Die Stadt der Blinden

Lesezeit: 3 Minuten

Die Stadt der Blinden (2008)
Originaltitel: Blindness

Regie: Fernando Meirelles
Drehbuch: Don McKellar
Produktion: Nicolas Aznarez, Andrea Barata Ribeiro, Bel Berlinck
Musik: Marco Antônio Guimarães
Kamera: César Charlone
Darsteller: Julianne Moore, Mark Ruffalo, Eduardo Semerjian, Jason Bermingham, Danny Glover, Yûsuke Iseya, u.v.a.
Dauer: 121 Minuten
Romanvorlage: „Die Stadt der Blinden“ von José Saramago

Inhaltsangabe:

Irgendwo in irgendeiner Stadt: Plötzlich und ohne Vorwarnung erblindet ein Mann am Steuer seines Fahrzeugs. Ein scheinbar hilfsbereiter Mensch bringt ihn nach Hause, um ihm dann letztendlich das Auto zu stehlen. Der Erblindete geht zum Augenarzt, doch dieser kann ihm genauso wenig helfen.

Am nächsten Tag: Auch der Augenarzt erblindet, sowie einige Patienten, die mit dem ersten Opfer in der Praxis in Berührung gekommen sind. Es ist also eine Epidemie. Doch es wird den Erkrankten nicht wirklich geholfen: Sie werden interniert und in eine verlassene Kaserne eingesperrt, ohne medizinische Hilfe oder Betreuung, ohne vernünftige sanitäre Anlagen und mit dahingeworfenen zugeteilten Essens-Portionen. Beim Versuch, die Anlage zu verlassen, wird mit Erschießung gedroht.

Die Kaserne füllt sich immer mehr mit Menschen und da von Seitens der Regierung oder Menschenrechtskommissionen keine Hilfe zu erwarten ist, sind sie auf sich allein gestellt mit zu wenig Essen und zu vielen Kriminellen. Es kristalisiert sich eine Hierarchie, die auf Kosten der friedlichen Menschen geht: Erpressung, Prostitution und schließlich Mord. Und niemand weiß, wo es endet …

Mein Fazit:

Ich habe den Film auf eine dringende Empfehlung hin gesehen und bin in jeder Hinsicht dem Thema bzw. der Umsetzung zwiespältig. Zum einen ist die Thematik interessant, wenngleich auch nicht so ganz neu. Aufgrund einer Seuche erblinden die Menschen, nur die Frau des Augenarztes kann sehen. Aus Liebe zu ihm sehen stellt sie sich blind und lässt sich internieren. Das sie sehen kann, ist ihr Glück oder ihr Pech, wie man es nimmt. Trotz allem kann sie nicht verhindern, das die Menschen an die niederen Abgründe geraten und da kommt für mich das Unglaubwürdige ins Spiel. Die Regierung sperrt die Menschen ein, als hätten sie ein Verbrechen begangen. Das ist in der heutigen Zeit einfach undenkbar. Das dann ein Mensch mit niederer Kultur sich selbst zum König ernennt und dabei versucht, seine Macht auszuspielen, ist soweit ok. Aber das sich die blinden Menschen das gefallen lassen, ist in der Tat fragwürdig, denn sie hatten ja alle das gleiche Schicksal: Sie sind blind. Somit wäre für die Männer eine 50:50-Chance vorhanden gewesen, ihre Frauen vor Prostitution zu schützen, um das Essen zu bezahlen. Glaubwürdiger war da hingegen die Frau des Augenarztes (er: Mark Ruffalo, sie: Julianne Moore). Sie ist hat letztenendes ihre Sehkraft dazu eingesetzt, die Macht in der Kaserne ansich zu nehmen und die Gruppe zu führen.

Der Film ist verstörend und teilweise schwer nachzuvollziehen. Man kann Gefühle wie Wut und Unverständnis kaum beiseite schieben. Wie der Film schon ab 12 Jahre freigegeben wurde, ist mir absolut schleierhaft, wo doch gezeigt wird, wie Frauen vergewaltigt und menschliche Kadaver von Hunden aufgefressen werden. Auch wie Menschen den Flur als Toilette benutzen oder die Regierungs-Truppen völlig unschuldige Menschen erschiessen, ist meines Erachtens nach nicht gerade leicht zu verdauen.

Beeindruckt hat mich hingegen die Kamera-Führung, die doch recht glaubhaft die Sichtweise der Erblindeten zeigten. Die Schonungslosigkeit der Bilder ist zwar abstoßend, aber glaubhaft. Und die Darsteller sind authentisch, schließlich können sie ja nur nach dem Drehbuch ihr bestes geben.

Alles in allem ist der Film mir 80% wert, aber für schwache Nerven ist er nicht zu empfehlen.

Anmerkung: Die Rezension stammt vom 08.06.2009.

Veröffentlicht am 22.11.17!

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