Andrea Maria Schenkel: Als die Liebe endlich war

Andrea Maria Schenkel: Als die Liebe endlich war

Erschienen 2016
Verlag: Diana Verlag
Seitenanzahl: 400 Seiten
ISBN-10: 3453359534
ISBN-13: 978-3453359536

Inhaltsangabe:

Bayern im April 1938: Nur der Vater der Familie Schwarz ist jüdisch geboren, inzwischen katholisch getauft. Trotzdem spürt die Familie, bestehend aus Ehefrau Grete und den Kindern Ida und Carl die Anfeindungen und drohende Gefahr durch die Nationalsozialisten. Durch einen Wink des Schicksals können sie eine Passage auf der „Conte Biancamano“ von Genua nach Shanghai bekommen. Viele europäische Juden flüchten nach Südost-Asien, weil sie dort keine Visa benötigen. Der Vater allerdings kann sein Heimatland nicht wirklich verlassen und so sieht Carl seinen Vater in Genua am Kai zum letzten Mal in seinem Leben.

Etwa zur gleichen Zeit wird die junge Frau Erna von ihren Eltern zur Tante nach München geschickt. Erna stammt vom Land und muss sich an die Geschäftigkeit in der Großstadt erst gewöhnen. Tanta Marga verdient ihr Geld als Wahrsagerin und Engelmacherin, aber das Leben läuft gut. Doch eine Kundin treibt es mit Tante Margas Gutmütigkeit zu weit und beschwört eine Katastrophe herauf.

USA 2010: Carl und Emmi genießen inzwischen ihr ruhiges Leben als Senioren. Carl erinnert sich nicht gern an die Vergangenheit und hat auch schon vieles vergessen. Das Leben ändert sich jedoch schlagartig, als sich ein Herr von der Justizbehörde meldet. Es gibt Unstimmigkeiten mit Emmis Angaben bei der Einwanderung und sie wollen den Sachverhalt aufklären. Trotz all der Liebe zu Emmi fragt er sich plötzlich, wer sie eigentlich wirklich ist und was im Krieg damals tatsächlich geschehen ist.

Mein Fazit:

Erst einmal möchte ich mich beim Diana-Verlag bedanken. Ganz unkompliziert wurde mir ein Rezie-Exemplar zur Verfügung gestellt.

Und dann möchte anmerken, dass dies mein erstes Buch von der Autorin ist. Natürlich ist mir der Name geläufig gewesen, aber Andrea Maria Schenkel hat ja bislang Krimis geschrieben und dieses Genre bevorzuge ich nicht unbedingt. Das vorliegende Buch, so entnehme ich es aus dem Nachwort der Autorin, ist eine Herzensangelegenheit gewesen. Sie hat sehr viel Gefühl und Energie in die Entstehung der Geschichte investiert, was sich über mehrere Jahre hinweg zog. Und es war keineswegs sicher, ob sie die Geschichte von Carl und Emmi wirklich schafft.

Der Klappentext dieses Buch beginnt mit der Begegnung von Carl und Emmi im Jahre 1950 in New York. Es suggerierte mir eine Geschichte, dessen Hauptanteil wohl in der Gegenwart (in diesem Falle 2010) spielen würde. Dem ist allerdings nicht so. Es beginnt mit der Geschichte im Jahre 1938 kurz vor Antritt der Reise von Genua nach Shanhai. Der Gegenwartsstrang ist leider nicht sehr umfassend. Das verwirrte mich zuweilen. Die erste Begegnung von Carl und Emmi wird eigentlich fast nebenbei erwähnt!

Jedoch lernte ich durch dieses Buch wieder ein Stück Deutsche Geschichte. Dass viele europäische Juden nach Shangai flohen, wußte ich schlichtweg nicht. Shanghai befand sich zum damaligen Zeitpunkt unter japanischer Besatzung, doch die Flüchtlinge brauchten kein Visum, um einreisen zu dürfen. Das wird dadurch deutlich, dass die jüdischen Passagiere auf dem Schiff während der gesamten Reise nicht einziges Mal an Land gehen durften, aus Angst vor diplomatischen Verwerfungen mit Deutschland. Auch das Leben in Shanghai selbst wird ausführlich beschrieben und welche Repressalien die Juden durch die Japaner erfuhren, die mit den Nationalsozialisten ein Bündnis eingegangen waren. Es war schon erschreckend. Trotzdem halfen sich die Menschen und hielten sich irgendwie über Wasser, bis a) der Krieg in Europa und b) die japanische Besatzung beendet war.

Der zweite große Handlungsstrang um Erna wird ebenfalls thematisiert. Sie sympathisiert nicht mit den Nazis, lehnt sie aber auch nicht ab. Was mit den Juden geschieht, erfährt sie nur am Rande. Sie geht ganz in ihrer Arbeit auf, die sie bei ihrer Tante Marga zu erledigen hat. Eine treue Genossin allerdings bringt ihre Tante und auch sie selbst in große Gefahr, bis sie sich zu einer Entscheidung durchringen muss.

Während die Figur von Carl im Grunde die ganze Geschichte trägt und prägt, bleibt Erna die ganze Zeit über etwas blass. Und wie ich schon erwähnt habe, den Gegenwartsstrang empfand ich als kurz. Die Dramatik der verschwiegenen Vergangenheit wird eigentlich eher durch das Nachwort der Autorin hervorgehoben. Dennoch ist die Geschichte interessant und bis zu einem gewissen Grad fesselnd. Und sowohl das Schiff und auch Shanghai selbst wurden mir durch die Erzählungen sehr nahe gebracht. Trotz der Leseempfehlung kann ich aber nur vier Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 06.08.17!

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