Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück

Lesezeit: 3 Minuten

Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück (2015)

 

Regie: Florian Gallenberger
Drehbuch: Florian Gallenberger, Torsten Wenzel
Produktion: Christian Becker, Benjamin Herrmann, James Spring
Musik: André Dziezuk
Kamera: Kolja Brandt
Darsteller: Emma Watson, Daniel Brühl, Michael Nyqvist, Julian Ovenden, Vicky Krieps, Martin Wuttke, u.v.a.
Dauer: 106 Minuten

Inhaltsangabe:

Chile 1973: Das Land wird von politischen Unruhen erschüttert. Die Stewardess Lena (Emma Watson) trifft in Chile ihre große Liebe Daniel (Daniel Brühl), als gerade ein Militärputsch erfolgt und alle Dissidenten inhaftiert und gefoltert werden. Daniel gerät in die Fänge der Militärpolizei, der er indirekt politisch Stellung bezogen hat.

Lena ist erschüttert von den Ereignissen. Sie erfährt von Daniels Freunden, dass er wahrscheinlich in Colonia Dignidad gefoltert und gefangen gehalten wird, wenn er überhaupt noch lebt. Kurzerhand macht sie sich auf den Weg zu dieser mysteriösen Einrichtung und wird mit großer Skepsis aufgenommen. Paul Schäfer (Michael Nyqvist) gebärdet sich als der große Seelsorger und Führer von Colonia Dignidad, aber sehr schnell wird Lena klar, dass das Leben dort kein Zuckerschlecken ist.

Sie wird zu harter Feld-Arbeit eingeteilt, Gewalt und Demütigungen sind an der Tagesordnung. Und ihr wird nach und nach bewusst, eine Flucht von dort ist nicht möglich. Als sie schließlich eines Tages Daniel unter den Männern sieht, keimt Hoffnung in ihr auf. Wird ihnen die Flucht aus Colonia Dignidad gelingen?

Mein Fazit:

Ein weiteres dunkles Kapitel, die ziemlich eng mit unserem Land verbunden ist, wird hier ziemlich detailgetreu und authentisch aufgearbeitet. Erst letztes Jahr hat der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Akten zu Colonia Dignidad freigegeben. Was in den Akten steht, weiß ich natürlich nicht, aber das die deutsche Botschaft in Chile von Paul Schäfers Machenschaften wusste und bewusst wegsah, ist wohl kaum zu Leugnen.

Colonia Dignidad, eine deutsche Kolonie in Chile, geleitet von Paul Schäfer, der wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs aus Deutschland floh, ist eng mit der damaligen Militärdiktatur verbunden. Er verhalf der Regierung zu neuen Waffen, die sie unter anderen Umständen wegen den internationalen Sanktionen nicht bekommen konnte. Ebenso ist im Untergrund der Kolonie ein Tunnelsystem gewesen, wo Dissidenten gefoltert oder ermordet wurden. Ihre Leichen sind wohl bis heute unauffindbar! Der Film basiert also auf wahre Hintergründe, wenngleich Lena und Daniel fiktive Personen sind. Aber ihre Geschichte steht für viele Menschen, die in der Sekte gefangengehalten wurden. Harte Arbeit, unbedingter Gehorsam, einfaches Leben und menschenverachtende Praktiken beherrschen den Alltag in der Kolonie. Männer und Frauen waren getrennt untergebracht, ebenso die Kinder ihren Familien entrissen. Alles wurde kontrolliert, selbst dem Schlaf wurde mit Pillen nachgeholfen. Und Paul Schäfer konnte von kleinen Jungen nicht lassen, das wurde im Film aber Gott sei Dank nur angedeutet, nicht wirklich gezeigt!

Der Film ist nichts für schwache Nerven, zeigt er doch die Brutalität eines Regimes innerhalb eines Regimes, und das mit indirektem deutschen Einverständnis. Kam hoher Besuch in die Kolonie, wurden alle herausgeputzt und genau instruiert, wie sie sich zu verhalten hatten, Franz Josef Strauß war sicher ganz angetan davon damals. Daniel Brühl und Emma Watson haben sehr gut gespielt, ebenso die anderen. Es kam für mich sehr glaubhaft rüber und ich war gefesselt von der Geschichte, dessen Hintergründe tatsächlich existierten.

Am Ende wird deutlich, welche Macht Paul Schäfer hatte, das er Verbindungen bis in die höchste Kreise der chilenischen Regierung hatte und selbst die deutsche Botschaft dem hilflos ausgeliefert war. Ich kann nur inständig hoffen, dass dieses Thema gut aufgearbeitet wird und so etwas in Zukunft nicht noch mal passiert. Für den bewegenden Film gibt es 95% von mir!

Veröffentlicht am 05.11.17!

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3 Gedanken zu „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“

  1. Hallo Elke,
    den Film habe ich auch gesehen und er hat mir gut gefallen. Erschütternd ist vorallem, dass es Paul Schäfer wirklich gab! ich habe auch ein Buch dazu hier liegen, das leider noch sibbt. Wenn du mehr zum Thema lesen möchtstest…es heißt „Rabenfrauen“ von Anna Jonuleit.
    Liebe Grüße
    Martina

    1. Liebe Elke und Martina,

      mir hat der Film auch ganz gut gefallen, nur mit Daniel Brühl kann ich nicht viel anfangen. Und einige Dinge fand ich auch. etwas unglaubwürdig.
      „Rabenfrauen“ habe ich tatsächlich schon gelesen, lange vor dem Film, sodass ich schon mehr darüber wusste. Ein ganz gutes Buch, zwar mit kleinen Schwächen, aber lesenswert. (Rezi auf meinem Blog).Hier gab es bedeutend mehr Tiefgang als im Film, mehr Hintergründe und richtig erschütternde Szenen. Übrigens gjbt es dort jetzt ein Hotel und du kannst dir die Unterkünfte usw. als Tourist anschauen. Finde ich nicht unbedingt gut.

      Liebe Grüße von Conny

      1. Guten Morgen Ihr Zwei,

        von dem Buch habe ich noch nichts gehört. Aber vielen Dank für den Tipp. Ich habe es jetzt mal bei den Bibo-Büchern zur Ausleihe vermerkt, sie haben es nämlich im Programm.

        Bei Wikipedia gibt es einen ganz interessanten Artikel über Colonia Dignidat und Paul Schäfer. Man soll natürlich nicht alles wortwörtlich nehmen, was dort steht, im Großen und Ganzten stimmt es aber doch! Und das ist eigentlich das Erschreckende!

        Liebe Grüße, Elke!

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