Graeme Simsion: Das Rosie-Projekt

Lesezeit: 3 Minuten

Graeme Simsion: Das Rosie-Projekt

Originaltitel: The Rosie Project (2013)
Übersetzt von Annette Hahn
Verlag: FISCHER Taschenbuch
Seitenanzahl: 352 Seiten
ISBN-10: 3596520835
ISBN-13: 978-3596520831
Dies ist der 1. Teil der Don Tillman-Reihe

Inhaltsangabe:

Der 40jährige Don Tillman sucht eine Frau. Seine Erfahrungen auf diesem Gebiet sind nicht fundiert, außerdem verwirren ihn zwischenmenschliche Beziehungen grundsätzlich. Seine Neigung, alles wissenschaftlich zu beleuchten, unterstreicht seine Berufswahl: Er ist Genetiker! Außerdem ist er sehr stark strukturiert und lebt praktisch nach Terminplan und sich immer wiederholenden Mustern.

Er entwickelt einen 16seitigen Fragebogen für Frauen, wo er von vornherein diejenigen aussortieren möchte, die so gar nicht zu seinen Vorstellungen passt. Sie muss pünktlich sein, darf nicht rauchen und soll sportlich aktiv und keine Veganerin sein. Viele andere Dinge erfasst er ebenfalls. Trotz der Ermahnung seines Freundes Gene und dessen Ehefrau Claudia hält er daran fest, aber der Erfolg stellt sich einfach nicht wirklich ein.

Eines Tages schneit Rosie in sein Büro: Sie ist eine Bardame, raucht, Veganerin und grundsätzlich immer zu spät. Und sie sucht ihren biologischen Vater! Obwohl er sie sehr schnell zur Ehefrau als inkompatibel einstuft, hilft er ihr und überschreitet dabei nicht nur seine eigenen Grenzen. Sie bringt Chaos in sein Leben und manchmal, stellt Don fest, ist es ja gar nicht so schlimm: Gefühle haben ihre eigene Logik.

Mein Fazit:

Als dieses Buch damals so stark im Gespräch war, hatte ich es auf meine Wunschliste gesetzt. Irgendwie hörte es sich ganz witzig an und das Cover fand ich originell.

Ich bin selbst ein strukturierter Mensch und habe ständig irgendwelche Listen rumfliegen. Allerdings lebe ich nicht nach Terminplan und ich gebe zu, ich pflege auch den einen oder anderen Fehler. Daher konnte ich mich zum Teil in Don Tillman hineinversetzen. Seine Lebensgrundlage ist der Terminkalender. Und er taktet sein Leben nach Minuten, selbst die Zu-Bett-geh-Zeit! Die Suche nach der passenden Ehefrau wird nicht auf eventuelle Gefühle begründet (denn mit denen hat er ja Schwierigkeiten), sondern ob sie kompatibel ist. Er hat ganz genaue Vorstellungen davon, was sie nicht sein soll und entwickelt daher den Fragebogen. Die Frau zum Essen ausführen und Zeit zu verbringen, um dann hinterher vielleicht festzustellen, dass sie doch nicht zusammen passen, hält er für pure Zeitverschwendung. Und auch die Kommunikation ist nicht mehr einfach mit ihm, denn er antwortet stets mit nachweisbaren Tatsachen. Sarkasmus, Ironie oder gar Humor kann er nur schwer heraushören. Und gerät sein Leben mal aus dem Takt, schmeißt er seinen Terminplan um!

Und das war etwas, was mich störte. Gut, er kann nicht richtig fühlen. Das wurde mir im Laufe der Zeit schon deutlich. Aber jede Veränderung vom Plan oder jedes plötzliches Ereignis kann mich persönlich in ein emotionales Chaos stürzen. Ich werde dann fahrig, flatterhaft und manchmal bin ich nicht mehr in der Lage, einen Schritt nach dem anderen zu tun. Rational denken? Fehlanzeige! Um Don wirklich zu verstehen, fehlte mir genau das – Das Emotionale. Ich habe die Liebesgeschichte um Don und Rosie gelesen, aber ich konnte Don einfach nicht wirklich nachempfinden. Er blieb für mich nur eine Figur ohne jegliches Gefühl. Seine Argumentation und Denkweise konnte ich durchaus nachvollziehen. Aber ich konnte es ihm nicht abkaufen, als er z. B. schrieb, Rosie wäre für ihn die schönste Frau. Warum? Wieso war sie für ihn die schönste Frau der Welt? Es gab einfach keine Erklärung dafür. Gefühllosigkeit hin oder her, aber eine Begründung hätte ich mir schon sehr gewünscht.

Die Suche nach Rosies Vaters ist der rote Faden in der Geschichte. Um die DNA-Proben der „Verdächtigen“ zu bekommen, musste Don manchmal tief in die Trickkiste greifen. Die Situationen waren schon zuweilen komisch und ich musste schmunzeln. Auch Rosie war mir sehr sympathisch, ebenso Gene und Claudia, obwohl sie moralisch nicht immer einwandfrei waren. Aber sie haben sich weiterentwickelt. Auch Don, auch wenn dieses ebenfalls mich nicht wirklich berühren konnte.

Da mir Don als Figur die ganze Zeit fremd blieb, kann ich nur bescheidene drei Sterne vergeben. Trotz der schlechten Kritiken werde ich bei Gelegenheit den Folgeband lesen. Neugierig wäre ich schon, wie es nun weitergeht!

Veröffentlicht am 02.10.17!

2 Gedanken zu „Graeme Simsion: Das Rosie-Projekt“

  1. Hallo Elke,
    lies ihn nicht 😉 Ich habe das Rosie Projekt wirklich geliebt. Sehr geliebt. Der Rosie Effekt ist nur eine wirklich viel schlechtere Fortsetzung davon. Wenn dir schon das Rosie Projekt nicht gefallen hat, dann wirst du am Rosie Effekt, meiner Meinung nach, keine Freude haben.
    Danke aber für deine ehrliche Rezension!
    LG
    Yvonne

    1. Hallo Yvonne,

      vielen Dank für Dein Besuch und Dein Kommentar!

      Vielen Dank auch für Deine Warnung 🙂 Ich habe es durchaus schon bemerkt, dass der zweite Teil deutlich schlechter ausgefallen ist. Da ich nicht vorhabe, es mir gleich auszuleihen, mache ich mir erst einmal keine Gedanken. Denn grundsätzlich tue ich mich schon schwer, eine Reihe offen zu lassen.

      Liebe Grüße, Elke 🙂

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