Erin Gruwell: Freedom Writers

Freedom Writers Book Cover Freedom Writers
Erin Gruwell
2007
Wahre Geschichte
Autorenhaus Verlag
320
3866710178
The Freedom Writers Diary (1999)
Kerstin Winter

Inhaltsangabe:

Anfang der 90er Jahre, nachdem das berühmte Rodney King-Urteil fiel, brachen in Los Angeles Rassen-Unruhen aus. Schwarze, Weiße, Asiaten und die Latinos formierten sich zu Gangs und brachen einen unerklärten Krieg vom Zaun.

Mittendrin waren 150 Schüler, die in Long Beach in eine Klasse gepfercht wurden, um dann von den Lehrkräften als „Risikoschüler“ betitelt zu werden. Im Herbst 1994 tritt Erin Gruwell -frisch von der Uni- ihre erste Stelle als Englischlehrerin in der Wilson High School in Long Beach eben in dieser Klasse an. Keinen Zweifel, die Schüler und Schülerinnen, gerade mal 13 oder 14 Jahre alt, wollten ihr zeigen, dass sie -wie viele Lehrer zuvor- eben nicht lange durchhalten würde.

Durch eine rassistische Karikatur aufgerüttelt, ändert Erin Gruwell sofort ihren Lehrplan und lässt die Jugendlichen Tagebücher schreiben. Als Vorbild dient ihnen „Das Tagebuch von Anne Frank“ und „Ich bin ein Mädchen aus Sarajevo“ von Zlata Filipovic. Obwohl sie auf verschiedenen Kontinenten und unterschiedlichen Zeitepochen leb(t)en, so haben sie doch alle eines gemeinsam: Sie sind alle Opfer und Gefangene eines Krieges! Die Berichte von den zwei Mädchen rütteln sie auf.

Im Laufe der Zeit ändern die Jugendlichen ihre Einstellung und entwickeln gemeinsame Projekte, um ihrem eigenen Elend unterschiedlicher Art die Stirn zu bieten. Denn eigentlich wollen alle nur das eine: In Frieden leben.

Mein Fazit:

Wer so etwas nicht kennt, würde schnell daher sagen, so etwas gibt es nicht! Dieses Buch jedoch besteht aus 142 Tagebuch-Einträgen, die von den Schülern der Wilson High School tatsächlich verfasst wurden. Um die Autor*innen zu schützen, werden keine Namen genannt, außer Miss G oder Miss Gruwell. Aber die Jugendlichen gibt es wirklich und heute, über 30 Jahre später, sind die meisten wohl angesehene Persönlichkeiten und werden vermutlich selbst Kinder haben.

Es ist alles dabei: Migranten, Afroamerikaner, Latinos, Weiße, Asiaten und wer weiß was noch. Sie leben in Ghettos und darin ist es mehr als gefährlich. Sie leben jeden Tag mit der Angst, versehentlich oder absichtlich auf offener Straße am helllichten Tag erschossen zu werden. Einige werden wegen ihrer Hautfarbe oder wegen der Figur ständig verprügelt, einige erleben täglich häusliche Gewalt oder sexueller Missbrauch. Auch Drogen spielen eine Rolle bei dem einen oder anderen. Manche Jugendlichen kennen mindestens ein Elternteil nicht und einigen sind den Eltern egal bzw. müssen sich irgendwie selbst durchschlagen. Das sind alles Verhältnisse, die man sich und dem eigenen Kind nicht wünscht. Sicherlich gibt es das in ähnlicher Form auch in Deutschland, wenn auch nicht ganz so dramatisch.

Mit diesem familiären oder gesellschaftlichen Hintergrund müssen sie lernen, für sich selbst und ihre Träume einzustehen. Und sie erkennen, sie sind nicht allein. Daraus schöpfen sie Mut und Kraft und Erin Gruwell hat einen entscheidenden Anteil daran. Sie jobbt nebenbei in einem Hotel, um das alles zu finanzieren, was sie mit den Jugendlichen macht. Sie gibt den Kindern das Gefühl, wertvoll zu sein. Sie ermutigt sie, über ihre eigenen Schatten zu springen und bringt sie mit Menschen zusammen, denen die ethnische Herkunft egal ist.

Es ist bewegend, bedrückend, ja, gelegentlich bestürzend, was die Jugendlichen erlebt haben. So etwa ist einfach grauenvoll und es ist unvorstellbar, dass man da heil herauskommen kann. Aber sie haben gelernt, ihre Gefühle, Ängste und Sorgen ihrem Tagebuch anzuvertrauen. Daraus entwickelte sich Hoffnung, Zuversicht und Mut. Diverse Begegnungen haben ihr Übriges getan.

Inzwischen hat Erin Gruwell von der Schule zur Universität gewechselt und hat die Freedom Writers Foundation gegründet, die benachteilite Jugendliche unterstützt. Nach dem Vorbild der Freedom Writers gibt es inzwischen sogar in Deutschland ein Verein, der das Konzept mit den Tagebüchern aufgegriffen hat. Der Verein nennt sich „ChangeWriters“ und unterstützt Lehrkräfte, die mit „unbeschulbaren“ Kindern arbeiten. Ich finde, es ist ein toller Ansatz, wahrscheinlich einer von vielen.

Das Buch bleibt im Kopf. Es ist mit Hilary Swank verfilmt worden und in jedem Falle mehr als ein paar Blicke wert. Dieses Buch kann ich uneingeschränkt empfehlen, auch wenn es nichts für schwache Nerven ist. Das sollte einem klar sein!

Veröffentlicht am 14.05.26!

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