Carmel Harrington: Ist die Liebe nicht schön?

Carmel Harrington: Ist die Liebe nicht schön?

Originaltitel: Every Time a Bell Rings (2015)
übersetzt von Inken Kaulstorf
Verlag: MIRA Taschenbuch
Seitenanzahl: 368 Seiten
ISBN-10: 3956496000
ISBN-13: 978-3956496004

Inhaltsangabe:

Belle hatte es nicht leicht im Leben. Ihre Mutter hat sie vernachlässigt, weil sie eine dunkle Hautfarbe hat. Den Vater lernte Belle nie kennen und so kam sie schon als kleines Mädchen in die Obhut des Jugendamtes. Von einer Familie zur anderen wurde sie gebracht, bis sie bei Tessa unter kam.

Tessa war schon betagt, gab dem kleinen Mädchen jedoch sehr viel Liebe und Nähe. Als dann auch noch der gleichaltrige Jim in den Haushalt kam, war es fast perfekt. Denn Belle hatte sich vom Weihnachtsmann einen Freund gewünscht. Aber Jim wurde nach zwei Jahren von der Mutter wieder nach Hause geholt.

2005: Jim ist nach Dublin zurückgekehrt, um nach Belle zu suchen und fand sie. Inzwischen ist er wie sie erwachsen und hat eigene Vorstellungen vom Leben. Belle hat er nie vergessen, nur die äußeren Umstände führten dazu, dass sie keinen Kontakt pflegen konnten. Es ist Liebe auf den ersten Blick und sie wollen Kindern ein kurz- oder längerfristiges Zuhause geben.

Doch Jahre später hadert Belle mit sich. Sie kommt über die Totgeburt ihres eigenen Kindes nicht hinweg und nun soll sie ein kleines Mädchen wieder hergeben, was ihr ziemlich nah ans Herz gekommen ist. Und dann verbeißt sie sich an dem sehr niederträchtigen Verhalten ihrer Mutter und fühlt sich schuldig, überhaupt geboren zu sein.

Kurz nach einem heftigen Streit erleiden sie einen Unfall und Belle bangt um Jim, den es doch ziemlich erwischt hat. Wieder hadert Belle mit sich und ihrer Welt. Dann taucht plötzlich ein Mädchen namens Nora auf und zeigt ihr, dass das Leben doch nicht so schlecht ist.

Mein Fazit:

Ein Weihnachtsbuch im Sommerurlaub zu lesen ist vielleicht nicht die allerbeste Entscheidung. Aber ich hatte es mir nun einmal vorgenommen, also begab ich mich gedanklich in das weihnachtliche Dublin.

Die Autorin, mir bislang unbekannt, konnte mit ihrer bildhaften Art eine bezaubernde Atmosphäre schaffen und vor meinem inneren Auge entstand eine Welt voller Engel, Lichter und leise fallenden Schneeflocken. Es hatte schon so etwas wie Magie.

Aber an manchen Stellen war es mir schlichtweg zu viel an Magie. Auch die Liebe zwischen Belle und Jim war mir an einigen Stellen einfach zu perfekt. Belle war mir an einigen Stellen viel zu sehr ich-Bezogen, während Jim an vielen Stellen zu nachsichtig war. Er gab sich wirklich Mühe, aber Belle hatte nur ihre eigenen Kummer und Schmerz im Sinn. Dabei litt er genauso. Oft genug ist Jim mir auch zu blass geblieben, zu wenig Profil, zu wenig von sich selbst erzählt. Das lag vielleicht auch an der Erzählperspektive, denn Belle beschrieb die Geschichte aus ihrer Sicht.

Belle war mir von Anfang unsympathisch, ich kann es noch nicht einmal genau erklären. Manchmal wollte ich sie anbrüllen: „Nun werde doch endlich erwachsen!“ Aber das kann man bei einer Romanfigur bekanntermaßen schlecht. Sie ließ sich von der Vergangenheit so vereinnahmen, obwohl sie allen Grund hatte, zufrieden mit ihrem Leben zu sein außer vielleicht mit dem Verlust des Kindes. Das kann ich sehr gut nachempfinden, da mir ja ähnliches passiert ist. Aber nach zwei Jahren noch so eine emotionale Starre zu haben ist schon echt heavy.

Und dann passiert ihr so etwas wie „Christmas Carol“. Das war für mich dann auch wieder zu viel Gefühlsduselei, einfach zu viel Zucker. Nun ja, wie schon erwähnt, ich las es im Sommerurlaub, da hat man eine andere Stimmung. Insgesamt hat mir die Geschichte um Belle und Jim nicht so gut gefallen, daher bewerte ich es mit drei Sternen.

Veröffentlicht am 25.08.2019!

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