Eddie Joyce: Bobby

b0196ub1zmEddie Joyce: Bobby

Originaltitel: Small mercies (2015)
Übersetzt von Karen Nölle und Hans-Ulrich Möhring
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
Seitenanzahl: 416 Seiten
ISBN-10: 3421046514
ISBN-13: 978-3421046512

Inhaltsangabe:

Bobby war der Jüngste von drei Söhnen von Gail und Michael Amendola. Und er war der Erste, der Vater wurde und der Einzige, der seinem Vater in den Beruf folgte: Feuerwehrmann in New York. Knapp zehn Jahre nach seinem Tod lernt Tina, seine Witwe, einen neuen Mann kennen. Die Sache ist ziemlich ernst. Wade ist ebenfalls Witwer und mag ihre Kinder Alyssia und Bobby Jr.

Eine Woche vor Bobby Jr. Geburtstag eröffnet Tina ihrer früheren Schwiegermutter, dass sie den neuen Mann mit zur Geburtstagsfeier mitbringen wird. Gail nimmt die Neuigkeiten mit gemischten Gefühlen auf, während Michael sich für sie freut. Wie Bobbys Brüder reagieren, ist fast schon zu erahnen, dennoch bleibt ihnen allen nichts anderes übrig, als diese Tatsache zu akzeptieren.

Eine Woche Zeit bleibt ihnen, um die Familie darauf vorzubereiten und alte -vermeintlich verheilte- Wunden reißen erneut auf. Und jeder lässt auf seine eigene Art und Weise die Trauer durchscheinen.

Mein Fazit:

Dieses Jahr jährte sich der 11. September zum 15. Mal. Der Terror-Anschlag auf die Twin Towers hat sich in das kollektive Gedächtnis der Menschheit gebrannt und alle, die dieses Szenario mit Fassungslosgkeit und Bestürzung im TV verfolgten, wissen heute noch, wo sie sich damals befanden, als sie die Nachricht vom Anschlag erhielten. Mir ergeht es dabei nicht anders.

Just am traurigen 15.ten Jubiläum wurde ich auf dieses Buch aufmerksam und da die Bewertungen durchweg positiv waren, habe ich es mir sofort als eBook runtergeladen und ich besuchte die irisch-italienische Familie Amendola, die ein völlig normales Leben auf Staten Island, New York, führen und mit dem Verlust fertig werden müssen. Auch knapp 10 Jahre danach ist die Lücke, die Bobby durch seinen tödlichen Einsatz am 11. September hinterlassen hat, nicht annähernd geschlossen.

Gail, die Mutter, betritt immer wieder Bobbys Jungendzimmer, das noch genauso eingerichtet ist wie damals. Michael hadert mit sich, weil Bobby ihm als Feuerwehrmann folgte. Peter, der Älteste von den dreien und Vorzeige-Sohn, kämpft mit seiner Karriere als Anwalt und um seine Familie. Die Familien-Idylle hat erhebliche Risse bekommen, als er eine Affäre beginnt. Und Franky, der eine besondere Beziehung zu Bobby hatte, kriegt sein Leben nicht in Griff und trinkt und zockt mehr, als das er arbeitet und seine Rechnungen bezahlt.

Tina, Bobbys Jugendliebe, tut sich erst mit der neuen Beziehung etwas schwer. Aber ihre Einsamkeit erdrückt sie und die Kinder verstehen sich schließlich mit dem neuen Mann. Sie ist noch immer Bobbys Frau, die Schwägerin und Schwiegertochter, aber sie braucht einen Neu-Anfang. Alle haben mit alltäglichen Problemen zu kämpfen, und doch ist Bobby immer irgendwie gegenwärtig. Während der Woche bis zu Bobby Jr. Geburtstag erinnern sich alle an ihr normales Leben auf Staten Island, wie sie zu dem wurden, die sie heute sind und wie ihre Trauer ihre kleine Welt ein kleines Stück ins Wanken bringt. Und doch ist in jeder Trauer auch immer ein kleines bisschen Hoffnung.

Größtenteils handelt das Buch von den einzelnen Akteuren, den Familienmitgliedern. Ihr völlig normales Leben auf Staten Island, mit all den alltäglichen Problemen, die dazu gehören. Man erfährt auch viel über die Insel, die lange Zeit nur über Fähren erreichbar war. Staten Island ist der Ort, wo die Polizisten, Feuerwehrmänner und Rettungs-Sanitäter ein normales Leben führen und im Dienst der Öffentlichkeit stehen. Ich fand es äußerst interessant, auch wenn ich das mit dem „Cody’s Pool“ nicht so ganz verstanden habe. Aber gut!

Es gab die eine oder andere kleine Länge, aber die facettenreichen und tiefgründigen Erzählungen über die Leben der einzelnen Familienmitglieder machte so einiges wieder wett. Auf den 11. September wird hingegen nur kurz eingegangen, da hätte ich mir trotz allem mehr gewünscht, wie die Familie diesen einen Tag erlebt hatte. Außerdem gab es (für meinen Geschmack) zu häufig das vulgäre F-Wort. Das mag vielleicht realistisch anmuten, mich stößt es aber eher ab. Daher gibt es nur vier Punkte. Ansonsten ist die Familien-Saga sehr zu empfehlen.

Anmerkung: Ich habe es als eBook gelesen!

Veröffentlicht amk 24.09.16!

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