Patricia Cornwell: Blinder Passagier

3442439043Patricia Cornwell: Blinder Passagier

Originaltitel: Black Notice (1999)
Übersetzt von Annette Grube
Verlag: Goldmann Verlag
Seitenanzahl: 448 Seiten
ISBN-10: 3442439043
ISBN-13: 978-3442439041
Dies ist der 10. Teil der Kay Scarpetta-Reihe.

Inhaltsangabe:

Kay Scarpetta versucht die Trauer um Benton durch Arbeit und ignorantes Verhalten gegenüber ihrer Seele zu kaschieren. Doch ihr zartes Nervenkostüm bricht jäh zusammen, als Senator Frank Lord ihr einen letzten Brief von ihrem Geliebten überreicht.

Just in dieser Zeit wird bei den Docks von Richmond eine verweste Leiche in einem Frachtcontainer entdeckt. Aber an diesem Fall ist alles anders: Eine junge und unerfahrene Polizistin bewacht als Einzige den Fundort, Pete Marino kommt in Uniform und die neue Polizeichefin, Diane Bray, taucht plötzlich auf, um Kay scheinbar die Grenzen aufzuzeigen.

Kay ist mehr als verstimmt, da Bray offensichtlich nur daran gelegen ist, sich so gut wie möglich vor der Presse in Position zu bringen und sich selbst jeden Fahndungserfolg zuschreiben will – und somit Kay als schlechte Pathologin zu presentieren. Aber Kay gibt nicht so schnell auf.

Es geschehen weitere Morde und plötzlich wird sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zu Interpol nach Frankreich beordert. Gerade ist es ihr nicht recht, denn ihre Nichte Lucy steckt in einer emotionalen und dienstlichen Klemme und braucht Kay mehr denn je.

Mein Fazit:

Nun bin ich inzwischen schon bei meinem zehnten Fall angelangt. Der letzte Teil war für mich der bislang beste von allen, denn die Handlung war sehr spannend und Kay kam mir als menschliches Wesen hervor. Sie wirkte sonst immer kühl und überlegt, ja, gerade zu beherrscht. Aber sie kann auch anders – in diesem Teil wird es auch deutlich.

Benton verstarb vor einem Jahr und seither hat Kay es sich nicht gestattet, wirklich um ihn zutrauern. Sie vergräbt sich immer tiefer in die Arbeit, vernachlässigt ihr Haus und auch ihre privaten Kontakte. Sobald sie einen Moment Ruhe hat, wird sie von ihren Gefühlen regelrecht überrollt.

Gerade in dieser Zeit lernt sie Diane Bray kennen. Die neue Polizei-Chefin kommt aus Washington D.C. und will offenbar die Macht über den gesamten Polizei-Apparat haben. Kay ist davon ausgenommen, denn sie ist dem Gesundheits-Ministerium unterstellt. Und das will Bray offenbar auch ändern, da Kay in ihrer Position ziemlich viel Macht hat und durchaus gut vernetzt ist. Pete Marino tat mir unheimlich leid. Obwohl er der beste Detective auf dem Revier ist, wird er zum Streifen-Cop degradiert, nur um für Bray Spielball zu sein. Jedem in Richmond ist klar, das Kay und Pete ein unschlagbares Team sind. Aber das letzte Wort hat nicht Bray – Kay jedoch auch nicht!

Der zweite Erzählstrabg betrifft natürlich den Mord an dem Unbekannten. Das Schiff war aus Belgien in Richmond eingelaufen. Somit liegt die Vermutung nahe, dass der Tote ein Europäer ist. Marino nimmt Kontakt zu Interpol auf. Bis dahin laufen die Ermittlungen sehr schleppend, auch beim nächsten Mord wird nichts Besonderes heraus gefunden. Bis Kay (mit Marino) plötzlich nach Frankreich beordert wird.

Eine kleine Nebenhandlung erzählt von Kays Nichte Lucy. Sie ist in einem Undercover-Einsatz, zusammen mit ihrer Freundin. Doch da geht einiges schief und sie müssen aus Miami fliehen. Zudem hat Lucy im Einsatz zwei Menschen erschossen. Pete wirft in der Hinsicht eine interessante, wenn auch beängstigende These ein, die Kay abschreckt.

Eigentlich könnte die Inhaltsangabe noch viel mehr umfassen, aber ich habe mich nun auf das Wesentliche beschränkt. Die Autorin hat ziemlich viel in das Buch reingepackt, was zwar immer irgendwie zusammen gehört, aber doch ziemlich geballt wirkt. Mir schwindelte manchmal beim Lesen: „Was kommt denn noch?“, wollte ich manchmal fragen!

Und dann wurde das Buch zum Ende hin einfach nicht fertig. Obwohl der Leser (und somit auch Kay) schon weiß, wer denn der Mörder ist, passieren noch mehr Morde, noch mehr Tatorte usw. Ich finde, das hätte sie ruhig ein bisschen abkürzen können.

Kay hingegen wirkte auch dieses Mal wieder wie ein normales menschliches Wesen. Ihre Trauer um Benton ist spürbar, ihre tiefempfundene Verzweiflung um seinen Tod und ihre Hilflosigkeit, wenn die Gefühle sie zu überrennen drohten. Das konnte ich ihr sehr gut nach empfinden und als Leserin war es für mich durchaus spürbar!

Insgesamt gesehen ist mir der 10.te Teil durchaus vier Sterne wert.

Veröffentlicht am 02.08.16!

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