Fluch oder Segen?

Wer gerne liest, freut sich natürlich, wenn man ein gutes und spannendes Buch in den Händen hält, sich je nach Umfang des Romans und der eigenen Lesegeschwindigkeit die Nächte im weichen Bett um die Ohren haut und dabei in eine Welt abtaucht, die oft fern der (eigenen) Realität ist. Oft weiß man es ja vorher gar nicht, ob es ein gutes Buch ist, was man sich gekauft hat. Manchmal beginnt die Geschichte auch zäh und wird erst im Laufe des Lesens interessanter. Manchmal geht es ja auch schon gleich richtig los. Ich denke, jeder eifriger Leser weiß, was ich meine.

Nun, mir geht es auch nicht viel anders. In letzter Zeit habe ich aber das komische Gefühl, das ich nur noch die tollen und spannenden Bücher erwische. Mag es wirklich am Glück liegen, das ich stets das richtige Händchen bei der Wahl hatte? Oder -dieser Gedanke kam mir tatsächlich- ich bin durch meine lange Abstinenz so ausgehungert nach tollen Geschichten, das ich einfach alles toll finde?

Kürzlich hatte ich also wieder ein tolles Buch gelesen. Abends im Bett, bis die Buchstaben vor meinen Augen tanzten. Tagsüber finde ich selten Zeit, der Kleine -16 Monate alt- hat da seine eigenen Vorstellungen vom Lesen, so das mir meist selten Gelegenheit geboten wird. Ich habe drei Abende bis tief in die Nacht hinein gelesen. Mich wundert diese Ausdauer immer wieder, denn tagsüber fühle ich mich völlig ko vom Schlafmangel. Kaum könnte ich den Schlaf nachholen, weil der Kleine nach einem langen Tag im Bett ist, ist diese permanente Müdigkeit auf wundersame Weise verflogen und ich halte meine Nase in ein Buch und tauche wieder in die fiktive Welt ein.

Spätestens jedoch, wenn das Buch ausgelesen ist (das Ende kommt oft überraschend), überfällt mich eine tiefe Erschöpfung und ich falle durchaus dann auch ziemlich früh am Abend in einen komatösen Schlaf. Ist mir in den letzten Wochen tatsächlich mehrfach passiert.

Nach meinem letzten komatösen Schlaf rührte ich zwei Tage kein Buch an. Mein Mann fragte schon, ob ich nicht mehr lesen wolle. Ich antwortete: „Wenn ich jetzt ein neues Buch anfange, komme ich wieder nicht in den Schlaf.“

Es kann also Fluch und Segen zugleich sein, ein gutes Buch zu lesen. Ich habe es mir inzwischen zum Standard gemacht, immer eine kleine Pause zwischen den Romanen einzulegen. Bislang habe ich ja noch Glück bei der Auswahl meiner Lektüre 🙂

Einen Penny für Ihre Gedanken ...