Jodi Picoult: Solange du bei uns bist

Solange du bei uns bist Book Cover Solange du bei uns bist
Jodi Picoult
2014
Belletristik
Bastei Lübbe
464
3785725027
Lone Wolf (2012)
Rainer Schumacher

Inhaltsangabe:

Seite 117: Ich bin in der Absicht hierhergekommen zu reparieren, was zu Bruch gegangen ist, und mich dann wieder in meine Zuflucht auf der anderen Seite der Welt zurückzuziehen, doch jetzt hat sich alles verändert. Ich kann nicht reparieren, was zerbrochen ist, nicht meinen Vater, nicht mich und auch nicht meine Familie. Ich kann nur ein wenig flicken und hoffen, dass es hält.

Luke Warren, renommierter Wolfsforscher, erleidet zusammen mit seiner 17jährigen Tochter Cara einen schweren Unfall. Während Cara mit einer Gehirnerschütterung und einer gebrochenen Schulter davon kommt, hat Luke schwere Kopfverletzungen. Er verfällt nach einer OP ins Koma. Die Prognosen sind äußerst schlecht, auch wenn er noch nicht hirntot ist.

Es müssen Entscheidungen getroffen werden. Georgie, Caras Mutter, informiert ihren ältesten Sohn Edward. Da Georgie von Luke geschieden und Cara noch minderjährig ist, ist nur Edward berechtigt, diese Entscheidungen zu fällen. Aber er hat vor sechs Jahren über Nacht die Familie verlassen und damit viele ungelöste Konflikte zurückgelassen.

Entsprechend angespannt ist die Situation für alle Beteiligten. Cara glaubt noch an ein Wunder, dass ihr Vater wieder erwacht. Edward hingegen betrachtet die Situation realistisch. Doch zugleich muss er sich vorwerfen lassen, den Vater, den er so sehr hasst, loswerden zu wollen.

Die Situation eskaliert und die Justiz wird eingeschaltet.

Mein Fazit:

Das Buch hat mich sehr für sich eingenommen. Das liegt zum einen an dem ungewöhnlichen Grundthema, nämlich die Wölfe. Und dann ist da noch der Schreibstil, der mir sehr gefallen hat.

Die Autorin hat jede wichtige Figur zu Wort kommen lassen. In abwechselnden Abschnitten erzählen die Personen aus ihrer Sicht, wie sie die Situationen wahrnehmen und dann gibt es auch kleine Rückblicke in ein Familienleben, das nur nach außen hin intakt schien. Georgie, die einen Wissenschaftler geheiratet hat und mit seiner Leidenschaft für die Wölfe nicht mehr klargekommen ist. Luke hat sich schließlich zwei Jahre aus der Zivilisation verabschiedet, um in der kanadischen Wildnis mit einem Wolfsrudel zu leben. Welche Familie würde da Hurra rufen? Luke kehrt wieder zurück, aber das Leben wie vorher kann er nicht mehr aufnehmen. Edward, das älteste Kind, war schon immer anders und konnte Lukes Leidenschaft für die Natur nicht teilen. Seine Homosexualität scheint ein großer Streitpunkt zwischen Vater und Sohn zu sein. Cara liebt ihren Vater abgöttisch und zog vier Jahre zuvor zu ihm, weil sie sich in Georgies Familie nicht mehr wohlfühlte. Georgie hatte neu geheiratet und Zwillinge bekommen. Und auch Joe, Georgies Ehemann, erzählt seinen Teil zu dieser Familientragödie, die zwangsläufig auch ihn betrifft, denn er ist Anwalt und vertritt Edward.

Die Geschichte ist sehr vielschichtig und für mich sehr realistisch. Aller Personen handelten aus ihrer Motivation heraus so, dass man es nachvollziehen kann. Sie wirken authentisch und alle auf ihre Art sympathisch. Luke, der ja zu der ganze Sache nichts sagen, weil er im Koma liegt, hat hingegen hat nur seine Wölfe. In regelmäßigen Abständen gibt es auch Abschnitte über diese faszinierenden Wesen, die entweder geliebt oder gehasst werden. Und diese Abschnitte begleiten die Geschichte und ziehen kleine Parallelen zu der menschlichen Familie, die Luke mehr oder weniger hatte. Sehr gelungen, wie ich finde!

In jeder Familie gibt es Konflikte und Geheimnisse. So ist es auch in dieser Familie. Die Folgen davon sind sehr gravierend und lassen der Familie kaum eine Wahl. Das war spannend und beklemmend zugleich. Ich konnte mit allen mitfühlen und doch auch nicht für eine Seite Partei ergreifen.

Ich werde mir mal die anderen Bücher der Autorin ansehen, denn dieses Buch bleibt im Sinn und hat mir im Ganzen ausgesprochen gut gefallen. Ich vergebe fünf begeisterte Sterne mit einer klaren Lese-Empfehlung.

Veröffentlicht am 19.04.20!

4 Gedanken zu „Jodi Picoult: Solange du bei uns bist“

  1. Liebe Elke,

    Ich kann dir von Jodi Picoult „Die Spuren meiner Mutter“ sehr empfehlen. Tolles Buch und momentan auch als ebook im Angebot. Schönen Sonntag und liebe Grüße von Conny

    1. Liebe Conny,

      vielen Dank für Dein Besuch und Kommentar.

      Ich habe mir das Buch „Die Spuren meiner Mutter“ jetzt mal bestellt. Tatsächlich ist es im Angebot. Vielen Dank für den Tipp, der Plot hört sich wirklich interessant an 🙂

      Dir eine schöne Woche – auch mit Home-Office und bleib gesund.

      Liebe Grüße, Elke!

  2. Liebe Elke,
    du kanntest Jodie Picoult noch nicht? Sie ist eine meiner Lieblingsautorinnen! Kennst du aich den Film zu ihrem Buch „Beim Leben meiner Schwester“ nicht? Das Buch kann ich dir sonst empfehlen, genauso wie „19 Minuten“. Von den neueren fand ich „Kleine große Schritte“ auch sehr interessant. Aber Picult hat immer Themen, an die sich andere oftmals nicht trauen und sie wertet nicht oder kaum.
    „Die Spuren meiner Mutter“, das dir Conny empfiehlt, fand ich nicht so gut, aber bei nicht so gut ist es bei der Autorin relativ…ich mochte bisher nur ein Buch überhaupt nicht und das war „Das Herz ihrer Tochter“…das war mir zu religiös mit Wunder usw.
    Liebe Grüße
    Martina

    1. Liebe Martina,

      vielen Dank für Dein Besuch und Kommentar.

      Den Namen habe ich natürlich schon gehört, aber noch kein Buch von ihr gelesen. Irgendwie sind wir uns noch nicht begegnet außer im März in der Bibliothek. Da habe ich es mal spontan mitgenommen und nicht bereut 🙂

      Ich merke schon, ich kann noch viele Bücher von der Autorin lesen, der Stoff wird wohl nie ausgehen.

      Dir eine schöne Woche, bis bald und bleib gesund, liebe Grüße, Elke!

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