Kristin Harmel: Ein Ort für unsere Träume

Kristin Harmel: Ein Ort für unsere Träume

Originaltitel: The Room on Rue Amelie (2018)
Übersetzt von Veronika Dünninger
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
Seitenanzahl: 416 Seiten
ISBN-10: 3734105676
ISBN-13: 978-3734105678

Inhaltsangabe:

1939 lernt die Amerikanerin Ruby den Franzosen Marcel Benoit in New York kennen. Sie heiraten und beschließen, ihr Leben gemeinsam in Paris zu verbringen.

Kurz darauf bricht der Zweite Weltkrieg aus und damit verändert sich auch die Ehe. Wo vorher Liebe und Geborgenheit war, treten nun Einsamkeit und Geheimnisse an deren Platz. Die jüdische Nachbarsfamilie ist ihr hin und wieder ein Trost und deren Tochter Charlotte wächst Ruby ans Herz.

Schließlich erleidet Ruby eine Totgeburt und Marcel verstirbt unter mysteriösen Umständen. Marcel hatte für den Widerstand gearbeitet und war nun aufgeflogen. Die jüdische Familie steht kurz vor der Deportation und Ruby nimmt die Tochter auf mit dem Versprechen, für sie zu sorgen.

Eines Tages steht ein verwundeter RAF-Pilot vor ihrer Tür. Sie nimmt ihn auf, sich sehr wohl der Gefahr bewusst, die nun über ihrer kleinen Welt schwebt. In diesen schwierigen Zeiten entwickelt sich eine tiefe Bindung zu Thomas und zum ersten Mal seit langer Zeit hat Ruby wieder ein Gefühl von Hoffnung. Aber werden sie beide den Krieg überleben? Gibt es überhaupt eine Chance auf ein gemeinsames Leben?

Mein Fazit:

Kristin Harmel hat mal wieder eine wunderbare Geschichte geschrieben. Wir tauchen ein in die Wirren des Zweiten Weltkrieges, eine Kulisse, die nun mal oft für eine bewegende Liebesgeschichte verwendet wird.

Doch dieses Mal ist es ein bisschen anders. Denn hier stehen die Gefahren deutlich im Vordergrund. Marcel Benoit hat, was man schon sehr schnell erahnen kann, für den Untergrund, den Widerstand, gearbeitet. Er schleust verletzte RAF-Piloten durch Frankreich, besorgt ihnen falsche Pässe und alltägliche Kleidung. Tagtäglich setzt er sein Leben aufs Spiel, um den verhassten Deutschen ein Schnippchen zu schlagen. Ruby lässt er dabei völlig außen vor, weil er glaubt, sie würde dem Ganzen nicht gewachsen sein.

Sie hat auch erst mit der lieblosen Ehe zu kämpfen und dem Verlust ihres Babys. Sie steht es mit der jüdischen Nachbarsfamilie durch und Charlotte, die einzige Tochter, mag Ruby besonders gern. Doch als sie alles verloren zu haben glaubt und kaum einen Lichtblick sieht in der dunklen Kriegszeit, begegnet ihr Thomas. Thomas ist RAF-Pilot und hat sich verletzt. Er hat von dem Netzwerk gehört und schlägt sich nach Paris durch. Sein Zusammenbruch vor Rubys Tür kann sie aus ihrer tiefen Trauer holen. Sie übernimmt ohne nachzudenken die Aufgaben ihres Mannes und ist sich allen Gefahren bewusst, weiß, dass sie jederzeit von den Deutschen festgenommen und standrechtlich erschossen werden kann. Vielleicht gerade wegen dieser Gefahr entwickelt sich eine tiefe Liebe, die sie beide durch die Zeit trägt. Aber es ist ungewiss, ob beide den Krieg überleben und was wird dann mit ihren Lieben?

Es ist wunderbar berührend und sehr atmosphärisch erzählt. Beim Lesen fühlte ich mich in die Zeit zurückversetzt. So oft habe ich schon Bücher aus dieser Zeit gelesen, aber selten habe ich die Figuren vor meinem inneren Auge beobachten können, wie sie litten, liebten, weinten und kämpften. Und wenn man das erste Kapitel gelesen hat, glaubt man zu wissen, wie es ausgeht. Davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Es kommt anders, als man denkt!

Die Autorin hat bewiesen, dass sie sich in dieser Zeit gut auskennt, auch Paris. Schließlich hat sie selbst mal in der Stadt der Liebe gelebt. Die Geschichte ist lebendig und lässt doch sehr viel Freiraum für die eigene Phantasie. Genau die richtige Mischung. Zwar gibt es die eine oder andere Stelle, die vielleicht etwas langatmig anmutet. Aber das kann man durchaus verschmerzen, wenn man die Geschichte insgesamt betrachtet.

Eine tolle Geschichte, die ich unbedingt empfehlen kann – begeisterte fünf Sterne von mir.

Veröffentlicht am 31.10.18!

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