Deanna Zinßmeister: Das Auge von Licentia

Lesezeit: 4 Minuten

Deanna Zinßmeister: Das Auge von Licentia

erschienen 2017
Verlag: Arena Verlag
Seitenanzahl: 320 Seiten
ISBN-10: 3401603507
ISBN-13: 978-3401603506

Inhaltsangabe:

Die 15jährige Jonata darf zum ersten Mal mit auf die Jagd. Nun will sie ihrem Vater und den anderen Jungs im Dorf beweisen, dass sie ihnen ebenbürtig ist. Doch anstatt einen Keiler zu erlegen, trifft sie unverhofft auf Tristan, einem Jungen von den Wolfsbannern. Und als wäre das nicht genug erschienen die Drachen am Nachthimmel.

Völlig durcheinander kehrt sie zum Dorf zurück. Was wollten die Drachen? Und warum war Tristan auf der Lichtung? Denn eigentlich ist es ihnen verboten, die Lichtung zu betreten. Vor vielen Jahren hatte sich eine Gruppe Menschen aus Licentia gelöst, da ein Wolfs-Unglück die Gemeinde zerstritten hatte. Seither achtete man penibel darauf, die Grenzen nicht zu überschreiten. Doch Jonata verstand das nicht, zumal sich Tristan als ein völlig normaler Junge herausstellt, der auch noch ihr Herz höher schlagen lässt.

Und dann sind da noch ihre Eltern und der Dorfpfarrer Gabriel, die sich sehr merkwürdig verhalten. Offenbar gibt es Geheimnisse. Nur welche und warum?

Mein Fazit:

Deana Zinßmeister ist bekannt für fundierte historische Romane und einige durfte ich schon lesen. Jetzt hat sie es mit einer Art Dystopie gemixt und auf diese Mischung war ich äußerst gespannt.

Eines vorweg möchte ich betonen: Mit dem Klappentext zu diesem Buch wird eigentlich schon alles gesagt, im Grunde schon das ganze Buch. Das finde ich sehr schade, denn damit wurde sehr viel Spannung aus der Geschichte herausgenommen.

Licentia ist ein mittelalterliches Dorf irgendwo zwischen den Bergen. Die Menschen leben dort in Ruhe und Frieden. Große waldige Gebiete umrunden es und trennen es von dem Dorf der Wolfsbanner. Die Licentianer erzählen den Kindern furchtbare Märchen, um sie von dem Gebiet der Wolfsbanner fernzuhalten. Denn ein großes Unglück entzweite die Gemeinschaft einst und die Wolfsbanner bezogen ein eigenes Dorf. Die Kinder überrascht es irgendwie nicht, dass es keine weiteren Verwandten gibt. Auch da gibt es ein Märchen: Sie seien alle von einer verheerenden Krankheit befallen worden und um die Kinder zu schützen, hätte man das Dorf Licentia gegründet. Keines der Kinder hat Großeltern, Onkel oder Tanten.

In diesem Dorf wächst Jonata auf. Ihr Vater lehrt sie das Jagen und Ausnehmen der Tiere. Regelmäßig macht sie Schießübungen. Und dann darf sie das erste Mal mit zur Jagd und dann passiert das, was niemand vorher sehen konnte: Sie trifft auf Tristan, einem Jungen aus dem Wolfsbanner-Dorf. Sein Rudel Wölfe im Schlepptau, ist ihm die Begegnung genauso suspekt wie ihr, aber als die Drachen kommen, schlug offenbar der Liebes-Blitz bei beiden ein, denn sie entwickeln Gefühle füreinander und Neugier auf den jeweils anderen. Sie bringen Ereignisse in Gang, die sich fast nicht mehr aufhalten lassen. Denn Jonata ist der Star einer TV-Show, die eigentlich mit sinkenden Zuschauerzahlen zu kämpfen hat. Und Jonata weiß nichts davon – ebenso wie Tristan. Für sie gibt es keine Welt außerhalb des Dorfes und somit ist ihnen das Moderne völlig fremd.

Ohne Zweifel, die Autorin hat sehr viel Liebe in dieses Werk investiert. Sehr flüssig und leicht verständlich werden die Geschehnisse um Licentia geschildert, meist in kurzen Kapiteln. Auch wechseln die Perspektiven und als Leserin bekommt man einen guten Einblick in die Gefühlswelt des Protagonisten. Ich konnte es mir sehr gut vorstellen, zumindest hatte ich keine Probleme damit. Allerdings hätte ich mir deutlich mehr Tiefgang bei der ganzen Geschichte gewünscht. Warum Jonatas Eltern den Schritt in diese TV-Show wagten, wurde erklärt. Aber welche Motive hatten die anderen Dorfbewohner? Was bringt Menschen dazu, sich vom modernen Leben komplett abzuwenden und in einer Welt zu tauchen, aus der es offenbar kein Weg zurück gibt. Und wie schafft man es, das keines der Kinder unangenehme Fragen stellt oder Verdacht schöpft? Ebenso ist es äußerst erstaunlich, das alle Dorfbewohner dicht halten, nicht mal ein Wort herausrutscht!

Der Teil mit der TV-Sendung nimmt nicht allzu großen Raum ein, was ich auch sehr schade finde. Auch da hätte ich mir mehr Hintergrund gewünscht. Zwar wird durch die kurzen Kapitel durchaus deutlich, dass die TV-Show ihren Zenit bereits überschritten hat. Aber es kommen keine Zweifel an der Richtigkeit der Sendung auf, weder beim Sender selbst noch bei den Zuschauern. Niemand erhebt in irgendeiner Weise Kritik an dem System oder zweifelt die Richtigkeit dessen an.

Obwohl ich Serien inzwischen ja nicht immer so toll finde, aber bei dieser Geschichte wäre es vielleicht wünschenswert gewesen. Das Ende ist für mich auch etwas unbefriedigend und ließ mich mit einigen Fragen zurück. Daher kann ich leider nur drei Sterne vergeben und eine bedingte Lese-Empfehlung aussprechen.

Veröffentlicht am 15.10.17!

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