Dominik Bartels: Bruderkuss

Dominik Bartels: Bruderkuss

erschienen 2009
Verlag: Blaulicht Verlag
Seitenanzahl: 264 Seiten
ISBN-10: 3941552007
ISBN-13: 978-3941552005

Inhaltsangabe:

Paolo Wagner, ein selbsternannter Wanderer, kehrt nach über 10 Jahren in seinen Geburtsort Bad Langensalza zurück. Seiner erster Weg führt zum Friedhof, wo seine Schwester Katrin begraben liegt. 1988 wurde sie im Alter von nur 18 Jahren bei einem vermeintlichen Fluchtversuch aus der damaligen DDR an der Grenze in den Rücken erschossen.

Am Friedhof hat Paolo eine seltsame Begegnung mit einer alten Frau, die immer wieder im gebrochenem Deutsch so etwas wie „Versprechen“ flüstert. Diese Begegnung veranlasst Paolo dazu, sich die genauen Umstände von Katrins Tod anzusehen.

Bei seinen Eltern angekommen, holt ihn die Vergangenheit ein. Seine Kindheitserinnerungen, seine Eindrücke und seine heutige Sichtweise der Dinge stellen alles auf einen Prüftstand. Sein Freund Sven aus Kindheitstagen hilft ihm bei den Erinnerungen. Doch wenn er das Thema Katrin anspricht, stößt er auf widersprüchliche Aussagen, wenn nicht gar Schweigen. Seine Eltern haben den Tod ihrer Tochter noch immer nicht verkraftet.

Getrieben von Schuldgefühlen und seinem Bedürfnis nach der Wahrheit um Katrins Tod begibt er sich auf eine Reise quer durch Deutschland. Er trifft auf ehemalige Stasi-Angehörige und Grenz-Soldaten und dabei ist es immer fraglich, ob er dem Geheimnis um Katrins Tod tatsächlich auf die Spur kommt.

Mein Fazit:

Dieses Buch ist ein Zeugnis der innerdeutschen Geschichte. Der Autor hat seine eigenen Erinnerungen und Lebenserfahrungen mit einfließen lassen, das spürt man sehr schnell. Sehr detailliert wird die damalige Zeit beschrieben, kurz vor der Wende. Die ständige Kontrolle der Stasi, die Demütigungen und das Mißtrauen, selbst den besten Freunden gegenüber. Sehr deutlich wird auch bewußt, wie sehr so etwas die eigene Familie erschüttern kann, das es im Grunde besser ist, wenn man schweigt, als die unangenehme Wahrheit auszusprechen.

Paolo Wagner hat eine sehr starke Persönlichkeit. Es ist ein selbsternannter Wanderer, den die innere Unruhe treibt und andere Menschen zufällig ein kleines Stück des Weges begleitet mit unbekanntem Ziel. Er verarbeitet auf der Reise die Schuldgefühle gegenüber seiner Schwester, die er zwar geliebt aber nie wirklich gekannt hat. Auch hadert er ständig mit sich selbst, da er doch ihre Intimsphäre respektieren möchte, doch seinen Wunsch nach der Wahrheit dem höher stellt.

Das Buch hat mich nachdenklich zurück gelassen und ich würde es in ein paar Jahren wieder lesen. Es hat mich erschüttert, wie sehr die Stasi ihre Mitmenschen kontrollierten und manipulierten und das alles im Namen der Staats-Sicherheit. Wie ich diese Kontrolle überstanden hätte, möchte ich mir gar nicht ausmalen. Mir persönlich hätte es mehr als nur zu schaffen gemacht.

In der ersten Hälfte gibt es einige Abschnitte, die meines Erachtens nach etwas zu langgezogen sind. Aber ansonsten ist dieses Buch Seite um Seite lesenswert. Trotz des „schweren“ Themas gab es auch einige humorvolle Aspekte und ich konnte mich mit Paolo sehr gut identifizieren.

Dieses Buch bekommt 4,5 von 5 Sternchen.

Anmerkung: Die Rezension stammt aus April 2009.

Veröffentlicht am 26.01.17!

image_pdf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.