Jodie Picoult: Der Funke des Lebens

Der Funke des Lebens Book Cover Der Funke des Lebens
Jodi Picoult
2020
C. Bertelsmann
448
9783570104002
A Spark of Light (2018)
Elfriede Peschel

Inhaltsangabe:

Jackson, Mississippi, USA: An einem heißen Sommertag wird Hugh, Detective und ausgebildeter Unterhändler bei Geiseldramen, zu einem neuen Einsatz gerufen. Er ahnt zunächst nicht, dass sich ausgerechnet seine Tochter Wren und seine Schwester Bex in der Abtreibungsklinik aufhalten. Eigentlich hätte er den Fall sofort abgeben müssen, aber er kämpft um das Leben seiner Tochter – mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln.

Dr. Louie Ward ist Arzt und er hilft den Frauen aus Überzeugung. Warum sonst sollte er jeden Tag den Spießrutenlauf durch die Protestler und fanatischen Abtreibungsgegner auf sich nehmen? Die Frauen, die zu ihm kommen, haben alle eine Geschichte zu erzählen, wie z. B. die ausgebildete Krankenschwester Izzy, die nur ein Leben in Armut kennt und sich kaum vorstellen kann, mit ihrem privilegierten Freund ein gemeinsames Leben aufzubauen.

Doch was treibt einen Mann wie George Goddard dazu, in eine Abtreibungsklinik zu stürmen und wild um sich zu schießen? Er sagt, man habe ihm sein Enkelkind genommen! Er sagt, man hätte seiner Tochter wehgetan. Er sagt, man habe einen Menschen ermordet. Doch nicht alle Geiseln sind dort, um ein beginnendes Leben wieder zu beenden.

Über mehrere Stunden zieht sich das Geiseldrama hin und die Nerven sind zum Zerreißen gespannt.

Mein Fazit:

Jodie Picoult hat sich an ein sehr emotionales und schwieriges Thema herangewagt: Abtreibung! Selten wird ein Thema so erbittert und unnachgiebig erörtert und noch seltener bleibt es sachlich. Es scheiden sich daran die Geister, wann ein Leben schutzbedürftig ist: mit der Empfängnis oder mit der Geburt? Wann ist ein Mensch ein Mensch?

In Amerika wird sehr häufig die Religion als Grundlage zur Diskussion genommen. Für mich ist die Frage nach dem Leben eine sehr individuelle Geschichte und kann nicht unbedingt vom Gesetz erfasst werden. Und dann ist da noch das Bild im Ganzen zu sehen. Unter welchen Umständen wurde es gezeugt? Womöglich durch eine Vergewaltigung? War die Frau so arm, dass sie sich keine Verhütungsmittel leisten konnte? Entstand das Kind womöglich sogar durch Unwissenheit („Beim ersten Mal passiert so etwas nicht!“)? Welche Rahmenbedingungen haben Frauen, die sich letztendlich zu einem Schwangerschaftsabbruch entscheiden, den sie in der Regel so nicht gewollt haben. Keine Frau macht sich dies leicht, es ist auch immer eine Gewissensfrage.

Die Autorin hat viele Stimmen zu Wort kommen lassen. Zwar sind die Figuren im Roman fiktiv, stehen aber stellvertretend für viele Frauen, die Jodi Picoult im Zuge der Recherchen gesprochen hat. Es gibt so viele unterschiedliche Gründe, diese Entscheidung zu treffen und als Außenstehende/-r kann man sich meist nicht oft reinfinden. Und ich habe jede Frau verstanden, was lange Zeit nicht der Fall war. Ein ungewolltes Kind zu bekommen kann für alle Beteiligten weitaus schlimmer sein als ein Gnadenakt, der hauptsächlich nur der Mutter wehtut. Nicht nur die materielle Versorgung ist wichtig, sondern auch die emotionale! Kann eine Mutter, die ihr Kind nicht richtig versorgen kann, eine gute Mutter sein?

Man kann lange über dieses Thema debattieren und doch kommt man auf keinen grünen Zweig. Die Autorin hat nicht nur einfühlsame Geschichten über die Frauen erzählt, sondern auch den anderen Figuren viel Raum gelassen, warum sie ausgerechnet an diesem Tag in dieser Klinik sind. Das hat mir sehr gut gefallen, diese ausführlichen Geschichten, die man alle irgendwie von sich selbst kennt, so oder so ähnlich. Die Figuren wirken dadurch sehr authentisch.

Die Erzähl-Methode ist sehr verwirrend. Denn Jodie Picoult hat eigentlich fast am Ende des Geiseldramas begonnen und alles von hinten aufgezäumt. Allerdings tauchen auch am Ende (am Anfang des Tages) immer noch Dinge auf, die man so nicht vermutet hätte. Und die vielen Figuren, die natürlich eine wichtige Rolle spielen, verwirrten mich teilweise. Ich musste manchmal überlegen, von wem nun gerade die Rede war.

Es ist eine Geschichte, die aufrüttelt. Trotz des intensiven Themas kann ich jedoch nur vier Sterne vergeben!

Veröffentlicht am 16.08.20!

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