Anna Romer: Das Dornental

Anna Romer: Das Dornental

Originaltitel: Under the Midnight Sky (2019)
Übersetzt von Pociao und Roberto De Hollanda
Verlag: Goldmann Verlag
Seitenanzahl: 496 Seiten
ISBN-10: 3442487153
ISBN-13: 978-3442487158

Inhaltsangabe:

Australien, Queensland: Abby Bardot ist wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. In der Nähe von Gundara hat sie ein kleines Haus bezogen und arbeitet als freie Journalistin. Während einer Joggingrunde am frühen Morgen findet sie im Schutzgebiet ein offenbar verletztes Mädchen, doch als sie Hilfe holt, ist das Mädchen plötzlich verschwunden.

Es erinnert sie an die Zeit, als schon einige Mädchen plötzlich verschwanden und nicht mehr zurückkehrten. Auch sie wurde mal im Schutzgebiet gefunden und identifizierte vor 20 Jahren einen Mann, dessen Schuld sie heute nicht mehr überzeugt.

Der Schriftsteller Tom Gabriel hat das Haus Ravenscar bezogen, auf der anderen Seite des Schutzgebietes von Gundara. Doch leider ist er unglücklich gestürzt und nun sich selbst ziemlich hilftlos. Als Abby bei ihm auftaucht, um ein Interview von ihm zu erhalten, schreitet sie selbstlos zur Tat und hilft ihm, sich zurecht zu finden. Sehr zu Toms Mißfallen. Irgendwie scheint die Journalistin ihn zu berühren, dabei suchte er doch gerade die Einsamkeit, um an seinem neuen Roman schreiben zu können.

Ravenscar ist ein großes Haus mit einem verwilderten Garten. Abby quartiert sich ein und findet zufällig ein Geheimzimmer. In diesem Zimmer wurden Menschen, junge Mädchen, gefangen gehalten, wie eine Seite aus einem Tagebuch beweist. Aber was ist mit den beiden Mädchen geschehen? Wo sind sie nun? Und was hat das mit ihren eigenen Erinnerungen zu tun?

Mein Fazit:

Dies ist mein zweiter Roman, den ich von Anna Romer gelesen habe. Der Plot hörte sich interessant an und so kaufte ich mir das Buch. Australien ist ja auch immer eine gedankliche Reise wert, der unbekannte rote Kontinent voller Geheimnisse.

Anna Romer entführt uns nach Queensland, genauer gesagt nach Gundara, einer kleinen Stadt, wo die Protagonistin Abby einst aufwuchs. Ihre Kindheit ist nicht nur von Sonnenschein geprägt und die unsichtbaren Narben trägt sich noch immer mit sich. Sie hat Angst, länger an einem Ort zu bleiben, es würde sie einengen. Eine enge Bindung hat sie nur zu ihrem Bruder Duncan.

Vor vielen Jahren verschwanden in dem Schutzgebiet immer wieder Mädchen, die aus schwierigen Verhältnissen stammten. Soziale Ausgrenzung und fehlende liebevolle Bindungen im Elternhaus verführten die Mädchen im Alter von etwa zwölf bis vierzehn Jahren zum Ausreißen. Dabei verschluckte sie das Schutzgebiet und kamen nur noch als zufällig gefundene Leiche zu Tage. Auch Abby hatte damals ihre Erfahrung gemacht, aber sie hat überlebt, was ihr bis zum heutigen Tage unerklärlich ist. Tom Gabriel, renommierter Schriftsteller, spielte dabei eine wesentliche Rolle, das wird ihnen jedoch erst später bewusst. Als Abby in seinem Haus das geheime Zimmer findet, wo offensichtlich junge Mädchen festgehalten und womöglich getötet wurden, ist ihre Neugier geweckt und gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach der Wahrheit.

Anna Romer erzählt die Geschichte in verschiedenen Erzählsträngen und -perspektiven. Nur Abby erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht, die zwei anderen Erzählperspektiven sind in der dritten Person, was ich manchmal etwas nervig fand, zumal in einigen Passagen Abby beteiligt war. Dann gibt es da noch die Geschichte einer weiteren Ausreißerin, die irgendwo im Schutzgebiet gefangen gehalt wird. Und ein Vergangenheitsstrang berichtet von zwei Schwestern, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Ravenscar gefangen gehalten wurden. Die Auswirkungen dessen strahlen bis in die Gegenwart aus.

Wenn man davon absieht, ist es ein spannendes Werk um dunkle Geheimnisse und leidende Seelen in der australischen Wildnis. Ich wollte unbedingt wissen, was damals wirklich passiert war. Sehr schnell hatte ich eine leise Ahnung, aber es trug sich nicht ganz so zu, wie ich dachte. Das Ende dafür ist konsequent und traurig berührend. Abby und Tom haben eine nachvollziehbare Entwicklung gemacht, haben sich ihren eigenen Dämonen gestellt. Und beide Figuren waren trotz ihrer eigenbrödlerischen Art sehr sympathisch und liebenswert.

Für mich ein kleines Highlight in diesem Jahr, ich bin gespannt, wann ich die anderen Romane der Autorin lesen kann. Dieses bekommt von mir trotz der Kritikpunkte fünf Sterne und eine klare Lese-Empfehlung.

Veröffentlicht am 11.08.19!

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