Stefanie Gregg: Mein schlimmster schönster Sommer

Stefanie Gregg: Mein schlimmster schönster Sommer

erschienen 2017
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch
Seitenanzahl: 304 Seiten
ISBN-10: 3746633214
ISBN-13: 978-3746633213

Inhaltsangabe:

Isabel Drievers, erfolgreiche Unternehmensberaterin, hat einen Tumor im Bauch – männerfaustgroß. Und bis zur großen OP hat sie 14 Tage Zeit, sagt ihr Arzt und rät ihr außerdem, in den Urlaub zu fahren. Und ehe Isabel es sich versieht, hat sie einen gelben VW-Bulli von Rasso gemietet. Spontan möchte sie in die Provence fahren und Rasso begleitet sie ein Stück, denn er hat noch etwas zu erledigen.

Georg, Isabels Lebensgefährte, findet ihre Nachricht und ihr Handy zu Hause vor. Ein ungewohntes Gefühl macht sich in ihm breit: Sie ist für ihn nicht erreichbar. Isabel hingegen findet es herrlich, einfach Zeit zu haben und sich um nichts Gedanken machen zu müssen. Sie erlebt abenteuerliche, schöne und nachdenkliche Momente mit Rasso, einem zugelaufenen Streuner und dem attraktiven Piet, der genau wie sie den Film „Der Himmel über Berlin“ mag.

Zum ersten Mal fühlt Isabel sich frei, doch bei den Untersuchungen im Krankenhaus wird noch mehr entdeckt und sie wird dringend gesucht …

Mein Fazit:

Wer träumt denn nicht mal davon? Einfach eine spontane Entscheidung treffen und sich mal für ein paar Tage frei fühlen – ohne jegliche Verpflichtungen oder Bindungen? Gerade wenn man Familie hat, ist es fast unmöglich. Auch ich habe schon davon geträumt, spontan die Koffer zu packen und für ein paar Tage an die Ostsee zu fahren. Aber wie bei vielen anderen würde ich Chaos hinterlassen. Nun ja …

Isabel ist erfolgreiche Unternehmensberaterin und lebt mit Georg, ebenfalls erfolgreicher Unternehmensberater, seit drei Jahren zusammen. Ihr Leben ist der Beruf, für Freunde oder Familie bleibt da kaum Zeit, für eine tiefere Entwicklung der Beziehung ebenfalls nicht. Als Isabel vom Arzt sozusagen in den Urlaub geschickt wird, nimmt sie es wörtlich, ohne darüber nachzudenken, was Georg davon halten könnte. Denn er findet kaum Zeit für sie und im Laufe der Geschichte wird Georg auch klar, dass er Isabel nicht wirklich kennt. Sie ist immer adrett angezogen, immer höflich und freundlich, durchaus kultiviert und als Gastgeberin für berufliche Abendessen perfekt. Aber ist sie wirklich glücklich in der Beziehung?

Isabel spürt sehr schnell, wie die Fesseln ihres Lebens bald von ihr abfallen. Zwar zwingt der männerfaustgroße Tumor sie gelegentlich zum langsameren Tempo, aber sie hat dennoch Spaß, kann ihre Gedanken schweifen und ihr bisheriges Leben Revue passieren lassen. Sie versuchte immer das Richtige zu tun, für Georg und für ihre Mitmenschen. Sie spürt sehr schnell, dass sie selbst dabei auf der Strecke geblieben ist und entdeckt einen unbändigen Lebenshunger. Nach dem turbulenten Beginn ihrer Reise und einigen skurilen Erlebnissen in den Bergen von Bayern weiß sie, was ihr gefehlt hat.

Es ist ein wunderschönes Buch über das Leben und ein Plädoyer für die Spontanität und Lebensfreude. Manchmal ist es vielleicht besser, sich auch mal auf etwas einzulassen. Zugegeben – es kann echt schwer sein, aber womöglich lohnt es sich und dieses Buch vermittelt genau das: Es lohnt sich, manchmal auszusteigen und die Dinge auf sich zukommen zu lassen.

Ich konnte mir Isabel, Rasso und den Streuner sehr gut vorstellen, sie waren für mich greifbar und auch sehr emotional. Schade, das Piet da nicht so viel Raum bekam, aber auch er ist sehr sympathisch und liebevoll gezeichnet. Georg wurde mir hingegen immer unsympathischer. Aber Gott sei Dank merkte Georg selbst irgendwann, wie der Hase lief. Meist erzählt Isabel aus ihrer Perspektive, aber kurze Kapitel erzählen auch von Georg, wie er mit der Situation umgeht. Schön gemacht – es wurde mir als Leserin deutlich, wie oberflächlich die Beziehung doch war.

Ein wunderbares Buch, welches nachdenklich stimmt und den Leser auf eine schöne Reise durch Bayern mitnimmt. Von mir bekommt es volle fünf Sterne und eine klare Lese-Empfehlung.

Veröffentlicht am 19.02.17!

 

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