Iny Lorentz: Licht in den Wolken

Lesezeit: 3 Minuten

Iny Lorentz: Licht in den Wolken

erschienen 2019
Verlag: Knaur TB
Seitenanzahl: 574
ISBN-10: 3426518880
ISBN-13: 978-3426518885
Dies ist der 2. Teil der Berlin-Trilogie.

Inhaltsangabe:

1864: Friederike von Gantzow, von allen Rieke genannt, lernt in einem Institut für höhere Töchter Gunda von Hartung kennen. Riekes Vater kann sich den Schulbesuch als verarmter Militärangehöriger nicht leisten, dafür springt die reiche Tante Ophelia von Gentzsch ein.

Rieke und Gunda werden gleich Freundinnen und erleben schwere wie schöne Zeiten in dem Institut. Riekes Bruder Emil und der Vater dienen in der preußischen Armee und es steht zu befürchten, dass gegen Dänemark ein Krieg bevorsteht.

Tatsächlich müssen beide männlichen Verwandten nach Düppel, Emil jedoch kehrt nicht lebend zurück. Aus Zorn und Trauer über den verlorenen Sohn verbannt Egolf von Gantzow seine Tochter aus seinem Leben. Nur durch die Großzügigkeit des Tuch-Fabrikanten Friedrich von Hartung kann Rieke die Ferien mit ihrer Freundin Gunda erleben. Dort lernt sie auch den ältesten Sohn der Familie kennen: Theodor von Hartung!

Theo benimmt sich den Mädchen gegenüber nicht immer vornehm. Doch Rieke ist zu stolz, um es ihm übel zu nehmen. Sie hat das Gefühl, die Großzügigkeit der Familie schon über Gebühr in Anspruch zu nehmen. Als einige Zeit später ihr Vater bei einem Gefecht gegen Österreich schwer verletzt wird, stellt sich jedoch heraus, dass Theo das Herz auf dem rechten Fleck hat.

Aber das Leben kommt ihnen immer wieder dazwischen, um sich einander zu offenbaren. Schließlich führt ein Missverständnis dazu, dass sie sich komplett entfernen und Rieke macht sich bereit, einen anderen Mann zu heiraten.

Mein Fazit:

Der zweite Band dieser Trilogie spielt ca. 16 Jahre nach dem Ende des ersten Bandes. Und es gibt ein Wiedersehen mit alten Bekannten.

In diesem Band steht Rieke im Mittelpunkt des Geschehens. Ihre Kindheit ist geprägt von Armut, Verzicht und der strengen Erziehung des Vaters, der sich an ihrer Stelle lieber einen zweiten Sohn gewünscht hätte. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit lässt er sie spüren, dass sie als Mädchen zu nichts taugt. Durch eine reiche Verwandte ist es ihr jedoch möglich, auf die Schule für höhere Töchter der Geschwister Schmelling zu gehen. Allerdings zahlt die Tante nur das Schulgeld und nicht für Kleidung oder Stickzeug. Schuhe und anderes kann sie durch ihr Geschick beim Sticken redlich verdienen, aber sie muss schon an der einen oder anderen Stelle ihren Stolz runterschlucken.

Schon sehr bald kann Rieke mit der Familie von Hartung, bekannt aus dem ersten Band, Freundschaft schließen. Gunda ist ebenfalls wie Rieke ein Neuankömmling an dem Institut und die gemeinsamen Erlebnisse schweißen sie zusammen. Dennoch können sie unterschiedlicher kaum sein. Als Rieke ihren Bruder Emil verliert, wird sie aus der Familie verbannt. Selbst die Mutter ist nicht mehr in der Lage, für ihre Tochter einzutreten. Sie scheint sie zu vergessen, als hätte es sie nie gegeben. In der Zeit nimmt die Familie von Hartung sich ihrer an und sie wächst in der Zwischenzeit zu einer jungen Frau heran, die durchaus in der Lage ist, sich und andere zu behaupten.

Es wird in diesem Band sehr viel auf Standesunterschiede geachtet und diese besonders hervorgehoben. Diejenigen, die durch Reichtum zum Adel kamen, wurden naserümpfend vom echten Adel behandelt, auch wenn dieser womöglich nicht mehr vermögend war. Die weiteren Familienmitglieder der von Hartung spielen eine große Rolle in diesem Band und geschickt wird Riekes Handeln und Weg mit ihnen verknüpft. Wobei der Zufall schon manchmal arg konstruiert wirkte.

Die Erzählung von Riekes Lebensweg ist stellenweise etwas langatmig und die Liebesgeschichte zwischen Rieke und Theo ist meiner Meinung nach deutlich zu blass. Da hätte ich mir weniger Politik und mehr Romantik gewünscht. Das Ende wirkte am Ende etwas überhastet und auch unglaubwürdig. Dennoch beschwor das Autoren-Paar eine dichte Atmosphäre der damaligen Zeit herauf und viele Szenen wirkten lebendig auf mich.

Insgesamt ist es mir vier Sterne wert und ich freue mich schon auf den dritten Teil.

Veröffentlicht am 26.06.19!

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