Teresa Simon: Die Fliedertochter

Lesezeit: 3 Minuten

Teresa Simon: Die Fliedertochter

Erschienen 2019
Verlag: Heyne Verlag
Seitenanzahl: 496 Seiten
ISBN-10: 3453421450
ISBN-13: 978-3453421455

Inhaltsangabe:

Paulina lebt mit ihrer Mutter und der großmütterlichen Freundin Toni in Berlin. Eines Tages erhält Toni Nachricht aus Wien: Ein wertvolles Dokument der Zeitgeschichte in Form eines Tagebuchs wartet auf sie. Aus gesundheitlichen Gründen kann sie jedoch nicht selbst reisen und deshalb schickt sie Paulina hin, die sowieso gerade Zeit zwischen zwei Projekten hat.

Kaum in Wien angekommen, macht sie Bekanntschaft mit Moritz und Tamas, zwei Freunden, die auch beruflich viel zusammen arbeiten. Moritz Bruckner ist selbst gerade arbeitslos und so kann er sie an verschiedene Orte bringen, die in Wien sehenswert sind. Währenddessen beginnt Paulina in einem Tagebuch zu lesen:

Berlin 1936: Luzie Kühn hat jüdisches Blut in sich. Durch ihr aufreizendes Tanzen ist Goebbels auf sie aufmerksam geworden und damit er nicht erfährt, dass sie „nichtarisch“ ist, reist sie mit einem Koffer und einem kleinen Notgroschen nach Wien, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Ihre offiziellen Eltern heißen sie herzlich willkommen und Luzie kann schon bald ein Engagement im Theater bekommen. Und sie verliebt sich in einen jüdischen Künstler.

Doch Hitlers Schergen sind nicht ruhelos und verbreiten viel Unruhe in der Stadt. Schon bald ist Luzie klar, dass die Sicherheit trügerisch ist.

Mein Fazit:

Nach Dresden, München und Hamburg entführt uns die Autorin Teresa Simon dieses Mal nach Wien, in die malerische Stadt voll Kunst und Flair. Und auch hier wird ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte beleuchtet, dieses Mal sogar ziemlich brutal, wie ich finde.

Luzies Mutter war Jüdin, verstarb jedoch bei einem Verkehrsunfall. Offiziell hatte Marie Luzie adoptiert, die Schwester ihres Vaters. Allerdings wuchs Luzie bei ihren Großeltern auf, einem Tierarzt und seiner Frau. Schweren Herzens hat sie Berlin verlassen, denn sie fühlte sich nicht mehr sicher, auch wenn sie offiziell keine Jüdin war.

Wien erschien ihr erst wie das Paradies mit den vielen Cafés und anderen Sehenswürdigkeiten. Und sie verliebt sich sogleich. Auch wenn ihr Engagement am Theater nicht die große Karriere versprach, so war sie doch glücklich, Teil eines großen Ganzen zu sein. Doch die schlechten Nachrichten aus Deutschland rissen nicht ab und färbten auch allmählich auf Österreich über. Der Antisemitismus fiel in Wien auf fruchtbaren Boden und das spürte Luzie nur allzu deutlich.

Eindringlich hat die Autorin die Ereignisse geschildert, die in Wien passierten, als die dunkle Zeit in Europa im 20. Jahrhundert vorherrschte. Die Endlösung war natürlich ein Thema, wurde aber nur als vage Vermutung geäußert. Viel mehr gab es schreckliche Vorfälle in Wien, die genauso schockierend waren wie die KZ-Lager im Osten Europas. Luzie wurde Opfer von diesem Hass, obwohl kaum einer wusste, dass sie Jüdin war.

In der Gegenwart spielt Paulina die große Rolle, die im Auftrag ihrer großmütterlichen Freundin Toni nach Wien reist. Ohne es zu ahnen hat die Geschichte um Luzie Kühn auch mit ihr zu tun. Sie liest das Tagebuch und besucht die Orte, die Luzie in ihrem Tagebuch beschrieben hat. Auf unergründliche Weise fühlt sie sich mit ihr stark verbunden.

Die Geschichte beginnt langsam und es ist nicht alles gleich so dunkel, wie es später wirkt. Dennoch hatte ich am Anfang leichte Schwierigkeiten, mich in die verschiedenen Ebenen zurechtzufinden. Aber es wurde besser und ab der Mitte konnte ich das Buch nur noch schwer aus der Hand legen. So sehr habe ich mit Luzie mitgefiebert und gerätselt, wie Paulina in die Geschichte passte.

Die Figuren sind größtenteils liebenswert und ich konnte ihre Handlungen nachvollziehen. Sie haben viel Platz zur Entwicklung bekommen. Und man muss der Autorin dazu gratulieren, dass sie die Stadt Wien mir wirklich nahe bringen konnte, mit den vielen Gassen, Cafés und anderen typischen Dingen. Ich war vor Jahren schon mal in Wien und kann mich noch lebhaft an den Stephansdom erinnern. Mit diesem Buch wurde die Stadt vor meinen Augen noch einmal lebendig und real.

Das Buch ist mitreißend, lehrreich (ohne dabei belehrend zu sein) und berührend. Fünf begeisterte Sterne von mir mit einer klaren Lese-Empfehlung.

Anmerkung: Ich habe es als eBook gelesen.

Veröffentlicht am 17.03.19!

2 Gedanken zu „Teresa Simon: Die Fliedertochter“

  1. Hallo Elke,

    lange war ich nicht auf deiner Seite.
    Diese Rezi zeigt mir, dass ich das Buch auch unbedingt lesen muss. Es gab bisher keine negative Meinung dazu und das darf ich mir eigentlich nicht entgehen lassen.
    Doch da sind der übervolle SuB und die etlichen Reziexemplare, die auf „Bearbeitung“ warten. 🙂
    Mal sehen, wann ich den Roman schaffe.
    Kommst du auch zur Messe? Ich werde dort sein, vielleicht sehen wir uns ja dieses Mal etwas länger als beim letzten Besuch.

    Liebe Grüße
    Barbara

    1. Hallo liebe Barbara,

      vielen lieben Dank für Dein Besuch und Kommentar!
      Das Buch ist wirklich sehr empfehlenswert.
      Ich bin ab morgen auf der Messe bis Samstag frühen Nachmittag. Dieses Mal fahre ich aber nicht allein und daher werde ich auch am LovelyBooks-Lesertreff nicht teilnehmen. Aber vielleicht sehen wir uns ja. Zwar habe ich mich etwas verändert (siehe Foto), aber vielleicht erkenne ich Dich ja. Conny treffe ich Samstag mittag auch.
      Vielleicht auf der Messe? Ich würde mich freuen.
      Liebe Grüße, Elke!

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