Stefanie Gregg: Das Glaskind

Das Glaskind Book Cover Das Glaskind
Stefanie Gregg
Dezember 2024
Belletristik
Aufbau Audio
Hörbuch
9783757015176
Lina Syren
6 Std. und 39 Min.

Inhaltsangabe:

Maja ist Fachärztin für Neonatologie und arbeitet in einem Krankenhaus in Hamburg. Ihre Frühchen sind ihre Familie und sie opfert auch ihre Freizeit für die kleinen Menschen. Ihre Beziehung zur Nikolas ist zwar eng, aber nicht wirklich verbindlich. Sie leben in getrennten Wohnungen und haben unterschiedliche Arbeitszeiten!

Maja erhält einen Anruf von ihrem Vater: Die Mutter hatte einen Unfall und liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Sie muss sofort nach München aufbrechen, denn ihr Bruder Tobi ist ganz allein der Wohnung und er weiß nicht, was passiert ist. Tobi ist mit der Autismus-Spektrum-Störung geboren.

Maja war Tobis Anker, die große Schwester, sein Mittelpunkt. Nur sie konnte ihn immer beruhigen. Ihre Kindheit war geprägt von Verantwortung für einen Bruder, der das gesamte Familiengefüge bestimmte, ja sogar die Ehe der Eltern zum Scheitern brachte. Tobi ist inzwischen erwachsen und hat sogar Arbeit als Software-Spezialist. Allerdings ist er im Alltag nicht allein lebensfähig.

Während Maja sich um Tobi kümmert, brechen alte und verstummte Gefühle auf. Wieder lastet die gesamte Verantwortung auf ihr. Doch nun ist sie erwachsen und muss für sich selbst einzustehen lernen – ein Prozess, der alle Familienmitglieder einbezieht!

Mein Fazit:

Stefanie Gregg hat mit dieser Geschichte ein Thema berührt, was von mir kaum beachtet wird, weil ich nicht wirklich damit in Berührung komme.

Ein Leben mit einem behinderten Kind ist schwierig, das glaube ich zur Genüge. Ich selbst bin mit körperlichen Beeinträchtigungen zur Welt gekommen, aber diese Autismus ist noch einmal eine ganz andere Nummer – weil das Feld auch so breit gefächert ist und die Medizin nichts dagegen tun kann. Sicherlich gibt es begleitende Therapien, um so weit wie möglich selbstständig leben zu können. Aber einige Autismus-Ausprägungen sind so stark, dass ein selbstbestimmtes Leben nicht möglich ist (ich erinnere da an den Film „Rainman“).

Wer übernimmt dann die Verantwortung für so einen Menschen? Hier ist es Maja, die große Schwester. Sobald Tobi geboren war und es offensichtlich wurde, dass er einfach anders ist, verschwand sie vor den Augen ihrer Eltern und übernahm zum großen Teil ihre Pflichten. Sie wurde zum Glaskind, denn sie verschwand im Schatten ihres Bruders, um ihre Eltern in der schwierigen Situation zu unterstützen. Jede Form von Ablösung wurde von der Mutter topediert, immer wieder appellierte sie an das Verantwortungsgefühl – eher unbewusst! Schlimm war für mich zu hören, das auch Außenstehende darauf anspringen, Maja die Verantwortung aufbürdeten, obwohl sie ja eigentlich selbst ein Kind war!

Stefanie Gregg hat sich hier dem bewährten Stilmittel der kurzen Rückblenden bedient. Die Geschichte spielt eigentlich 2024 und in Rückblenden werden Situationen beschrieben, die das Leben vom Glaskind verdeutlichen. Manch‘ brenzlige Situation ließ mich unbewusst den Atem anhalten, zuweilen hat es mich auch etwas runtergezogen.

Eindringlich, bewegend und ohne den mahnenden Zeigefinder hat Lina Syren die Geschichte vertont und damit den Emotionen die richtige Stimme gegeben. Es ist ganz klar eine fünf Sterne-Bewertung.

Veröffentlicht am 22.02.26!

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