Kristin Harmel: Heute fängt der Himmel an

Kristin Harmel: Heute fängt der Himmel an

Originaltitel: When we meet again (2016)
Übersetzt von Veronika Dünninger
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
Seitenanzahl: 416 Seiten
ISBN-10: 3734102898
ISBN-13: 978-3734102899

Inhaltsangabe:

Emily Emerson ist 36 und steht gerade ein bisschen neben sich, als sie auch noch ihre wichtigste Einnahmequelle als freie Journalistin verliert. Ihr Vater, der sich vor langer Zeit zurüc gezogen hatte, begehrt nun wieder Einlass in ihrem Leben; wohlwissend, dass sie ihm kaum verzeihen kann. Und dann wird Emily auch noch mit ihrer Vergangenheit belastet: Ihre Tochter hat sie vor 18 Jahren direkt nach der Geburt zur Adoption freigegeben und seither jeden Tag an sie gedacht. Der Vater des Kindes ist bis noch immer ahnungslos.

Zu guter Letzt wird ihr plötzlich ein Bild geschickt mit einer Notiz: Ihr Großvater hat nie aufgehört, sie zu lieben. Margaret war die Liebe seines Lebens. (Seite 16) Auf dem Bild erkennt sie eindeutig ihre Großmutter, als junge Frau und im Hintergrund ein violetter Himmel. Vom Verfasser der Nachricht fehlt jede Spur, aber es wurde ihr aus München geschickt. Nur widerwillig fliegt sie mit ihrem Vater nach Deutschland, immerhin geht es auch um seine Mutter und seinen Vater, den er nie kennen gelernt hat.

Gemeinsam begeben sie sich auf Spurensuche. Die Geschichte beginnt in den Zuckerrohrfeldern im Jahre 1944 in Belle Creek, Florida, als der deutsche Kriegsgefangene Peter Dahler dort arbeitet und die zauberhafte Margaret kennenlernt. Es ist Liebe auf den ersten Blick, doch die Umstände sprechen gegen sie. Sie verlieren sich aus den Augen, als er 1945 nach England zur Zwangsarbeit geschickt wird. Doch da ist Margaret bereits schwanger und da sie des Elternhauses verwiesen wurde, ist sie auf seine Unterstützung angewiesen.

Mein Fazit:

Dem Blanvalet Verlag möchte ich meinen großen Dank aussprechen, dass ich dieses Buch lesen durfte. Ich war sehr gespannt auf die Geschichte, denn der Klappentext zog mich magisch an. Es schien genau mein bevorzugtes Genre zu sein. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Die Autorin nahm mich auf eine interessante Reise mit. Zum einen ist da Emily, die mit ihrem Leben nicht ganz zufrieden ist. Sie veröffentlichte viele Artikel in ihrer Kolumne und gab Ratschläge für Alltagsfragen und Beziehungsprobleme. Selbst hat sie sich jedoch nicht an ihre eigenen Ratschläge gehalten. Als sie diese Kolumne aus Kostengründen verliert, geht es ihr gerade nicht gut. Denn sie denkt ständig an ihre Tochter, die sie Catherine genannt hat. Sie gab sie zur Adoption frei, weil Zukunftsängste sie plagten. Sie fühlte sich mit der Verantwortung überfordert. Ihre große Liebe Nick, dem Vater des Mädchens, hatte sie nichts gesagt. Sie verschwand einfach aus seinem Leben ohne eine Erklärung. Gleichzeitig hat sie das Gefühl, die Familientradition aufrechterhalten zu müssen. Ihr Großvater verließ ihre Großmutter, als ihr Vater noch gar nicht geboren war. Victor selbst verschwand aus ihrem Leben, als sie zehn Jahre alt war, um eine neue Familie zu gründen.

Und dann taucht plötzlich dieses Bild auf. Es zeigt eine Frau in einem roten Kleid und es ist eindeutig ihre Großmutter als junge Frau. Wie Emily herausfindet, zeigt es ihre alte Heimat: Belle Creek in Florida. Dort lebte Margaret, bis sie von der Farm ihrer Eltern verjagt wurde, weil sie es gewagt hatte, sich mit einem deutschen Soldaten einzulassen und dessen Kind sie nun in sich trug. Peter Dahler, zwar Soldat, aber eben kein überzeugter Nazi, musste Zwangsarbeit auf den Zuckerrohrfeldern leisten, weil die Arbeitskräfte auf dem europäischen Kontinent im Krieg dienten. Als er Margaret das erste Mal gesehen hatte, war es um ihn geschehen. Er konnte sein Glück nicht fassen, als er herausfand, dass sie genauso für ihn empfand. Doch er war eben ein Kriegsgefangener und konnte ihr nur Versprechen, sobald wie möglich wieder zurück zu kommen, wenn der Krieg vorbei war. Aber es gab viele Menschen, die diese Verbindung um jeden Preis zu unterbinden versuchten.

Sehr geschickt hat die Autorin die Spannung aufgebaut. Während sie in der Vergangenheit die tragische Liebesgeschichte zwischen Peter und Margaret erzählt, wird in der Gegenwart Emilys Leben etwas genauer beleuchtet. Emily ging mir manchmal mit ihrem Zorn auf ihren Vater ein bisschen auf den Keks. Gut, er hat sie verlassen und sich lange Zeit nicht bei ihr gemeldet. Aber das in jedem Dialog zu thematisieren fand ich manchmal etwas ermüdend. Es kam bei mir schon ziemlich früh an, dass sie ihm nicht so schnell verzeihen konnte. Ihr Vater Victor tat mir manchmal Leid, regelrecht demütig bat er immer wieder um Verzeihung. Seine Idee, gemeinsam nach Deutschland zu fliegen, um der Geschichte mit dem Bild auf den Grund zu gehen, fand ich grandios und tatsächlich wurde es dann zwischen den beiden besser.

Während des Lesens lernte ich wieder etwas über die Geschichte unseres Landes. Dass deutsche Kriegsgefangene nach Amerika kamen, um dort Zwangsarbeit zu leisten, wusste ich bislang nicht. Der Süden der USA war ja zu dem Zeitpunkt noch durch die strikte Rassentrennung geprägt. Dann kamen die Kriegsgefangenen noch hinzu, die kollektiv als Nazi betitelt wurden, obwohl viele Soldaten dieser Gesinnung nicht gefolgt und zum Kriegsdienst gezwungen waren. Es wird ein Bild gezeichnet, dass zuweilen grausam und brutal ist. Trotzdem verliebten sich Peter und Margaret ineinander und forderten ihr Schicksal heraus.

Keine der Geschichten ließen mich unberührt. Die Figuren wurden sehr eindringlich von der Autorin herausgearbeitet und ich konnte sie mir vor meinem inneren Auge gut vorstellen, genauso wie auch die übrige Beschreibung ein klares Bild zeichneten. Das Ende, das zwar etwas abrupt erfolgte, rundete das Bild ab und verspricht Gänsehaut und Tränen. Keine Frage blieb offen und ich muss ehrlich gestehen, dass ich lange Zeit im Dunkeln tappte, wer und wo Peter Dahler nun wirklich war (er hatte ja seinen Namen später geändert).

Ein Buch, das fesselt und mich sehr berührt hat. Daher gibt es volle fünf Sterne und eine klare Lese-Empfehlung.

Veröffentlicht am 14.09.17!

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3 Gedanken zu „Kristin Harmel: Heute fängt der Himmel an

  1. Liebe Elke,

    deine Rezis werden auch immer länger, ;), meine dafür kürzer. Liest sich aber gut und klingt interessant! Meine Wunschliste ist allerdings schon übervoll 🙂
    Danke auch für deine lieben Blogkommentare.:)
    Bei Kai Meyer empfehle ich dir aber unbedingt, erst mit der Seiten der Welt-Trilogie zu beginnen, sonst ist einiges nicht so verständlich. Zumindest den ersten Teil lesen oder hören.
    „Marlenes Geheimnis“ habe ich zwar nicht gewonnen, aber ich konnte es schon in der Bibo vorbestellen. Mal schaun, wann das Buch verfügbar ist.

    Dir schon mal ein nettes Wochenende und liebe Grüße von Conny ♥

    • Hallo Conny,

      vielen Dank für Dein Besuch und Kommentar!

      Was das Thema Wunschliste angeht, können wir uns die Hand reichen. Trotzdem wird nächste Woche eine kleine Überraschung bei Dir eintreffen 🙂

      Ich habe mir Deinen Tipp zu Herzen genommen und den ersten Band der „Seiten der Welt“-Trilogie auf die Merkliste von Audible gesetzt. Nächsten Monat werde ich damit beginnen und ich bin gespannt!

      Dir wünsche ich auch ein schönes Wochenende, morgen vormittag kommt dann meine Antwort-Mail, liebe Grüße, Elke 🙂

      • Liebe Elke,

        oh, da bin ich aber auch auf die Überraschung gespannt! Womit habe ich denn das verdient? 😉 ♥ Morgen bin ich unterwegs, ich kann deine Mail also erst am Sonntag lesen. Danke im Voraus!

        Liebe Grüße von Conny ♥

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