The Circle

The Circle (2017)

 

Regie: James Ponsoldt
Drehbuch: James Ponsoldt
Produktion: James Ponsoldt, Russell Levine, Evan Hayes, u.v.a.
Musik: Danny Elfman
Kamera: Matthew Libatique
Darsteller: Emma Watson, Tom Hanks, John Boyega, Karen Gillan, Ellar Coltrane, Patton Oswalt, u.v.a.
Dauer: 110 Minuten
Romanvorlage: “The Circle” von Dave Eggers

Inhaltsangabe:

Mae (Emma Watson) führt ein ganz normales Leben. Nach dem College arbeitet sie in der Kundenbetreuung des hiesigen Wasserwerkes und in der Freizeit kümmert sie sich um ihre Eltern. Der Vater Vinnie (Bill Paxton) ist schwer an MS erkrankt und benötigt rundum-Pflege von Bonnie (Glenne Headly). Der Freundschaft mit Mercer (Ellar Coltrane) ist sie ein bisschen entwachsen, aber er hilft ihr immer noch hin und wieder, wenn z. B. ihr Auto liegen geblieben ist.

Maes Freundin Annie (Karen Gillan) kann ihr einen Job beim IT-Unternehmen „The Circle“ besorgen. Und sie ist überglücklich. Der Job wird sehr gut bezahlt, sie sitzt in einem sonnigen Großraum-Büro und für allerlei Freizeit-Aktivitäten wird ebenfalls gesorgt, selbst Partys werden organisiert und Mae taumelt von einem Event zum Nächsten. Von den Innovationen ist Mae ebenfalls ganz begeistert und gerade wird eine kleine Kamera vorgestellt, die per Satellit mit dem Internet verbunden ist und 24 Stunden am Tag, sieben Tage pro Woche alles aufzeichnet, was sie mit der Linse erfasst. Es passt ausgezeichnet zur Unternehmensphilosophie der Gründer Baily (Tom Hanks) und Stenton (Patton Oswalt). Denn alles soll geteilt werden, Privatsphäre heißt Geheimnisse und Geheimnisse sind Lügen. Das erfährt Mae am eigenen Leibe, als sie mit dem Kajak in eine lebensbedrohliche Situation gerät und dank der Kameras gerettet werden kann.

Ihr Glück ist vollkommen, als ihre Eltern vom Unternehmen Unterstützung gegen die MS-Erkrankung des Vaters erhält. Sie gibt sich freiwillig als das neue Gesicht von The Circle her und lässt fortan ihren Tag von Kameras begleiten. Doch die vollkommene Transparenz hat ihren Preis und Mae erkennt auf tragische Weise, was dies bedeutet. Wird sie ihre Haltung zum Unternehmen überdenken? Kann sie sich von der neuen Traumwelt loslösen oder ist selbst Gefangene in einem System, das die vollkommene Kontrolle über die Menschen haben will?

Mein Fazit:

Als ich Lust auf Kino hatte und die Auswahl der Filme für einen Sonntagnachmittag nicht gerade groß war, erschien mir dieser Film perfekt für einen spannenden und entspannten Kino-Besuch. Ich habe vorher weder vom Buch noch von dessen Verfilmung gehört, daher ging ich ohne irgendeine Erwartung in die Vorstellung. Und die zauberhafte Emma Watson habe ich zuvor noch nicht in den anderen Filmen gesehen, seit die Harry Potter-Reihe ihr Ende gefunden hat. Tom Hanks ist ja eigentlich auch immer ein Garant für spannende und zuweilen aufwühlende Filme!

Doch von diesem Streifen wurde ich enttäuscht. Offiziell ist der Film in der Kategorie Science Fiction angesiedelt. Ich kann das so nicht stehen lassen. Zwar gibt es ein solches Unternehmen wie The Circle noch nicht, aber allzu weit sind wir auch nicht mehr davon entfernt. Schon heute greifen die hiesigen IT-Unternehmen wie Google, Facebook und Apple alle möglichen Daten ab und wer sagt uns, das sie nicht doch schon heimlich miteinander kooperieren, um die Datensätze zusammen zu fassen? Was The Circle darstellt, gibt es schon. Auch die Parallelen der Shows sind unverkennbar: Steve Jobs, Mark Zuckerberg und Co mach(t)en es doch heute schon genauso, peitschen ihre Mitarbeiter an, um noch mehr Ideen einfließen zu lassen, noch mehr Innovationen zu finden und das alles im Namen der Sicherheit. Dabei gibt es eigentlich nur ein Ziel: Den Bürger gläsern werden zu lassen, keine Privatsphäre mehr gönnen, alles wissen wollen von den Menschen und daraus Kapital zu schlagen. Vollkommene Transparenz ist das Zauberwort! Dahinter verbirgt sich nichts anderes als die absolute Kontrolle über die Daten der Menschen, die sich dem Unternehmen anvertrauen.

Mae Holland, wunderbar gespielt von Emma Watson, bewegt sich glückselig in diesem ganz eigenen Universum. Sie kann es gar nicht fassen, dass sie einen Job in diesem Unternehmen bekommen hat. Und ihre Glückseligkeit steigert sich noch, als ihren Eltern geholfen wird und sie von Party zu Party rauscht und Menschen grüßt, die sie kaum kennt, die sie aber sehr wohl kennen – von ihrem Profil. Leise innere Zweifel unterdrückt sie, von ihrem Freund oder von ihren Eltern erhobene Kritik ignoriert sie und selbst, als ein unfassbares Unglück geschieht, kann sie nicht erkennen, wie falsch das eigentlich ist. Sie ist wie im Rausch, als sie von Bailey und Stenton auch noch in die obere Riege befördert wird und man ihr zuhört.

Eine Moral von der Geschichte wird im Keim erstickt, die Heldin bewegt sich nicht vorwärts, lernt nicht aus den Entwicklungen und ist nicht in der Lage, ihre eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Warum Ty (John Boyega) in ihr Leben tritt, ist für den Zuschauer nicht wirklich erkennbar! Ist er die Stimme des Gewissens? Seine wenigen Versuche, ihr nahezubringen, was das wirklich alles bedeutet, scheinen vergeblich zu sein. Mae kann nicht anders als ihr Leben der Öffentlichkeit zu widmen – koste es, was es wolle! Ab der Hälfte des Films konnte ich der Entwicklung der Heldin nur fassungslos zuschauen und die Hoffnung auf einen Aha-Effekt wurde schnell wieder zerschmettert. Demzufolge bin ich mit dem Ende des Films überhaupt nicht zufrieden und einverstanden. Was sagt es dem Zuschauer? Dass man die Entwicklung nicht mehr aufhalten kann? Dass die Privatsphäre ohne The Circle nichts mehr wert ist? Dass Geheimnisse verpönt sind? Fragen über Fragen, auf die ich auch nach längerer Überlegung einfach keine Antwort finde.

Die Darsteller haben ihre Arbeit gut gemacht, das Setting war grandios und hat das universelle Unternehmen nur unterstrichen. Aber die Geschichte als „besonders wertvoll“ zu bezeichnen finde ich in hohem Maße verantwortungslos. Man sollte sich kein Beispiel daran nehmen, wie Mae sich verhalten hat: sie hat nahezu alles kritiklos hingenommen und demzufolge bleibt die Figur auch blass und naiv. Aus dem, was um sie herum passiert, lernt sie einfach nicht. Von mir bekommt der Film 65%. Dies ist der Grundstory geschuldet. Die Schauspieler haben gemäß dem Drehbuch sehr gut gespielt!

Veröffentlicht am 12.09.17!

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2 Gedanken zu „The Circle

  1. Liebe Elke,

    danke für die interessante Rezi! Da scheint ja das Filmende doch mit dem Buch übereinzustimmen, obwohl ich es anderslautend gelesen habe. Im Buch ist die Prota ja auch sehr entwicklungsresistent und alle Hoffnung, dass sie doch noch aufbegehrt (was einem zum Durchhalten animiert), ist umsonst. Bei Interesse kannst die die literarische Vorlage ja auch nochmal lesen 🙂

    Liebe Grüße von Conny

    • Hallo Conny,

      vielen Dank für Dein Kommentar!

      Deine Rezie zu diesem Buch habe ich schon gelesen und jetzt nach dem Film habe ich ganz sicher keine Lust, mir das Buch zur Gemüte zu führen. Dafür ist mir meine Zeit dann doch ein bisschen zu schade. Ich finde, der Autor hätte aus der Grundstory wesentlich mehr machen können. Aber gut, warum auch immer – er hat es nicht getan!

      Liebe Grüße, Elke!

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