Rafael Yglesias: Glückliche Ehe

Rafael Yglesias: Glückliche Ehe

Originaltitel: A Happy Marriage (2009)
übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann
Verlag: Klett-Cotta
Seitenanzahl: 426 Seiten
ISBN-10: 3608937072
ISBN-13: 978-3608937077

Inhaltsangabe:

Nach knapp 30 Ehejahren muss der New Yorker Drehbuchautor und Schriftsteller Enrique Sabas seine Frau Margaret beim Sterben begleiten. 30 Jahren Ehe, die ihre Anfänge in den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts hatte und durchaus holprig war.

Gute und schlechte Zeiten hat das Paar begleitet: zwei Söhne wurden geboren, eine Affäre die Ehe enorm gefährdet und berufliche Misserfolge den Alltag zusätzlich belastet. Und doch blickt Enrique immer wieder zurück und stellt am Ende fest, dass er sie doch liebt und ihren bevorstehenden Tod durch die Krebserkrankung weder akzeptieren noch begreifen kann.

Mein Fazit:

Es gibt am Anfang des Buches den Hinweis, dass das Buch Fiktion ist und alle genannten Personen frei erfunden wären. Aber der Roman ist autobiografisch, denn die Parallelen zm wahren Leben des Autors sind einfach zu offensichtlich. Er hat über seine Ehe mit der Malerin Margaret geschrieben, die das genaue Gegenteil von dem war, was er ist.

Ein gefeiertes Wunderkind war er, mit 16 Jahren seinen ersten Roman veröffentlicht und gleich von der Schule gegangen, ohne Abschluss, um sich dem Schreiben zu widmen. Inspiriert von seinen Eltern, Exil-Kubaner und ebenfalls Künstler, lebte er das Leben eines Boheme, während Margaret aus einer bürgerlichen Familie entstammte. Was genau sie die 30 Jahre zusammen hält, kann er selbst nicht sagen. Er fühlte sich ihr oft unterlegen und von ihrer kontrollierten Art erschlagen. Er flüchtete sich sogar zwischendurch aus der Ehe und pflegte eine Affäre, da ihn das New Yorker Familienleben einengte. Dabei versuchte seine Frau durchaus die Familie über Wasser zu halten. Sie arbeitete und spannte ihn in die Organisation des Familienalltags ein, damit er weiter seiner schriftstellerischen Tätigkeit nachgehen konnte, obwohl er keinen erfolgreichen Roman mehr veröffentlichte. Um Geld in die Kasse zu spülen, begann er (das allerdings erfolgreich) Drehbücher zu schreiben.

Die Abschnitte wechseln zwischen Gegenwart und Vergangenheit ab, dabei wird gerade der Anfang ihrer Beziehung ziemlich genau beleuchtet. Enrique ist zwar schon erfahren, aber im Angesicht seiner Traumfrau linkisch und unsicher. Jedes Treffen wird zum Minenfeld und seine Stimmungen schwanken zwischen Himmel hoch jauchzend bis zu Tode betrübt.

In der Gegenwart, während Margaret von Freunden und Familien Abschied nehmen kann, analysiert Enrique genau die Personen, die seine Frau noch einmal sehen will. Er sehnt sich danach, selbst von ihr Abschied zu nehmen. Und doch kommt immer wieder etwas dazwischen. Nebenbei hat er einige weitreichende Erkenntnisse. Eine gewisse Unsicherheit ist ihm nach wie vor geblieben, aber er ist an der Seite seiner Frau.

Der Autor hat sehr viel Witz und Charme an den Tag gelegt, allerdings hat er auch eine ausschweifende Erzählweise, die lange Absätze zur Folge hat. Mit Dialogen ist er oft recht sparsam umgegangen, was mich leider auch immer wieder ermüdete. Ich kam nur langsam mit dem Buch voran. Allerdings ist es schon erstaunlich, wie er seine Ehe analysiert. Und Leser bzw. Leserinnen, die selbst schon lange verheiratet sind, werden sich bestimmt an der einen oder anderen Stelle wiederfinden. Ich tat es zumindest!

Zu diesem Buch gab es in der Kirchengemeinde, wo ich arbeite, einen Literaturgottesdienst. Diesen habe ich mit großem Interesse verfolgt, ebenso die Meinung des Lektors, der den Gottesdienst leitete. Und es stimmt, was er sagt: Das Buch hätte auch „Eine glückliche Ehe“ heißen können, das wäre zumindest dem Original-Titel gerecht geworden – aber auch der Geschichte!

Von mir gibt es vier Sterne und eine klare Empfehlung!

Veröffentlicht am 06.11.19!

image_pdf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.