Eve und der letzte Gentleman

usaEve und der letzte Gentleman (1999)
Originaltitel: Blast From the Past

B00004S5RLRegie: Hugh Wilson
Drehbuch: Bill Kelly
Produktion: Amanda Stern, Sunil Perkash, Renny Harlin
Kamera: José Luis Alcaine
Darsteller: Brendan Fraser, Alicia Silverstone, Christopher Walken, Sissy Spacek, Dave Foley, Joey Slotnick, u.v.a.
Dauer: 112 Minuten

Inhaltsangabe:

Los Angeles, 1961: Calvin Webber (Christopher Walken) ist Wissenschaftler und im Höhepunkt des Kalten Krieges hat er sich auf den atomaren Erstschlag vorbereitet und einen Strahlenschutzbunker im Garten gebaut. Und kaum lassen die Nachrichten vermuten, das dieser Erstschlag kurz bevorsteht, schnappt er sich seine hochschwangere Frau Helen (Sissy Spacek) und geht mit ihr hinein. Aber es kracht keine Atombombe in den Garten, sondern ein Militärflugzeug. Überzeugt, das draußen kein Leben mehr herrscht, schließt Calvin die schweren Türen für die nächsten 35 Jahre zu.

Adam Webber (als Erwachsener: Brendan Fraser) wird dort geboren und wächst allein mit seinen Eltern auf. Er wird in allem unterrichtet und bekommt die beste Erziehung. Aber auch mit 35 Jahren sehnt er sich nach Abwechslung und nach einer Frau. Da gehen endlich die Türen des Bunkers auf und für Adam ergibt sich die Chance seines Lebens: Er kann endlich mal das Tageslicht sehen!

Die Vorräte gehen zur Neige und Calvin ist schwer krank. So schickt Helen ihren Sohn mit einer langen Liste los. NIchts ahnend, was die inzwischen völlig andere Welt für ihn bereit hält, geht Adam los und trifft schon ziemlich bald auf die durchgeknallte Eve Rustikoff (Alicia Silverstone). Obwohl sie Adam total schräg findet mit seinen tadellosen Manieren, hilft sie ihm sich zurecht zu finden. Und doch beißt Adam bei ihr auf Granit …

Mein Fazit:

Ach ja, das ist auch mal eine andere Geschichte.

Man stelle sich vor, der Gatte baut im Garten einen riesigen Bunker, mit Sauerstoff-Filter-System, Regalen voller Lebensmittel für die kommenden Jahre und einer heimeligen kleinen Wohnung, sogar mit Fenstern und Gardinen, nur eben unter der Erde. Das man es dort lange aushalten kann, haben die Webbers einem gezeigt. Während Calvin sich um die gesamte Versorgungsstruktur kümmerte, süppelte Helen einen kleinen Drink nach dem nächsten, weil sie die Enge und die fehlende Abwechslung und andere Menschen ansonsten nicht ertragen hätte. Völlig behütet wächst da der Junge ran. Er bekommt von seinem Vater in allen Fächern Unterricht und ansonsten wird ihm die Heile Welt vorgespielt. Das saubere Amerika, das sie in den 60er Jahren noch kannten.

Um so erschreckender ist es für Calvin, wie sich das saubere Amerika dann in 35 Jahren entwickelt hatte. Im Glauben, es gäbe nur noch Mutanten, die sich öffentlich erbrachen, erleidet er einen Herzanfall. Helen, toll gespielt von Sissy Spacek, möchte den Bunker am liebsten sofort verlassen, hat aber Angst vor der wahren Welt über ihnen. Einzig Adam brennt darauf, die wirkliche Welt kennen zu lernen und fällt durch seine „altmodische“ Erziehung auf. Und er lässt sich auch von seinen innigsten Wunsch, eine Frau zu treffen, auch nicht abbringen und sieht in Eve seine Herzensdame, um die er obendrein auch noch mit dem allergrößten Respekt wirbt.

Ja, der Film hat was. Zwar gibt es da die eine oder andere Frage, die mir auf der Zunge brennt, aber sei es drum. Die Geschichte besitzt soviel Humor, aber auch einen moralischen Aspekt: Ein respektvoller Umgang miteinander und die moralische Verwahrlosung in den letzten 35 Jahren, und das alles unter dem Deckmantel der inneren und äußeren Freiheit. Den Kalten Krieg wünscht sich niemand herbei (ist aber wieder aktueller denn je), aber vielleicht eine saubere Zivilisation mit Anstand und Würde. Na ja, ein bißchen träumen darf man ja. Diesen krassen Unterschied zwischen den Jahren hat man in dem Film sehr gut ausgearbeitet.

Die Darsteller waren größtenteils in ihrem Element, nur Brendan Fraser wirkte auf mich oft hölzern. Ich konnte es ihm nicht immer so richtig abnehmen. Alicia Silverstone sowie auch Sissy Spacek und der wunderbare Christopher Walken konnten wirklich glaubhaft ihre Rollen spielen.

Alles in allem ein netter Film, den man mal gesehen haben muss. Von mir bekommt er 80%.

Veröffentlicht am 25.02.15!

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