Anne Freytag: Lügen, die wir uns erzählen

Lügen, die wir uns erzählen Book Cover Lügen, die wir uns erzählen
Anne Freytag
März 2024
Belletristik
Kampa Verlag
384
eBook
9783311704676

Inhaltsangabe:

Georg und Helen führen ein beneidenswertes Leben. Sie sind beide erfolgreich (er ist Anwalt, sie Autorin), haben ein schönes Haus und zwei Teenager. Und doch trennt sich Georg von Helene und zieht zu seiner neuen Freundin Mariam – einer Yogalehrerin!

Helene beginnt ihr Leben zu durchleuchten und ihre Gedanken streifen immer wieder Alex, den sie während der Studentenzeit in Paris kennen lernte. Sie waren nicht wirklich zusammen, aber sie haben ein paar gemeinsame Nächte erlebt. Sie traute ihm nicht richtig und wollte nicht enttäuscht werden, so ließ sie ihn ziehen.

Im Laufe der Jahre traf sie Alex immer wieder und einmal war sie nah dran, Georg für ihn zu verlassen. Doch sie entschied sich für die Familie. Dennoch haderte sie immer wieder damit, mit der Frage, was wäre, wenn …? Die Ehe mit Georg driftete immer mehr in Gleichgültigkeit ab, der Alltag fraß die letzten Emotionen auf.

Sie kauft sich eine baufällige Ruine und renoviert es mit ihrem Sohn. Nebenbei kommt das gesamte Lügengeflecht auf den Prüfstein und allmählich lösen sich alle Knoten, die in ihre Richtung gebunden sind.

Mein Fazit:

Manchmal musste ich beim Lesen schlucken! In manchen Situationen habe ich mich gesehen, mit dem Schicksal hadernd und doch unfähig, dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen bzw. eine Entscheidung zu treffen.

Man mag es kaum glauben, aber auch eine schlechtgeführte Ehe kann Sicherheit vermitteln. Es ist vertraut, auch wenn es emotionslos ist. Sich mit den Problemen auseinander zu setzen ist anstrengend und aufwühlend. Das größte Hindernis sehe ich oft, dass die Menschen in der Regel nicht bereit sind, ehrlich zu sich selbst zu sein. Lieber belügt man sich selbst als der unschönen Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Denn daraus folgen Konsequenzen, die man nicht tragen will oder kann. Und schließlich weiß man einfach nicht, was danach passiert. Und das kann Angst machen – also macht man lieber gar nichts!

Georg ist in dieser Geschichte zu seiner Freundin gezogen und hat damit eine Lawine an Ereignissen losgetreten. Helene musste Entscheidungen treffen, die längst überfällig waren und auch an ihren Nerven und Emotionen zogen. In sehr vielen Rückblicken wird deutlich, wo vielleicht falsche Entscheidungen getroffen wurden und was ihre Mutter bzw. ihre Tochter damit zu tun haben! Allerdings ist auch Alex ein großer Bestandteil der Geschichte, den sie liebte und nachdem sie sich verzehrte.

Der größte Teil der Geschichte erzählt Helene – entweder Gegenwart oder Vergangenheit. In wenigen kleinen Abschnitten erzählt jedoch auch ihre Tochter Anna aus ihrer Perspektive, die kaum wirklich eine Bindung zu ihrer Mutter hat und den Vater verehrt und vergöttert. Anna ist ein roter Faden von vielen und es löst sich am Ende mit allen anderen glaubhaft auf.

Anne Freytag schafft es wie keine andere, die Leben schonungslos und ehrlich zu sezieren. Sie hat das angesprochen, was viele denken in den ähnlichen Situationen. Dieser Roman kann Denkanstöße für das eigene Leben geben – vielleicht!

Von mir gibt es fünf Sterne und eine klare Empfehlung!

Veröffentlicht am 29.03.26

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert