Amy Harmon: Unendlich wir

Amy Harmon: Unendlich wir

Originaltitel: Infinity + One (2014)
übersetzt von Corinna Wieja und Jeannette Bauroth
Verlag: Ink Verlag
Seitenanzahl: 416 Seiten
ISBN-10: 3863960807
ISBN-13: 978-3863960803

Inhaltsangabe:

Die Country-Sängerin Bonita Rae Shelby, von allen Bonnie genannt, schwimmt auf der Welle des Ruhmes und kann ihr Geld womöglich ihr Leben lang gar nicht ausgeben. Doch der Ruhm hat auch seine Schattenseite: während ihre Zwillingsschwester Minni an Leukämie starb, war sie auf Tournee und um den Tourplan nicht durcheinander zu bringen, teilte man ihr den Tod erst viel später mit. Diesen Fehler kann Bonnie ihrer Großmutter nicht verzeihen.

Sie beschließt ihr Leben zu beenden und steht auf einer Brücke in Boston, als Finn Clyde, von allen Clyde genannt, sie sieht. Clyde ist bereits vorbestraft, lebt vorwiegend in der Welt der Mathematik und hat ebenfalls schon einen großen Verlust erlitten. Aus einem Impuls heraus kann er sie retten. Da sie nicht zurück zu ihrer Crew und der geld- und machtgierigen Großmutter will, bittet sie ihn, sie mitzunehmen auf seine Fahrt nach Las Vegas.

Für beide beginnt ein unvergleicher Roadtrip, der in vielen Dingen an das Gaunerpärchen Bonnie und Clyde erinnert. Und ihre Welt wird nicht mehr so sein, wie sie sie in Bosten verlassen haben.

Mein Fazit:

Amy Hamon hat es mal wieder geschafft, mich in den Bann zu ziehen. Dies ist nun das vierte Buch, welches ich von ihr lesen durfte und auch wenn das Genre immer gleich ist, so ist jede Geschichte einzigartig anders.

Am Anfang erfährt man von dem berühmten Gaunerpärchen, das in den 30er Jahren in Amerika sein Unwesen trieb und letztlich märtyrerhaft im Kugelhagel der Polizei starb. Und dann lernen wir Bonnie und Clyde der Gegenwart kennen. Sie sind ziemlich unterschiedlich, sogar völlig gegensätzig. Sie leben in unterschiedlichen Galaxien und doch finden sie sofort Gefallen aneinander. Finn stammt aus einfachen Verhältnissen und kam durch seinen Zwillingsbruder Fish in Schwierigkeiten. Dafür musste er ins Gefängnis und diese Zeit prägte ihn nicht nur psychisch, sondern auch physisch. Mit dem Leben in Bosten will er nichts mehr zu tun haben. In Las Vegas wird sein Talent gebraucht, denn seine Welt sind die Zahlen, Algorythmen und Gleichungen. Sein fotografisches Gedächtnis hat ihn schon in die eine oder andere schwierige Situation gebracht, doch in Las Vegas kann er damit legal Geld verdienen.

Er sieht Bonnie auf der Brücke stehen und sie ist schon im Fallen, aber er kann sie noch auffangen und bewahrt sie vor dem sicheren Tod. Bonnie ist lebensmüde, nachdem man ihr noch nicht einmal mehr erlaubt hatte, sich von ihrer verstorbenen Schwester zu verabschieden. Ihre Großmutter, gleichzeitig auch ihre Managerin, wacht über jeden Schritt, den sie tut. Seit sechs Jahren schon tingeln sie durch die Welt, geben Konzerte, Interviews und machen neue Aufnahmen. Doch Gran hat noch nicht genug von dem Rummel. Als Gran feststellt, dass Bonnie vermisst wird, schlachtet sie es in den Medien aus, schaltet die Polizei ein und hetzt so alle auf das vermeintliche Gaunerpärchen, das eigentlich nur eines will: In Ruhe gelassen werden. Doch sie sind seit der ersten Minute auf der Flucht und erleben dabei sehr schöne und weniger schöne Momente. Bonnie und Clyde entdecken dabei ihre Liebe und gleichzeitig ihre ausweglose Situation. Doch sie sehen es auch als Chance und offenbahren Dinge, die sie vorher fest verschlossen hatten.

Was für eine Geschichte! So facettenreich und so bildhaft! Ich finde kaum genug lobende Worte dafür. Die Autorin hat verschiedene Themen behandelt: Familienbande, Loyalität, Hoffnung, Trauer, Liebe und die überschäumende Medienwelt, wenn ein Superstar plötzlich verschwunden ist. Aber auch Gier und Macht sind erheblich, wobei das erst am Ende zu einem großen Thema wird. Diese grundlegenden Themen sind ziemlich geschickt miteinander verknüpft. Die Protagonisten wachsen einem dabei ans Herz, man will sie beschützen, trösten, ermutigen und applaudieren. Sie sind emotional greifbar, ohne dass es kitschig wirkt. Und das Ende ist einfach konsequent und zu Herzen gehend.

Die Perspektiv-Wechsel haben mich am Anfang etwas verwirrt, aber erst einmal daran gewöhnt, war es kein Problem mehr. So lernte ich beide Personen wirklich gut kennen. Am Anfang eines jeden Kapitels gab es eine kurze Zusammenfassung, wie der Stand der Dinge in den Medien war. Was für haarsträubende Geschichten da manchmal zu lesen waren.

Wunderschön und berührend, begeisterte fünf Sterne von mir für diesen unvergesslichen Roadtrip!

Anmerkung: Ich habe es als eBook gelesen!

Veröffentlicht am 06.04.17!

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