Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr

Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr

Originaltitel: Me Before You (2012)
übersetzt von Karolina Fell
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
Seitenanzahl: 544 Seiten
ISBN-10: 3499272792
ISBN-13: 978-3499272790
Dies ist der 1. Teil der Louisa Clark-Reihe.
Hier ist der Film dazu rezensiert.

Inhaltsangabe:

von eigener Film-Rezie: Louisa Clark, von allen Lou genannt, braucht dringend einen neuen Job. Denn ihr Vater ist seit Jahren arbeitslos und die Mutter kümmert sich um den kranken Großvater.

Sie erhält die gutbezahlte Stelle bei den Traynor’s. Will Traynor hatte vor zwei Jahren einen schweren Unfall und ist seitdem von der Brust abwärts gelähmt. Im besten Fall kann er seine Finger bewegen! Lou gibt sich alle Mühe, ihren Job richtig auszufüllen, aber Will ist verbittert und hadert mit sich selbst. Vor dem Unfall liebte er das Leben und testete stets seine Grenzen. Nichts war ihm gefährlich genug, doch nun ist er ständig auf die Hilfe anderer angewiesen und erleidet offenbar auch starke Schmerzen.

Seine Verzweiflung und Verbitterung lässt er an Lou aus, doch sie gibt nicht so schnell auf. Sie erfährt, dass Will in die Schweiz will, um sich dort in einem Hospiz das Leben zu nehmen. Für ihn ist das Leben vollkommen sinnlos geworden und er möchte die unendlichen Qualen seiner Behinderung nicht mehr ertragen. Seine Eltern konnten ihm noch ein halbes Jahr abringen, um es sich noch einmal zu überlegen und diese Zeit sollte Lou mit ihm verbringen.

Lou fühlt sich dazu berufen, ihn umzustimmen und zieht alle Register …

Mein Fazit:

Vor drei Jahren habe ich den Film zu diesem Buch im Kino gesehen. Ich fand ihn ganz reizend. Dass das Buch vor einigen Jahren so gehyped wurde, war mir hinlänglich bekannt. Irgendetwas musste ja dran sein, also kaufte ich mir das Buch und nun habe ich es endlich gelesen.

Louisa lebt mit ihrer Familie in einer kleinen Stadt, dessen einzige Attraktion eine alte Burg ist. Mit Arbeit ist es nicht weit her und so muss sie die Arbeit annehmen, die ihr geboten wird, auch wenn sie eigentlich keine Qualifikation dazu hat. Louisa nimmt die Stelle der Pflegerin im Privathaushalt der Traynors an, ohne zu wissen, wie sehr diese Begegnung ihr Leben verändern wird.

Louise erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht, was mir tiefe Einblicke in ihr Seelenleben gewährt. Sie gibt es nicht gerne zu, aber sie fühlt sich tief in ihrem Innern schon gefangen in dieser Stadt. Aber ihr Verantwortungsbewußtsein und die Liebe zur Familie gewähren ihr kaum Extravaganzen. Sie hat kaum Geld und eine Beziehung zu Patrick, der sich a) kaum um sie kümmert und b) ihr ebenfalls keine Perspektive bietet, trotz der langen Zeit, die sie zusammen sind.

Will Traynor sieht vieles in Louisa und versucht sie ständig aus der Reserve zu locken. Er ist gefesselt an den Rollstuhl, kann gerade mal so eine Hand leicht bewegen. Er ist ständig auf Hilfe angewiesen und trotz aller Prognosen weiß er, dass es niemals besser wird. In einiger Hinsicht sind sich Louisa und Will ähnlich. Nur kann Louisa noch ein völlig normales Leben (mit vielen Abenteuern) führen, während Will seines unbedingt beenden will. Und aufgrund seines vorherigen beruflichen Erfolges hat Will ein Vermögen, aber selbst das ist ihm nicht mehr wichtig. Seine Möglichkeiten sind beschränkt.

Wie auch bei der Film-Rezension kam die Frage auf: Wo endet die Selbstbestimmung und beginnt die von Gott gegebene Pflicht, weiter leben zu müssen, unter allen Umständen? Es ist ethisch eine sehr sensible Frage, zu der jeder Mensch eine eigene Meinung hat und sie scheinen alle richtig und doch auch falsch zu sein. Es gibt da kein schwarz oder weiß, kein gut oder schlecht. Ich weiß nicht, wie ich entscheiden würde. Dennoch wüsste ich: wer eine solche Entscheidung getroffen hat, der hat es nicht leichtfertig getan und diese Entscheidung muss man auch respektieren.

Das Buch ist wirklich wunderbar geschrieben, hat mich mitgenommen und berührt. Mehr noch wie der Film, obwohl ich die Hauptdarsteller beim Lesen stets vor Augen hatte. Manchmal wurden Louisas Erzählungen unterbrochen durch kurze Kapiteln von anderen Mitgliedern der Geschichte. Das fand ich sehr hilfreich, weil es in der Regel Situationen waren, die Louisa nicht wissen konnte. Das finde ich ist sehr gelungen. Auch entwickeln die Figuren sich in der Geschichte, erweitern ihren Horizont, müssen Rückgrat beweisen und Entscheidungen treffen, die sie sonst nie getroffen hätten.

Es hängt mir noch lange nach und ich hätte glatt Lust, den Film noch mal dazu zu sehen. Begeisterte fünf Sterne und eine klare Lese-Empfehlung von mir.

Veröffentlicht am 14.08.19!

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6 Gedanken zu „Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr“

  1. Liebe Elke,
    schön, dass auch dich das Buch überzeugen konnte! Habe es auch gelesen und rezensiert. Mich hatte die Geschichte damals sehr berührt. Das Hörbuch ist sogar noch besser als das Buch, da die Sprecherin die Geschichte wahnsinnig gefühlvoll umgesetzt hat! Als der Film kam, musste ich ihn unbedingt schauen und er gefiel mir. Ist ja nicht oft so, dass ein Buch gut umgesetzt wird. 🙂 Hier fand ich beides gelungen. Auch das Thema Sterbehilfe ist nicht oft in Büchern zu finden. Umso wichtiger finde ich solche Geschichten. Wie du sagst, jeder hat da eine andere Meinung dazu.

    Auch diesen Monat gibt es wieder eine LinkPARTY. Vielleicht magst du mit dieser oder einer anderen Rezi im Laufe des Monats mitmachen. 🙂
    GlG, monerl

    1. Guten Morgen liebe Monerl,

      vielen Dank für Dein Besuch und Kommentar. Ich habe auch gleich mal bei Deiner Linkparty reingeschaut.

      Schöne Idee 🙂

      Liebe Grüße, Elke!

      1. Liebe Elke,
        danke fürs Mitmachen! Wärst du so nett und würdest oben in deiner Rezi irgendwo (geht auch ganz am Ende) erwähnen, dass diese Rezension bei der LinkPARTY August mitmacht und dann zum Beitrag verlinken? Das wäre ganz toll!
        GlG, monerl

        1. Liebe Monerl,

          vielen Dank für Dein Kommentar!

          Ich möchte in dem Beitrag nichts mehr einfügen. Dass mit der LinkParty ist im Kommentar enthalten, ich denke, dass es genügt.

          Liebe Grüße, Elke!

  2. Hallo Elke,
    ich habe das Buch auch gelesen, ist allerdings schon lange her. Die Geschichte hat sich allerdings förmlich eingebrannt, auch mich hat sie sehr mitgenommen.
    Das Ende allerdings hatte ich mir anders gewünscht und bis zum letzten auch noch an eine Wendung gedacht.
    Ich freue mich schon auf den neuen Jojo Moyes, ab zu und brauche ich auch etwas fürs Herz…
    Liebe Grüße,
    Rena

    1. Liebe Rena,

      vielen Dank für Deinen Besuch und Kommentar.

      Es war mein erster Jojo Moyes-Roman, und sicher nicht mein letzter. Über das Ende kann man diskutieren, ohne auf einen Nenner zu kommen. Zwischen den Positionen gibt es einfach keinen Kompromiß, daher ist es schwierig. Ich kann aber beide Seiten verstehen und wüßte ehrlich nicht, wie ich mich an Wills Stelle entscheiden würde.

      Liebe Grüße, Elke!

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