Die Macht der Worte
Februar 2022
Historisch Allgemein
Argon Verlag
Die Buchhändlerin - Teil 2
Hörbuch
9783732456901
Verena Wolfien
9 Std. und 57 Min.
Inhaltsangabe:
Frankfurt, 1951: Christa Schwerdfeger, verheiratete Hanff, ist ihrer Jugendliebe Jago von Prinz wieder begegnet. Die Liebe flammt erneut. Da die Ehe mit Werner durch seine Homosexualität von Anfang an eine Farce war, beginnen sie eine Affäre. Doch Jago von Prinz will bald mehr, er möchte eine Zukunft mit Christa. Trotz allem hält Christa an der Ehe fest. Aber auch die unrühmliche Vergangenheit seines Vaters machen ihr zu schaffen. Es gibt Fotos, die ihn als Aufseher im KZ Buchwald zeigen.
Es erfolgt wieder eine Trennung von Jago. Ihre Liebe hat unter diesen Umständen keine Chance. Christa stürzt sich in die Arbeit als Doktorandin und Buchhändlerin. Die Menschen, die sie liebt, kommen und gehen, ihre Buchhandlung in der Berger Straße aber bleibt. Als Werner unerwartet stirbt, bekommt sie durch die Erbschaft eine neue Chance auf ihre berufliche Entwicklung. Und sie packt dieser beim Schopf und arbeitet weiter an ihrer Doktorarbeit. Auch ein neuer Mann taucht in ihrem Leben auf und das Glück scheint perfekt.
Wäre da nicht das Vermögen im Hintergrund und ihre Absicht, weiter arbeiten zu gehen. Das behagt ihrem Gatten gar nicht und so muss sie wieder um ihre eigene Stellung in der Ehe und in der Gesellschaft kämpfen.
Mein Fazit:
Der zweite Teil geht nahtlos an dem ersten weiter. Es ist ratsam, die Reihenfolge der Dilogie einzuhalten, im zweiten Teil werden die wesentlichen Elemente aus dem ersten Teil nicht oder nur unzureichend erklärt.
Wie war die Stellung der Frau damals in der Gesellschaft? Sie hatte gefälligst zu Hause zu bleiben, sich um Haushalt und Kinder zu kümmern. Sie sollte dem Mann, der hart arbeitet, alles bereiten, ihm eine Freude machen. Dabei sind Frauen mindestens genauso intelligent wie die Männer. Nach dem Krieg herrschte Mangel an Männern und dann durften die Frauen ihnen nicht auch noch die Jobs wegnehmen.
Wehe dem, ein Mann hatte eine Frau gefunden, die auch noch klüger war. Das ging ja gar nicht. Der Schein nach außen war wichtiger als alles andere. Nach außen eine großartige Familie sein, nach innen herrschte die Sprachlosigkeit. Und da soll eine intelligente Frau glücklich werden? Der Mann war es auch nicht – aber daran war ja auch die Frau schuld. Ich bin froh, in einer moderneren und aufgeklärteren Zeit aufgewachsen zu sein. Und doch herrscht häufig noch immer das alte verstaubte Rollenbild vor.
Ein anderer Aspekt der Geschichte sind die gesellschaftlichen Umwälzungen, die fehlende Aufarbeitung des Nationalsozialismus, die Studentenproteste und politischen Bewegungen. Das wurde alles anschaulich dargestellt, da Heinz irgendwann auch zum Kreis der Studenten gehörte und die politischen Diskussionen in ihrem Kreis stattfanden. Relikte aus der Zeit des Nationalsozialismus begleiten die Familie und es drohen Konsequenzen!
Der Spannungsbogen wurde gut gehalten, auch wenn er in der Mitte etwas abflachte. Dennoch habe ich Verena Wolfien gerne gelauscht, sie hat es gut vertont und den Figuren ihre unverwechselbare Stimme gegeben. Die Emotionen wurden sehr gut transportiert und Kopfkino war ständig an.
Die Mischung aus Fiktion und Historie ist der Autorin gut gelungen. Man lernt ein bisschen was aus der Zeit so kurz nach dem Krieg aus Sicht einer Frau, die zu Höherem strebte und sich doch durchkämpfen musste. Auch so manche Niederlage war dabei.
Fünf Sterne gebe ich und spreche eine klare Empfehlung für Fans dieses Genres aus.
Veröffentlicht am 01.02.26!