2013
Verlag: Knaur HC
Seitenanzahl: 384 Seiten
ISBN-10: 3426652684
ISBN-13: 978-3426652688

Inhaltsangabe:

„Immer hatte er die Anwesenheit der Bücher als Schutz empfunden. Er hatte die ganze Welt in seinem Schiff gefunden, alle Gefühle, jeden Ort und alle Zeiten. Er hatte nie reisen müssen, und ihm hatten die Gespräche mit Büchern genügt … mitunter hatte er sie höher geschätzt als Menschen.

Sie waren weniger bedrohlich.“ (Seite 215-216 von 316)

Dieses Zitat beschreibt ungefähr, wie Jean Perdu tickt. 50 Jahre alt, einsam und Literarischer Pharmazeut, der auf seinem Schiff „Literarische Apotheke“ (das verankert auf der Seine/ Paris liegt) nur Bücher verkauft, die seine Kunden auch wirklich brauchen. Und 21 Jahre war das Lavendelzimmer verschlossen und sein Herz und sein Leben dort eingesperrt. Doch nun zieht eine neue Nachbarin ins Haus und sie hat keine Möbel. Er öffnet die verschlossene Tür zum Lavendelzimmer und sieht seine große Liebe Manon noch immer dort in seinen Gedanken sitzen. Doch in diesem Zimmer ist ein Tisch und ein Stuhl, den Catherine, seine neue Nachbarin, dringend braucht. Mit großer Anstrengung bringt er ihr den Tisch, um dann am nächsten Tag zu erfahren, dass sich dort in der Schublade des Tisches noch ein ungeöffneter Brief befindet: Von Manon!

Als sie ihn vor 21 Jahren plötzlich und über Nacht verlassen hatte, hörte sein Herz auf zu schlagen, seine Welt wurde immer kleiner und er versteckte sich stets hinter Büchern. Den Brief, den sie ihm hinterlassen hatte, las er nie – bis Catherine ihn darum bittet und was er liest, erschüttert ihn in seinen Grundfesten. So sehr, dass er mit seinem Schiff Lulu und dem erfolgreichen Schriftsteller Max Jordan auf der Seine aufbricht. Und er merkt selbst, dass diese Reise sein Leben und seine Gefühlswelt für immer verändern wird.

Mein Fazit:

Über ein Jahr lag dieses Buch schon auf meinem SuB und das ich es endlich gelesen habe, ist größtenteils der Tatsache geschuldet, dass ich in den Urlaub nicht so viele Print-Bücher mitgenommen habe (zwei, um ganz genau zu sein). Da ich sehr viel gelesen habe, bot es sich nun an, dieses Buch zu lesen, welches schon die ganze Zeit auf meinem Tablet wartete.

Ich wußte überhaupt nicht mehr, wovon es handelt, also ging ich völlig ohne irgendwelche Erwartungen ran und tauchte in eine wunderbare Geschichte voller Poesie, feinsinnigen Humor und völlig schrägen Charakteren. Jean Perdu ist natürlich die Hauptfigur, der von seiner großen Liebe – Manon – so schwer enttäuscht wurde, dass er sich nie davon erholte. Nein, er verbot sich sogar so etwas wie Trauer. Seine Welt ist klein, er hat keine Freundschaften, nur die Nachbarn gehen ihm manchmal auf den Keks und die bereits geschiedenen Eltern zanken sich auch zuweilen. Ansonsten hat er nur seine Bücher und Lulu, seine literarische Apotheke! Jeden Kunden betrachtet er genau und stellt geschickte Fragen, um ihnen dann das Buch zu verkaufen, was sie dringend brauchen, um wieder ihren Seelenheil zu finden. Als er das Lavendelzimmer, dessen Tür er damals zumauerte und hinter eine Bücherwand versteckte, nach langer Zeit wieder öffnet, spürt er, dass Veränderungen bereit stünden – große Veränderungen! Und als er sich Catherine, der neuen Nachbarin, nähern wollte, merkte er, dass er es nicht konnte. Sein Herz war noch nicht frei. Und so macht er sich auf die abenteuerliche Reise mit seinem Schiff und Max Jordan, dem erfolgreichen Schriftsteller, dem nichts mehr einfiel und der von seinen Fans verfolgt wurde. Gemeinsam mit zwei weiteren illustren Figuren (eine liebenswerter als die andere) erlebt Perdu dann eine Reise, aus der er ein anderer Mensch wird. Doch der Weg ist und die Abenteuer herzerfrischend und bezaubernd, untermalt mit einem sehr feinsinnigen Humor!

Die Autorin hat eine große Liebe für die Sprache und skurilen wie auch liebevollen Figuren. Das merkt man auf jeder Seite. Gelegentlich erwischte ich mich dabei, mir das Bild vor meinem inneren Auge auszumalen, was sie da beschrieb. Da sie sehr detailreich erzählt, konnte ich mir das gut vorstellen, auch wenn mein inneres Bild sicher nicht so komplett war die wunderschöne Erzählart es vermochte. Zwei oder drei Stellen in dem Buch waren mir dann etwas langatmig, da verfiel die Autorin dann in eine wahre Erzählwut, aber es war nicht lang und auch nicht so schlimm.

Es ist ein wunderschönes Buch um Träume, Liebe, Tod, Trauer und gleichzeitig auch Hoffnung und Selbstkenntnis. Ein Buch mit großer Erzählkunst geschrieben und vielen liebevollen Details zur französischen Flora und Fauna. Für mich ganz klar ein Fünf-Sterne-Buch mit nachdrücklicher Lese-Empfehlung. Und ich bin sicher, ich werde noch das eine oder andere Buch von ihr lesen.

Anmerkung: Ich habe es als eBook gelesen.

Veröffentlicht am 09.07.16!

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