Ein ganzes halbes Jahr

usaEin ganzes halbes Jahr (2016)
Originaltitel: Me Before You

Regie: Thea Sharrock
Drehbuch: Jojo Moyes
Produktion: Karen Rosenfelt, Alison Owen, Sue Baden-Powell
Musik: Craig Armstrong
Kamera: Remi Adefarasin
Darsteller: Emilia Clarke, Sam Claflin, Vanessa Kirby, Charles Dance, Jenna Coleman, Matthew Lewis, u.v.a.
Dauer: 110 Minuten
Romanvorlage: „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes

Inhaltsangabe:

Louisa Clark (Emilia Clarke), von allen Lou genannt, braucht dringend einen neuen Job. Denn ihr Vater ist seit Jahren arbeitslos und die Mutter kümmert sich um den kranken Großvater. Die Schwester Katrina kann ebenfalls nichts zur Haushaltskasse beisteuern, da sie ihr kleines Kind betreut.

Sie erhält die gutbezahlte Stelle bei den Traynor’s. Will Traynor (Sam Claflin) hatte vor zwei Jahren einen schweren Unfall und ist seitdem von der Brust abwärts gelähmt. Im besten Fall kann er seine Finger bewegen! Lou gibt sich alle Mühe, ihren Job richtig auszufüllen, aber Will ist verbittert und hadert mit sich selbst. Vor dem Unfall liebte er das Leben und testete stets seine Grenzen. Nichts war ihm gefährlich genug, doch nun ist er ständig auf die Hilfe anderer angewiesen und erleidet offenbar auch starke Schmerzen.

Seine Verzweiflung und Verbitterung lässt er an Lou aus, doch sie gibt nicht so schnell auf. Sie erfährt, dass Will in die Schweiz will, um sich dort in einem Hospiz das Leben zu nehmen. Für ihn ist das Leben vollkommen sinnlos geworden und er möchte die unendlichen Qualen seiner Behinderung nicht mehr ertragen. Seine Eltern (Charles Dance und Janet McTeer) konnten ihm noch ein halbes Jahr abringen, um es sich noch einmal zu überlegen und diese Zeit sollte Lou mit ihm verbringen.

Lou fühlt sich dazu berufen, ihn umzustimmen und zieht alle Register …

Mein Fazit:

Ich gestehe ehrlich – das Buch habe ich (noch) nicht gelesen. Ich werde es wohl später nachholen.

Wie fühlt es sich an, wenn man nach einem ausgefüllten und sehr aktiven Leben plötzlich an den Rollstuhl gefesselt ist? Ich glaube, dass niemand das so wirklich nachempfinden kann, der es nicht selbst erlebt hat. Ich mag es auch nicht beurteilen, aber ich stelle es mir schon sehr schlimm vor. Will Traynor, toll gespielt von Sam Claflin (Die Tribute von Panem), ist nun in so einer Situation und von Anfang an springt ihm die pure Verzweiflung aus dem Antlitz. Er kann gar nichts mehr allein machen, solche banale Dinge wie DVD einlegen oder allein zu essen sind inzwischen Dinge der Unmöglichkeit. Somit ist klar, dass so etwas wie eine einfache Umarmung, geschweige denn aktive Männlichkeit, nicht mehr wirklich funktionieren. Daher hatte er beschlossen, dem in einem Schweizer Hospiz ein Ende zu setzen. Seine Eltern, allen voran die Mutter (toll und glaubhaft gespielt von Janet McTeer) hat damit jedoch große Probleme und daher haben sie vereinbart, noch ein halbes Jahr zu warten und engagieren die quirlige und leicht chaotische Louisa (Emilia Clarke, Game of Thrones), die von Pflege so überhaupt keine Ahnung hat. Aber sie gibt sich wirklich sehr viel Mühe. Tatsächlich betrachtet sie es erst als einen ganz normalen Job, der ihr gutes Geld beschehrt. Denn sie muss Will nicht anfassen oder zur Toilette und ähnliches begleiten. Dafür gibt es Nathan (Stephen Peacocke), den Physiotherapeut. Doch mit der Zeit werden die beiden warm miteinander und es finden ehrliche Gespräche statt. Sie bauen ein zartes Band zueinander auf, das eine erste Bewährungsprobe erfährt, als Lou mitbekommt, was wirklich nach dem halben Jahr geschehen soll.

Ich finde dieses Thema schwierig zu beurteilen. Sollte man Will sein Selbstbestimmungs-Recht nehmen und ihn am Leben lassen, obwohl er sich innerlich schon längst verabschiedet hat? Sollte man ihn zwingen, ein Leben zu frissten, welches er sich so in seinen kühnsten Träumen nicht hatte vorstellen können? Louisa klammert sich an die Hoffnung, dass ihre Liebe ihn umstimmen könnte. Denn sie liebt Will, obwohl sie schon seit sieben Jahren mit Patrick (Matthew Lewis) zusammen ist. Sie glaubt, dass sie es gemeinsam schaffen können und kämpft wie eine Löwin (diese Szene am Strand war für mich die berührendste Szene im ganzen Film).

Von den Darstellern hat mir Sam Claflin einfach am Besten gefallen. Seine schauspielerische Leistung ist nicht zu unterschätzen, denn er hatte ja nur die Mimik und seine gesprochenen Worte. Emilia Clarke hingegen konnte mich nicht wirklich überzeugen, aber vielleicht konnte ich auch mit der Rolle nicht so ganz warm werden. Es wirkte an einigen Stellen aufgesetzt oder recht künstlich. Die Kulisse (die Burg) fand ich hingegen schon recht romantisch. Alles in allem durchweg solide und glaubhaft inszeniert!

Insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten, es gab die eine oder andere sehr berührende Szene, aber wirklich ein Taschentuch brauchte ich nicht. 80% vergebe ich dafür.

Veröffentlicht am 13.07.16!

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