Hera Lind: Mein Mann, seine Frauen und ich

Hera Lind: Mein Mann, seine Frauen und ich

erschienen 2017
Verlag: Diana Verlag
Seitenanzahl: 400 Seiten
ISBN-10: 3453291867
ISBN-13: 978-3453291867

Inhaltsangabe:

Fürth 1995: Nadia Schäfer steht in der Blüte ihres Lebens, hat gerade eine Scheidung hinter sich und die erwachsene Tochter studiert. Aus heiterem Himmel erhält sie einen Anruf von einem gewissen Karim, den sie noch nie zuvor gesehen hat.

Obwohl Karim sie völlig überrumpelt, verliebt sie sich sofort in ihn und seine braunen Augen. Sie hat keine Ahnung, was ihn als tiefgläubigen Moslem ausmacht und doch heiraten sie bereits beim zweiten Treffen in Amsterdam vor einem Imam.

Er hat schon eine Frau und drei Kinder, doch die Ehe besteht laut seiner Aussage nur noch auf dem Papier. Das frisch verliebte Paar schmiedet Pläne, in den Oman zu ziehen und sich dort ein neues Leben aufzubauen.

Nadia verliebt sich an Anhieb in das Land, das auf sie eine besondere Wirkung ausübt. Aber der konservative Islam verlangt einiges von ihr ab. Am meisten jedoch verlangt die Viel-Ehe alles ab, denn Karim lernt eine weitere Frau kennen, die er gedenkt zu ehelichen.

Mein Fazit:

Hera Lind kann wirklich wunderbare Geschichten schreiben. Locker und flüssig geht es schon gleich los mit der ersten Bekanntschaft zwischen Nadia und Karim.

Beim Lesen musste ich manchmal ungläubig den Kopf schütteln. Wie kann man als gestandene Frau so ein Wagnis eingehen? Wie kann man dazu verführt werden, seine eigene Identität und Kultur zu leugnen? Nadia selbst erfuhr in ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis ähnliche Reaktionen. Dennoch hielt sie an diesem Mann fest, der ihr trotz aller Unterschiede auch sehr viel Liebe und Geborgenheit gab. Auch wenn ich Nadias nahezu blinde Verliebtheit nicht nachvollziehen kann, so ist durchaus zu lesen, dass der Islam auch positive Aspekte hat, zumindest dann, wenn die Menschen sich daran halten.

Ich hätte es nicht ausgehalten, wenn ich ganz ehrlich bin. So ganz allein in einem fremden Land, fremde Kulturen, ja, man versteht die Sprache ja noch nicht einmal. Und dann muss Frau sich auch noch verhüllen und darf noch nicht mal allein das Haus verlassen, geschweige denn, mit fremden Männern reden. So eine Kultur ist für mich sehr schwierig zu verstehen. Akzeptieren? Nur in engen Grenzen. Da prallten tatsächlich zwei verschiedene Kulturen aufeinander und wie Nadia das gemeistert hat, ist schon sehr bewundernswert.

Ein Buch, das mich sehr bewegt hat, aber auch sehr nachdenklich stimmte. Ich bewerte es mit fünf Sternen und einer klaren Lese-Empfehlung.

Veröffentlicht am 27.09.18!




Hera Lind: Der Prinz aus dem Paradies

Hera Lind: Der Prinz aus dem Paradies

erschienen 2017
Verlag: Diana Verlag
Seitenanzahl: 416 Seiten
ISBN-10: 3453359275
ISBN-13: 978-3453359277

Inhaltsangabe:

Sri Lanka 1995: Rosemarie Sommer bekommt von ihrem Sohn einen Urlaub geschenkt. Die knapp 50jährige kann sich erst gar nicht mit der Hitze und der ärmlichen Umgebung des Landes anfreunden. Doch dann lernt sie Kasun kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. 22 Jahre jünger ist er, aber das stört Rosemarie nur anfänglich.

An ihrem letzten Urlaubstag kommen sie sich näher und voller Vertrauen stürzt sich Rosemarie in die Beziehung. Sie kümmert sich um die nötigen Papiere in Deutschland und schon bald kann er per Touristen-Visum nach Deutschland einreisen. Allerdings, da Kasun der Ernährer der ärmlichen Familie ist, muss sie sie finanziell unterstützen. Obwohl sie selbst nicht gerade auf Rosen gebettet ist, hilft sie, wo sie nur kann.

Kasun wird von ihrer Familie herzlich aufgenommen und schon bald beschließen zu heiraten. Sie wollen sich in Deutschland eine Existenz aufbauen. Doch so einfach ist das alles nicht, denn es fehlt an vielem. Und Rosemarie läuft das Geld davon. Die Situation wird immer verzwickter und sie weiß nicht mehr, ob sie Kasun noch vertrauen kann. Hat er sie aus Liebe oder aus Kalkül geheiratet?

Mein Fazit:

Was für eine Geschichte! Vielen Dank an den Verlag für die Überlassung des Rezie-Exemplares. Ich habe schon einige Bücher von Hera Lind gelesen und diese Geschichte ist außergewöhnlich wie faszinierend – aber wohl wahr!

Ich wusste nicht, ob ich Rosemarie für ihren Mut bewundern oder den Kopf schütteln sollte. Wie kann man sich so vertrauensvoll in die Beziehung stürzen, wenn der Mann von einer anderen Kultur, ja womöglich sogar von einem anderen Planeten kommt? Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie beschwerlich das alles damals gewesen sein mag. Und dann notdürftige Informationen bekommen und auf das Beste hoffen. Rosemarie hat praktisch nach einer unglücklichen Scheidung und einem langen Single-Dasein den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Und dann vergaß sie auch noch die verschiedenen Kulturen. Ihre Eigenständigkeit war selbstverständlich, auch wenn sie sich um den Vater und um den behinderten Bruder kümmerte. Ihre zwei Kinder waren ja selbst schon erwachsen. Kasun fügte sich dem anstandslos ein. Andersherum war es schon schwieriger, wie ich finde, auch verständlich. Die ärmlichen Verhältnisse in Sri Lanka sind nicht zu vergleichen mit den ärmlichen Verhältnissen in Deutschland. Sie verstand die Sprache und die Kultur nicht, hatte sich nicht wirklich damit auseinandergesetzt. So kam es dann zu vielen dramatischen Augenblicken.

Rosemarie hat die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt und daher blieb mir vieles verborgen, was auch ihr verborgen blieb (obwohl ich es insgeheim schon ahnte und auch sie irgendwann). Sie haderte oft mit sich, gab sich immer wieder einen Ruck, doch die Schmerzgrenze war irgendwann auch bei ihr erreicht. Und sie konnte ihm nicht wirklich böse sein, wenn er vor ihr stand. 1995 war die Kommunikation zwischen den verschiedenen „Welten“ noch nicht so einfach wie heute. Zwar gab es schon Handys, aber noch nicht so weit verbreitet. Ebenso Internet. Es wurde per Telefon und Fax kommuniziert und das war damals noch teurer als heute! Und dann die übrigen Summen, die sie mal bezahlte oder überwies. Oh je …

Ein flüssiger Erzählstil und eine bildhafte Sprache, die alles vor meinem inneren Auge entstehen ließ und mich zog die Geschichte um Rose und Kasun in ihren Bann. Inwieweit nun alles der Wahrheit entspricht, weiß ich nicht. Aber insgesamt wirkt die Geschichte authentisch. Zuweilen war ich sprachlos über so viel Naivität, aber der heldenhafte Mut und der unerschütterliche Glaube nötigt mir Respekt ab.

Wer außergewöhnliche Liebesgeschichten mag, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Fünf Sterne von mir und eine klare Lese-Empfehlung.

Veröffentlicht am 29.04.18!




Sandra Brökel: Das hungrige Krokodil

Sandra Brökel: Das hungrige Krokodil

erschienen 2018
Verlag: Pendragon Verlag
Seitenanzahl: 320 Seiten
ISBN-10: 3865326080
ISBN-13: 978-3865326089

Inhaltsangabe:

Von Pendragon Verlag: Prag 1968: Wie viele andere Tschechen schöpft Pavel Vodák Hoffnung. Hoffnung auf Reformen, auf Freiheit, auf Demokratie. Dann rollen die Panzer und machen all seine Träume zunichte. Pavel will nicht, dass seine Tochter Pavla unter diesen Umständen aufwachsen muss. Sie soll frei denken und entscheiden können. Also plant er, mit seiner Familie aus der tschechischen Heimat nach Deutschland zu fliehen. Nachdem er an deutsche Pässe gelangt ist, folgt die größte Herausforderung: Denn seine schwer kranke Schwiegermutter und seine Tochter ahnen nichts von der Flucht. Sie glauben, die Familie fährt in einen Jugoslawienurlaub. Eine abenteuerliche Reise beginnt …

Mein Fazit:

Dieses Rezie-Exemplar habe ich auf eigenen Wunsch bekommen und dafür möchte ich mich beim Pendragon Verlag bedanken. Ich habe in den letzten Jahren einige Bücher gelesen, wo die Thematik Kommunismus und deren teils bedrückende und beängstigende Atmosphäre ziemlich nah beschrieben wurde. Ich bin in einer freiheitlichen Welt großgeworden, wo man stets seine Meinung sagen darf. Nach wie vor fällt es mir schwer mir vorzustellen, wie es ist, in einer solchen Welt zu leben und aufzuwachsen.

Mit diesem Buch lernen wir Pavel kennen, der Vater tschechischer Militärangehöriger, die Mutter eine Deutsche. Der Junge lernt beide Sprachen und spürt schon sehr früh, wann er welche Sprache anwenden kann. Mit dem Zweiten Weltkrieg kommt er zum ersten Mal mit seinem persönlichen hungrigen Krokodil in Berührung – dem Grauen, die Angst und Fassungslosigkeit. Er übersteht die Kriegszeit, kann danach sein Medizinstudium fortsetzen, heiratet und die Tochter Pavli wird geboren. Sein Krokodil taucht wieder auf, als er erfährt, dass seine Frau nicht weiter studieren darf. Schließlich glaubte Pavel, das Krokodil sei für immer verschwunden, als der Prager Frühling eingeläutet wurde. Doch das war ein fataler Irrtum. Die Panzer des Warschauer Paktes machten alle Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben zunichte und er sah keinen anderen Ausweg als die Flucht!

Pavel lebte tatsächlich, so wie diese Geschichte sich wohl auch so ereignet hat. Die Autorin hat aufgrund von Pavels Notizen dieses Buch geschrieben, denn sie war mit seiner Tochter befreundet. Ein beklemmendes Zeugniss, abgelegt von einem Mann, der eigentlich nur eines wollte, mit seiner Familie in Freiheit und Frieden leben. Seine Tochter sollte alle Chancen haben, doch das sah er für sie in der Tschechoslowakei nicht. Daher begab er sich mit seiner Familie auf eine Flucht, die ihn viel Kraft und Energie kostete.

Die Flucht selbst nahm nicht so viel Raum ein, zumindest deutlich weniger, als der Klappentext mich das vermuten ließ. Vielmehr lebt die Geschichte von den Rückblicken in Pavels Leben. Die Autorin hat die Atmosphäre der damaligen Zeit sehr lebendig werden lassen vor meinem inneren Auge, die schönen wie auch die schrecklichen Momente eindringlich wie auch ergreifend beschrieben und das oft mit einfachen Worten.

Allerdings blieben mir gerade die wichtigsten Personen in seinem Leben in einigen Momenten etwas blass, ich konnte sie emotional nicht immer so recht greifen. Dennoch wurde ich gut unterhalten und ich finde dieses Buch sehr lesenswert, es gibt vier Sterne von mir!

Veröffentlicht am 10.04.18!




Tania Kambouri: Deutschland im Blaulicht

Tania Kambouri: Deutschland im Blaulicht

Untertitel: Notruf einer Polizistin
erschienen 2015
Verlag: Piper Paperback
Seitenanzahl: 224 Seiten
ISBN-10: 3492060242
ISBN-13: 978-3492060240

Inhaltsangabe:

von amazon.de: Tania Kambouri hatte genug. Wieder einer dieser Einsätze, bei denen ihr kein Respekt entgegengebracht, sondern sie stattdessen wüst beschimpft und beleidigt wurde. Der türkischstämmige Mann, der die Polizei um Hilfe gerufen hatte, war empört: Was wollte diese »Bullenschlampe« von ihm? Warum kam eine Frau – und kein Mann – zum Einsatzort? Vorkommnisse dieser Art erleben Polizisten im Einsatz immer öfter. Als Polizistin und Frau griechischer Abstammung ist Tania Kambouri den Angriffen auf der Straße besonders häufig ausgesetzt. Jetzt setzt sie sich zur Wehr: »Ich will den Finger in die Wunde legen, auch wenn mir bewusst ist, wie explosiv das Thema ist«.

Mein Fazit:

Ich weiß nicht, wie meine Follower es sehen, aber ich sehe unsere Beamten in Uniform als Respekt-Personen. Ich bin so erzogen worden und ich habe meine Kinder bislang auch so erzogen, die Polizei als Freund und Helfer zu sehen und nicht als Blitzableiter für den eigenen Frust oder anderes.

Es erschreckt mich zutiefst, das unsere Mitbürger (meist mit Migrationshintergrund) unsere Polizei so respektlos behandeln. Gerade Tania Kambouri, selbst auch mit Migrationshintergrund, hat es als Polizistin besonders schwer. Denn Frauen finden in einigen Kulturkreisen gar keinen Respekt, auch (oder erst recht) nicht mit Uniform! Das diese Menschen unsere Gesetze aushebeln oder umgehen, ist für mich schon befremdlich. Aber das sie dann die Polizisten bei der Ausübung ihres Dienstes auch noch so angehen, ist für mich wirklich der Gipfel der gescheiterten Integration. Allerdings darf man hier auch nicht pauschal urteilen. Es gibt hier wie dort gesetzestreue und kriminelle Bürger und vieles wird auch von einer strengen Hierachie bestimmt!

Die Autorin hat hier ziemlich schonungslos erzählt, wie ihr Alltag als Polizistin mit Migrationshintergrund aussieht, dass gerade auch die Politik und die Gesellschaft gefragt ist, dieses Problem anzugehen. Sparmaßnahmen und teilweise zu lasche Gesetze trieben es noch auf die Spitze und wenn sich da nicht etwas tut, steuert das Land auf ein großes gesellschaftliches Problem zu.

Ich hätte mir mehr Fall-Beispiele gewünscht, aber ich habe ihren Frust auch so deutlich beim Lesen gespürt. Es öffnet die Augen und stimmt nachdenklich. Lösungs-Vorschläge hat sie auch gleich gemacht und man kann als gesetzestreue Bürgerin wie ich nur hoffen, das davon irgendetwas umgesetzt wird ohne das dabei wieder Nazi-Keule schwingt. Wer Hilfe braucht, soll sie bekommen, der Meinung bin ich durch und durch. Wer sich jedoch nicht an unser Gesetz hält, muss Konsequenzen spüren. Der Meinung bin ich durchaus.

Es ist ein interessantes Buch, welches ich gerne mit 4 Sterne bewerte!

Veröffentlicht am 06.04.18!




Hera Lind: Kuckucksnest

Hera Lind: Kuckucksnest

erschienen 2016
Verlag: Diana Verlag
Seitenanzahl: 448 Seiten
ISBN-10: 3453291573
ISBN-13: 978-3453291577

Inhaltsangabe:

Im Januar 1992 erfahren die Zwillings-Schwestern Senta und Sonja, dass sie auf natürlichen Weg keine Kinder bekommen können. Trotz intensiver Hilfe ist es ihnen nicht gegönnt, eine Familie mit leiblichen Kindern zu gründen. Und so machen Senta und Sonja sich mit ihren Männern Markus und Paul auf, um sich ins Abenteuer der Adoption zu stürzen.

Nach dem sie erst einmal den Behörden- und Formularen-Dschungel durchquert hatten, zogen die ersten Kinder ein und für die zwei Frauen, die inzwischen auch Nachbarn geworden sind, beginnt ein weiterer Abschnitt in ihrem Leben: als Vollblut-Mutter.

Im Laufe der Jahre finden zehn Kinder bei Senta und Sonja ein neues Zuhause. Doch die Sprößlinge haben alle ihr Päckchen zu tragen. Mit sehr viel Liebe, Engagement und Herzblut versuchen die Familien ihren Kindern trotz aller Hindernisse eine schöne Kindheit zu schenken und erleben dabei wilde Abenteuer.

Mein Fazit:

Ich habe von Hera Lind schon zwei Bücher gelesen, die mich sehr berührt und gefesselt haben. Dieses wird nicht mein letztes Buch von der Autorin gewesen sein, denn auch dieses fesselte mich von Anfang.

Da sind die eineiigen Zwillinge Senta und Sonja. Dreißig Jahre alt, finanziell abgesichert und verliebt in ihre Männer. Sie fühlen sich bereit für Kinder und wünschen sich einen „ganzen Stall davon“. Doch es klappt nicht mit dem Nachwuchs, trotz Kinderwunschklinik und Geschlechtsverkehr nach Plan. Daher müssen sie den hochbürokratischen Weg der Adoption gehen. Und sie tun es mehrmals. Dabei erleben sie haarsträubende Situationen, müssen oft ihren Frust und Ärger runterschlucken und sich in Geduld üben. Fahrten quer durch die Bundesrepublik sind da keine Seltenheit.

Doch dann kommen  die ersten Kinder ins Haus, aus schwierigen sozialen Verhältnissen und meist ungewollt. Die Kinder sind in der Regel noch recht klein, aber sie bringen schon ihre Päckchen mit. Die Kinder bestimmen fortan den Alltag mit allen Höhen und Tiefen. Auch Beziehungsprobleme kommen zum Ausdruck, sogar eine Trennung und Heirat (das aber eigentlich schon so fast nebenbei).

Die Kinder werden größer und die Pubertät bringt dann das eigentliche Problem der Kinder zum Vorschein: die wahre Herkunft. Bei fast allen Kindern können die wahren Eltern ausfindig gemacht werden und mit sehr viel Engagement helfen die Frauen den Kindern, sich mit ihrer wahren Herkunft auseinander zu setzen. Und das ist etwas, was ich sehr positiv hervorheben möchte. Viele Adoptiveltern scheuen davor zurück, ihren Kindern die Wahrheit über ihre Herkunft zu erzählen aus Angst, das Kind würde sich dann abwenden. Bei Senta und Sonja kamen diese Zweifel nicht ein einziges Mal. Wo sie nur konnten, versuchten sie zu helfen ohne darüber nachzudenken, was daraus entstehen könnte. Und die Kinder dankten es ihnen mit einer unverbrüchlichen Treue und Liebe.

Die zwei Frauen wechseln sich beim Erzählen ihrer Geschichte ab, gelegentlich erfolgt dabei auch ein größerer Zeitsprung. Am Anfang kam ich noch mit den Namen der Kinder klar, aber irgendwann wurde es mir zuviel und ich konnte sie nicht mehr so genau den jeweiligen Familien zuordnen. Aber das widerum war auch gar nicht so wirklich schlimm, denn im Grunde handelt das Buch von einer 14-köpfigen Großfamilie. Sehr viele Episoden laden zum Schmunzeln ein, andere stimmen nachdenklich. Aber immer wieder kommt es klar zum Ausdruck: Die zwei Frauen lieben ihre Kinder ohne Vorbehalte und kämpfen um sie wie Löwinnen. Und wie anstrengend der Alltag mit den Kindern ist, haben sie immer wieder mal in kurzen Sätzen oder Episoden fallen gelassen. Ich glaube, dass der gesunde Menschenverstand auch so schon versteht, dass es sehr viel Arbeit kostet.

Das einzige, was ich vielleicht etwas kritisch sehe ist der gelegentlich entstandener Eindruck, das Sonja und Senta so taten, als wären nur sie die besten Mütter. Das fand ich dann doch etwas abgehoben. Auch andere Mütter können tolle Mütter sein, gerade die, die auch den einen oder anderen Fehler haben und nicht so gut abgesichert sind oder in einer Mietwohnung leben. Gelegentlich hatte ich schon den Eindruck, als würden sie etwas herablassend wirken.

Dem Lese-Spaß hat es jedoch keinen Abbruch getan und innerhalb von zwei Tagen hatte ich das Buch verschlungen. Trotz der kleinen Kritik-Punkte bekommt es fünf Sterne und ich freue mich, bald wieder einen Hera Lind-Roman lesen zu dürfen.

Veröffentlicht am 19.03.17!