Christina Baker Kline: Der Zug der Waisen

Christina Baker Kline: Der Zug der Waisen

Originaltitel: Orphan Train (2013)
Übersetzt von Anne Fröhlich
Verlag: Goldmann Verlag
Seitenanzahl: 352 Seiten
ISBN-10: 344231383X
ISBN-13: 978-3442313839

Inhaltsangabe:

Maine 2011: Die 17jährige Molly, die schon wieder bei neuen Pflegeeltern unter gekommen ist und sich den Konsequenzen eines Diebstahls gegenüber sieht, muss 50 Stunden Sozialdienst leisten, ansonsten droht Gefängnis.

Ihr Freund Jack kann ihr eine Stelle bei der 91jährigen Vivian Daly besorgen, die schon seit Ewigkeiten ihren Dachboden ausmisten will. Doch anstelle des Aussortierens beginnt die betagte Dame von ihrer ungewöhnlichen Reise in ihrer Kindheit zu erzählen.

Die neunjährige Niamh ist gerade mit ihren Eltern und den zwei Brüdern aus Irland nach Amerika emigriert, als ein Feuer alles zerstört. Der Vater und die Brüder versterben, die Mutter kommt in eine Nervenheilanstalt und über die kleine Schwester wird nichts bekannt. Die Children’s Aid Society organisiert sogenannte „Waisenzüge“, die die Kinder jeden Alters von der Ostküste in den Mittleren Westen bringt, um sie in neue Familien zu integrieren. Dabei werden die Kinder oftmals nur als billige Arbeitskräfte angesehen.

Auch Niamh erlebt ein Martyrium nach dem nächsten …

Mein Fazit:

Das schlichte Cover mit den zwei kleinen Kindern, die fröhlich auf einer Wiese spielen, täuscht über den wahren Inhalt ein bisschen hinweg. Es symbolisiert doch eine idyllische Kindheit, die die Kinder der „Orphan Trains“ in der Regel jedoch nicht hatten. Das Buch handelt von der fiktiven Geschichte, aber es steht für viele Schicksale, die sich in unzähligen Häusern so oder so ähnlich abgespielt haben.

Die Abschnitte von Niamh sind dabei aus ihrer eigenen Perspektive erzählt, wie sie als kleines Mädchen nach New York kam und bald ihre Familie verlor. Sie hatte schon in Irland kein leichtes Leben, aber ihre Erinnerungen an ihre Großmutter gaben ihr stets Halt in dunklen Stunden.

Erschütternd, welches Schicksal das Mädchen ereilte, aber gleichzeitig auch mutig war, das alles stoisch zu ertragen, begleitete ich die Autorin bei ihrer Erzählung, die nichts beschönigte. Sie beruft sich dabei auf persönliche Begegnungen und den daraus entstandenen Gesprächen mit den „Train Riders“, die aus ihrem schweren Start ins Leben berichteten, aber offensichtlich ihren Mut und ihre Hoffnung nicht verloren, wohl aber den Bezug zu ihrer wahren Identität. Dabei machte mich nicht nur das Verhalten der Pflege-Familien wütend, sondern auch die der Organisation, die die Kinder auf dem Weg begleitete. Kaum waren die Papiere unterzeichnet, wurden die Kinder ihrem Schicksal überlassen und niemand überprüfte, ob auch alles Recht war, was geschah! In der heutigen Zeit kaum noch denkbar, zumindest für meinen persönlichen Lebensbereich kann ich das sagen.

Natürlich gibt es da noch die 17jährige Molly, die in der Gegenwart auch mit ihrem Schicksal kämpft. Ihr Vater verstorben, die Mutter im Gefängnis, wird sie von einer Familie zur nächsten gereicht, da sie sich kaum auf neue Menschen einlassen kann. Die Enttäuschungen sitzen zu tief. Während ihrer Arbeit bei Vivian beginnt sie langsam aufzutauen und zu verstehen, warum das alles so gekommen ist. Gleichzeitig wird sie stärker und steht für sich selbst ein.

Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt und mich mit dem kleinen Mädchen leiden und zittern, aber auch lieben und aufblühen lassen. Bewundernswert und doch kam auch Traurigkeit auf, dass das Schicksal ihr so übel mitgespielt hatte.

Sehr bewegend und ergreifend und es bringt ein bisschen Licht in eines der dunklen Kapitel der amerikanischen Geschichte. Sehr interessant waren auch die Ausführungen und Bilder über die „Orphan Trains“ und die „Train Riders“. Sehr empfehlenswert, von mir bekommt die Geschichte fünf Sterne!

Veröffentlicht am 01.12.17!

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