Die Welle

Lesezeit: 3 Minuten

Die Welle (2008)

 

Regie: Dennis Gansel
Drehbuch: Dennis Gansel, Peter Thorwarth
Produktion: David Groenewold, Martin Moszkowicz, Christian Becker
Musik: Heiko Maile
Kamera: Torsten Breuer
Darsteller: Jürgen Vogel, Frederick Lau, Max Riemelt, Jennifer Ulrich, Christiane Paul, Jacob Matschenz, u.v.a.
Dauer: 107 Minuten
Romanvorlage: „Die Welle“ von Morton Rhue

Inhaltsangabe:

Irgendwo in Deutschland an einer Schule: Im Rahmen einer Projektwoche möchte der Lehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) mit seinen Schülern Staatsformen durchgehen und beginnt mit Autokratie. Die Schüler sind davon überzeugt, dass eine Diktatur und der damit verbundene Faschismus in der heutigen aufgeklärten Welt und nach unserer geschichtlichen Erfahrung nicht mehr möglich ist – zumindest in Deutschland.

Das bringt Rainer dazu, ganz spontan eine Experiment zu starten. Es wird die Bewegung „Die Welle“ gegründet und mit nur wenigen Begiffen formiert er die zuerst irritierten, aber dann begeisterten Schüler hinter sich. Und schon nach zwei Tagen greift „Die Welle“ auch in das Privatleben der Schüler ein: Wer nicht mit ihnen ist, wird denunziert oder gar Gewalt angedroht. Das plötzlich entstandene Gemeinschaftsgefühl stärkt die Gruppe und immer mehr Schüler schließen sich der Bewegung an. Gleichzeitig eskaliert es immer mehr. Kritische Stimmen sollen zum Schweigen gebracht werden.

Rainer erkennt viel zu spät, dass das Projekt völlig aus der Kontrolle geraten ist.

Mein Fazit:

Der Film ist keine zehn Jahre alt und doch hat er an Aktualität kaum eingebüßt. Mehr denn je sind in der Gesellschaft und Politik Strömungen zu erkennen, die genau dieses Schema haben und somit immer ein kleines bisschen gefährlich sind und bleiben. Das aktuellste Beispiel ist die Türkei. Die Türkei ist ein Musterbeispiel, wie sich aus einer Demokratie ein autokratischer Staat entwickeln kann – eine Diktatur!

Die Menschen sind im Grunde einfach gestrickt: Einige vom Leben enttäuschte Menschen finden Zuflucht in einer solchen Organisation, wo sie ihre Indivualität aufgeben und als kleine Einheit im Ganzen stärker werden. Einfache Schlagworte, die Stimme der Organisation (und nicht des Einzelnen) und eine Art Familien-Ersatz, das machen diese Organisation so gefährlich. Und weil die Menschen sich dort wie in einer großen Familie fühlen und die Verantwortung für ihr Leben emotional abgeben, sind sie um so gefährlicher. Sie lassen selten andere Meinungen und Kritik zu. Türkei und der neue Präsident der USA sind da wunderbare Beispiele. Mehr denn je ist der Film zu empfehlen, denn gerade wir in Deutschland haben ja schon unsere leidliche Erfahrung mit dem Faschismus gemacht und noch ist der Großteil der Gesellschaft der Meinung, dass es keiner Wiederholung bedarf. Ich hoffe, dass es auch so bleibt.

Der Film zeigt eindringlich die Gefahren einer solchen Gruppierung, die Konsequenzen (die zuerst durchaus positiv auf die einzelnen Gruppenmitglieder sind) und die sich ändernde Haltung gegenüber anderen, die nicht in der Gruppe sind und dies kritisch sehen. Einige Schauspieler sind aus der heutigen Film- und TV-Szene nicht mehr wegzudenken. Sie haben alle authentisch gespielt und das ganze Projekt sehr glaubhaft dargestellt.

Das Ende der Geschichte ist ein Schock, damit habe ich nicht gerechnet. Umso mehr hat es mich nachdenklich gestimmt und umso mehr dafür sensibilisieren lassen, wie wichtig eine Demokratie mit ihrem Individualismus, Toleranz und Vielfalt ist. Nein, perfekt ist es bei weitem nicht – in einer Demokratie. Aber wenn ich die Wahl hätte, würde ich immer wieder die Demokratie wählen. Und dieser Film zeigt eindringlich, wie schnell man von einer Demokratie wegkommen kann – Aufgeklärtheit hin oder her.

90% für diesen aufrüttelnden Film.

Veröffentlicht am 13.03.17!

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