Judit Müller: To Keep You Safe – Warum wir leben

Judit Müller: To Keep You Safe – Warum wir leben

erschienen 2018
Verlag: A TREE & A VALLEY
Seitenanzahl: 320 Seiten
ISBN-10: 3947357095
ISBN-13: 978-3947357093

Inhaltsangabe:

Meteoriten-Einschläge, Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche suchten die Erde heim. Die Menschheit ist bis auf ein Minimum reduziert und die wenigen Menschen, die überlebten, müssen sich eine neue Heimat suchen.

Die 17jährige Judy ist mit ihren kleineren Geschwistern Luke und Hope unterwegs, mit nicht mehr als den Kleidern auf dem Leib und bisschen Essbaren. Sie suchen eine neue Heimat, doch die Welt ist nicht nur grauer, sondern auch gefahrvoller geworden.

Gerade sieht sie sich und ihre Geschwister in höchster Gefahr, als sie den 18jährigen Raphael kennen lernt. Doch auch er trägt eine Menge Gepäck mit sich herum und die Zukunft ist auch mit ihm durchaus ungewiss.

Mein Fazit:

Das Armageddon hat die Erde erreicht. Es gibt keine Zivilisation mehr, Strom- und Wasserversorgung sind zusammengebrochen und wo Meteoriten und Erdbeben kein Unheil angerichtet haben, brennen Feuer. Die Häuser sind verlassen und geplündert, vielerorts liegen Leichen an der Straße. Und wer die Naturkatastrophen überlebt hat, wurde krank oder beging Selbstmord, denn für viele Menschen ist die Lage einfach zu aussichtslos.

Es gibt keinen Rechtsstaat mehr, es herrscht das Recht des Stärkeren und der Waffen. Die besonders Schutzbedürftige, z.B. Kinder, sind den vagabundierenden Gruppen schutzlos ausgeliefert und das wird auch Judy fast zum Verhängnis. In Notwehr muss sie einen Mann töten, denn sonst hätte er sie vergewaltigt und getötet. Ihre Liebe zu den Geschwistern ist Fluch und Segen zugleich. Sie lernen mit wenig auszukommen und nicht zu klagen, auch wenn die Lage immer aussichtsloser wird. Und sie lernen zu überleben.

Judit Müller hat einen sehr interessanten Roman geschrieben über ein Endzeit-Szenario, der durchaus realistische Züge aufweisen könnte. Für mich ist es zwar unvorstellbar, in einer solchen Welt leben zu müssen, aber wer weiß schon, wie es wirklich sein könnte? Ich vermag es nicht zu beurteilen. Auf jeder Seite spürt man die Trostlosigkeit, die ein solches Szenario auslöst. Manchmal empfand ich es als zu bedrückend. Bei den Wanderungen, die Judy mit ihren Geschwistern durch das verwüstete Land machte, empfand ich es auch als etwas befremdlich, dass so wenige Menschen überlebt haben. Denn die Geschichte spielt in den USA und das Land ist so riesig. Es passte mir persönlich nicht richtig ins Bild, dass Judy auf so wenig menschliches Leben stieß.

Es passieren natürlich auch einige dramatische Dinge in der Geschichte, aber zwischendurch erzählt die Autorin immer wieder von Momenten, die von Hoffnungslosigkeit und Resignation geprägt sind. Manchmal zog es sich auch ein bisschen an diesen Stellen.

Die Figuren sind sehr gut ausgearbeitet und die Landschaft gut beschrieben. Ich konnte mir ein gutes Bild von der Lage machen. Menschliche Abgründe tun sich auf und zeigen erschreckende Wahrheiten.

Alles in allem ist es ein sehr interessantes Buch, dem aber das gewisse Etwas fehlt und mir stellenweise atmosphärisch zu düster wirkt. Vier von fünf Sternen vergebe ich und eine klare Lese-Empfehlung.

Veröffentlicht am 16.12.18!




Kass Morgan: Rebellion

Kass Morgan: Rebellion

Originaltitel: The 100: Rebellion (2016)
Übersetzt von Michael Pfingstl
Verlag: Heyne Verlag
Seitenanzahl: 272 Seiten
ISBN-10: 3453271408
ISBN-13: 978-3453271401
Dies ist der 4. Teil der Die 100-Reihe

Inhaltsangabe:

Es sind einige Monate vergangen und die Kolonisten wollen zusammen mit den Erdgeborenen das Erntedankfest feiern. Inzwischen hat sich eine feste Gemeinschaft gebildet, erste demokratische Strukturen wurden geschaffen und jedes Mitglied dieser Gruppe hat eine feste Aufgabe entsprechend seinen Talenten.

Doch dann werden sie überfallen – von merkwürdigen Menschen mit weißen Masken und Umhängen. Einige werden getötet, andere verschleppt. Ratsmitglied Bellamy, der seine Schwester Octavia und seinen Halbbruder Wells retten will, stellt einen Trupp zusammen. Dabei sind Luke (Glass wurde ebenfalls entführt) und Clarke (sie ist medizinisch ausgebildet) und noch einige andere. Sie verfolgen die Spur und kommen zu einer alten fast verfallenen Festung.

Glass, Wells und Octavia versuchen zu ergründen, was geschehen ist. Sie wurden zu einer Gruppe geführt, die sich die Beschützer nennen. Die oberste Beschützerin, Sörin, erscheint ihnen sanft und nachsichtig. Doch es steht zum krassen Gegensatz der brutalen Männer, die auch nicht davor zurückschrecken, umliegende Farmen zu plündern und sogar Kinder zu töten. Die Zeit zur Rettung ist knapp, denn die Neuankömmlinge sollen bald komplett in die Gemeinschaft eingegliedert werden.

Die Gruppe um Bellamy ist zerstritten und es bricht ein Machtkampf aus. Clarke liebt Bellamy sehr, doch sie glaubt noch immer an die Verhandlungslösung. Der Countdown läuft und niemand weiß, ob die Rettung ihrer Lieben auch wirklich gelingt!

Mein Fazit:

Erst einmal geht mein großes Dankeschön an den Heyne Verlag und das Bloggerportal, die mir das Werk zur Verfügung gestellt haben.

Überraschenderweise hat die Autorin einen vierten Band zu dieser Reihe geschrieben. Nachdem ich nun den vierten Band gelesen habe, bin ich fest davon überzeugt, sie hätte es bei einer Trilogie belassen sollen. Denn die Intention zu diesem Buch wird mir nicht ganz klar! Weshalb hat sich die Autorin die Mühe gemacht, noch einmal gedanklich zu den Kolonisten zu gehen und deren Geschichte aufzuschreiben? Mir erscheint er fast überflüssig.

Konsequent wird alles wieder aus wechselnden Perspektiven erzählt. Dabei geht es schon ziemlich bald los mit dem Überfall der mysteriösen Beschützer. Was jedoch spannend beginnt, flacht durch oberflächliche Betrachtungs- und Erzählweise ab. 268 Seiten – das sind zu wenig Seiten für eine solch‘ umfassende Handlung. Es passiert so viel und manches wirkt auch konfus und nicht richtig durchdacht. Plötzlich erfahren die Kolonisten von anderen Kolonisten, sogar von anderen Siedlungen, die die Stunde 0 ohne Schaden überlebt haben sollen. Es gibt Farmen und Dörfer in der weitläufigen Umgebung. Und dann die Bewegung der Beschützer! Einerseits geben sie sich als Blumenkinder aus und dann wiederum benehmen sich die männlichen Gruppenmitglieder wie Charles Manson. Wie konnten die Erdgeborenen davon nicht wissen? Also das fand ich dann ein bisschen zu weit hergeholt und hat mich etwas ratlos zurück gelassen.

Und dann bricht da nicht nur ein Machtkampf aus, sondern es entsteht Beziehungsknatsch. Bellamy zeigt sich mal wieder von seiner hitzigen Seite, Clark kommt mit ihrer Beschwichtigungspolitik auch nicht wirklich weiter. Und warum hat die neue Gemeinschaft eigentlich nur junge Leute losgeschickt? Warum kam da nicht ein erfahrener und besonnener Erwachsener mit? Denn die Jugendliche sind noch immer Jugendliche, im Nahkampf erfahren hin oder her.

Ohne nun wirklich spoilern zu wollen, aber die letzten 70 Seiten sind auch sehr oberflächlich gehalten und an einigen Stellen furchtbar unglaubwürdig. Da hätte ich mir von allen Seiten mehr Tiefgang gewünscht. Es war zweifelsohne spannend, aber wenn man es näher betrachtet, kommen einige Fragen auf, auf die man auch nach längerem Nachdenken keine Antwort findet. Wer die TV-Serie sieht, wird hier nur ein paar bekannte Namen wiederfinden. Mit der Serie hat das Buch aber nicht mehr viel gemeinsam.

Insgesamt gesehen kann ich diesen enttäuschenden Band nur mit drei Sterne bewerten. Die Autorin hätte es einfach so belassen sollen. Schade!

Veröffentlicht am 09.10.17!




Cecelia Ahern: Willst du die perfekte Welt?

Cecelia Ahern: Willst du die perfekte Welt?

Originaltitel: Perfect (2016)
übersetzt von Christine Strüh
Verlag: FISCHER FJB
Seitenanzahl: 477 Seiten
ISBN-10: 3841422365
ISBN-13: 978-3841422361
Dies ist der 2. Teil der Flawed-Reihe.

Inhaltsangabe:

Celestine North wird von Richter Crevan gejagt wie eine Schwerverbrecherin. Sie ist jedoch bei ihrem Großvater untergekommen, der vor der Stadt eine Farm hat und dort großzügig Fehlerhafte beschäftigt.

Doch auch dieses Versteck ist nur von kurzer Dauer und so sieht sie sich erneut auf der Flucht. Sie findet Hilfe in Carrick Vane, der ebenfalls als fehlerhaft gilt, weil er trotz der Gehirnwäsche während seiner Erziehung den unbändigen Wunsch verspürt, seine Eltern zu finden.

Erst mit der Zeit wird ihr bewußt, dass sie ein mächtiges Instrument hat: Das Video von ihrer Markierung. Aber es ist nach wie vor verschwunden und sie traut sich niemanden etwas davon zu sagen. Sie weiß nicht, wem sie vertrauen soll.

Nach einer weiteren Hetzjagd fällt sie doch in Crevans Hände und zuerst sieht sie sich geschlagen. Sie erhält Hilfe von unerwarteter Seite und die letzte Runde im Kampf um mehr Rechte für Fehlerhafte hat begonnen …

Mein Fazit:

Die Geschichte von Celestine North geht im zweiten Teil fast nahtlos weiter. Obwohl die Autorin einige Erklärungen eingebaut hat, ist es von großem Vorteil, den ersten Teil gelesen zu haben. Während im zweiten Teil die Jagd auf Celestine im Vordergrund steht, so hat die Autorin im ersten Teil die Welt geschildert, in der „Perfekte“ und „Fehlerhafte“ in einer Gemeinschaft leben. Während die Perfekten alle Vorzüge des Lebens genießen können, sind die Fehlerhafte von allem abgeschnitten. Gute Jobs, gutes Essen und eine menschenwürdige Behandlung.

Celestine hat erfahren, wie die Fehlerhaften behandelt werden und es krempelt ihre Sicht auf die Dinge erheblich um. Trotzdem ist sie der Überzeugung, das Richtige getan zu haben, als sie dem alten Mann im Bus in der Not half, weshalb sie letztendlich zu einer Fehlerhaften wurde. Richter Crevan, eigentlich ihr Schwiegervater in Spe, ist rasend vor Zorn, dass Celestine es gewagt hat, der Gilde und damit auch ihm die Stirn zu bieten. Für diesen Heldenmut wird sie immer mehr und mehr bewundert, auch von den Perfekten. Allmählich sickert bei den Menschen durch, dass es nicht das Patentrezept ist, die Menschen von ihren Fehlern zu befreien. Im Gegenteil, erst die Fehler macht sie zu Menschen. Und dabei stellt sich heraus, dass selbst die Arbeit der Gilde auch nicht perfekt ist, denn sie lässt viel Spielraum für Machtmissbrauch und Schikane, um unliebsame Menschen loszuwerden.

Es zeichnete sich ein Bild ab, das wir so oder so ähnlich schon erlebt haben oder aus Geschichtsbüchern kennen. Menschenverachtende Behandlung, Brandmarkierungen und der daraus resultierenden Diskriminierung. Ein anschauliches Beispiel, wie die Welt niemals sein sollte, die jedoch trotz aller Aufgeklärtheit und Wissen der Vergangenheit leider nicht ausgeschlossen ist. Der Grat zwischen den Gesellschaften ist sehr schmal und zuweilen schwammig.

Celestine erlebt ein Gefühlschaos nach dem Nächsten und ich habe der Geschichte gebannt gefolgt. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Zweimal allerdings wurde ich doch überrascht von den plötzlichen Wendungen. Mir kam es so vor, dass die Autorin das plötzlich einwebte, weil ihr sonst die Ideen für den Fortlauf der Story ausgehen könnten. Sei es drum! Das Buch verursachte Gänsehaut-Feeling und berührte mich sehr tief in meinem Inneren. Eine ganze Weile habe ich noch über das Buch nachgedacht und ich konnte nicht umhin, Celestine für ihren Mut und ihre Weitsicht bewundern.Diese packende Dystopie erhält -wie auch der Vorgänger- fünf begeisterte Sterne und eine klare Lese-Empfehlung.

Veröffentlicht am 25.06.17!




Ann Brashares: Wer weiß, was morgen mit uns ist

Ann Brashares: Wer weiß, was morgen mit uns ist

Originaltitel: The Here And Now (2014)
übersetzt von Sylvia Spatz
Verlag: cbj
Seitenanzahl: 320 Seiten
ISBN-10: 3570159477
ISBN-13: 978-3570159477

Inhaltsangabe:

New York 2010: Der 13jährige Ethan will gerade an einem Fluss angeln, als plötzlich merkwürdige Luftverwirbelungen ein nacktes Mädchen ausspucken. Obwohl sie sich total merkwürdig benimmt, gibt er ihr ein Sweatshirt und weist ihr den Weg zu einer Brücke.

2014: Ethan ist seit vier Jahren in Prenna verliebt. Und obwohl sie sich ihm sehr zugeknöpft gibt, weiß er, das sie kein normales Mädchen ist. Ein großes Geheimnis umgibt sie und vorsichtigen Fragen weicht sie immer wieder aus. Denn Prenna kommt aus der Zukunft. Sie reiste aus dem Ende des 21. Jahrhunderts ins New York 2010. Sie flüchtete mit ihrer Mutter vor der Pest, die ihre halbe Familie dahingerafft hat. Alle Menschen aus ihrer Zeit leben in einer Gemeinschaft und unterliegen strengen Regeln, um den Zeitfluss der Geschichte nicht zu stören. Eine der Regeln ist, sich nicht physisch oder emotional mit den Menschen außerhalb ihrer Gemeinschaft einzulassen, um nicht gefährliche Epedemien ausbrechen zu lassen. Für Prenna ist es ein großes Problem, denn sie fühlt sich sehr stark zu Ethan hingezogen.

Die Einhaltung der Regeln werden streng kontrolliert und wer dagegen verstößt, verschwindet. Plötzlich taucht ein Penner auf und will mit Prenna reden. Er redet komisches Zeug, dass in vier Tagen eine Zeitgabel stattfinden würde. Und sie könnte die Zeit in die richtige Richtung bringen, wenn sie den Mut dazu aufbringt. Ethan scheint plötzlich viel mehr zu wissen und weicht ihr nicht mehr von der Seite.

Und dann ist da noch die wachsende Liebe zu Ethan, die Prenna in einen starken inneren Konflikt bringt.

Mein Fazit:

Vor drei Jahren landete dieses Buch auf meiner Wunschliste, nachdem ich irgendwie auf dieses Buch aufmerksam wurde. Es war just zu der Zeit, als viele Dystopien -gerade mit sehr jungen Protagonisten- den Literaturmarkt zu überschwemmen schienen.

Obwohl dieses Buch auch wieder eher die Jugendlichen bzw. Junge Erwachsene anspricht, habe ich mich sehr wohl gefühlt und die Ereignisse um die Gegenwart und Zukunft sehr interessiert gelesen. Die ruhige Erzählart ist genauso leicht zu verstehen wie die einfache Sprache. Die Protagonisten wachsen einem ans Herz und sie sind in ihrem Handeln und Denken greifbar und auch sehr emotional.

Gerade mit Prenna konnte ich sehr gut mitfühlen. 17 Jahre alt und aus der Zukunft in die Vergangenheit gereist, um den Katastrophen aus ihrer Zeit zu entgehen. Der größte Feind ist die Mücke, denn das Klima hat sich so stark erwärmt, dass die Mücken sich überall ausgebreitet haben und damit Krankheiten übertrugen. Zwei kleine Brüder sind bereits Krankheiten zum Opfer gefallen und der Vater, so glaubt sie, sei bestimmt inzwischen auch verstorben. Kurz vor der Reise sprang er aus unfindlichen Gründen von dem Vorhaben ab.

Das Leben in ihrer Gemeinschaft ist streng reglementiert. Sie dürfen nicht auffallen, da sie falsche Papiere haben. Sie dürfen keine medizinische Versorgung außerhalb der Gemeinschaft annehmen, da sie Viren und Bakterien insich tragen, die für die Menschen in der Vergangenheit gefährlich sein können. Außerdem besteht die Sorge, dass die Mediziner ihre Besonderheit am Blut erkennen. Beziehungen dürfen nur innerhalb der Gemeinde entstehen, aber ausgerechnet in den witzigen und intelligenten Ethan hat sie sich verliebt. Ihre erste Begegnung hat sie aufgrund ihrer Reise vergessen, aber Ethan weiß noch sehr genau, wie er Prenna zum ersten Mal sah und sie seither nicht mehr vergessen hat. Als sie später dann in seinem Physik-Kurs auftaucht, war es um ihn endgültig geschehen. Obwohl er offensichtlich in Liebe für sie brennt, bedrängt er sie zu nichts, hält sich mit seinen Fragen immer wieder zurück und gibt sich wahrlich ritterlich. Er glaubt Prenna auch, steht voll hinter ihr und hilft ihr, wo er nur kann. Ein toller junger Mann, mir war er sehr sympathisch und wenn ich eine Tochter hätte, würde ich mir einen solchen Freund für sie wünschen.

Die Geschichte kommt ohne große Gewalt aus, leider kommt es aber doch einmal dazu. Ansonsten ist es eine sehr schöne Geschichte mit sehr viel Tiefgang. Ich hätte gerne mehr gelesen von Prenna und Ethan, aber tatsächlich ist dies nur eine einbändige Dystopie. Die beiden Verliebten erleben sehr viele aufregende Momente und versuchen den Zahn der Zeit für sich zu gewinnen, für mich war es sehr spannend und zuweilen auch sehr berührend.

Fünf Sterne und eine klare Lese-Empfehlung 🙂

Veröffentlicht am 14.05.17!




Cecelia Ahern: Wie perfekt willst du sein?

Cecelia Ahern: Wie perfekt willst du sein?

Originaltitel: Flawed (2016)
übersetzt von Anna Julia Strüh und Christine Strüh
Verlag: FISCHER FJB
Seitenanzahl: 480 Seiten
ISBN-10: 3841422357
ISBN-13: 978-3841422354
Dies ist der 1. Teil der Flawed-Reihe.

Inhaltsangabe:

Celestine North ist 17 Jahre alt und gilt als beste Schülerin in ihrem Jahrgang. Und sie will perfekt sein, sich moralisch und gesetzlich immer richtig verhalten. Denn wer sich einen Fehler erlaubt, wird gebrandmarkt und kann den Status des „Fehlerhaften“ nie wieder verlieren.

Kaum hat sie den Schock verdaut, dass ihre Nachbarin fehlerhaft sein soll, gerät sie selbst in Schwierigkeiten. Obwohl es verboten ist, einem Fehlerhaften zu helfen, kann sie nicht anders. Sie hilft einem alten Mann in einer Not-Situation und wird sogleich von der Gilde abgeführt.

Bosco Crevan, der vorsitzende Richter der Gilde und gleichzeit Freund und Nachbar, drängt sie, die Situation falsch wiederzugeben. Er will sie zum Lügen bewegen, obwohl dies ebenso als moralisch verwerflich gilt und eine Brandmarkung zum Fehlerhaften zur Folge hat. Doch tief in ihrem Innern kann sie sich keinen Vorwurf machen. Sie hat aus Mitleid gehandelt und findet daran nichts Falsches. Und dies gibt sie auch im Gerichtssaal preis.

Richter Crevan ist erschüttert und verdonnert sie zu fünf Bandmarken. So ein hartes Urteil wurde noch nie ausgesprochen und die Gesellschaft beginnt sich zu spalten. Für Celestine jedoch beginnt ein Leben voller Demütigungen und Ausgrenzungen. Und alle politischen Beteiligten versuchen sie für ihre Zwecke zu mißbrauchen.

Doch wem kann Celestine noch trauen? Wer will ihr wirklich helfen und wie kann sie eine Veränderung in der Gesellschaft herbei führen?

Mein Fazit:

Das ist ja mal ein gelungener Genre-Wechsel.

Cecelia Ahern hatte durchaus schon einen Hang für besondere Geschichten. Aber dieser Roman beweist, dass sie noch vielseitiger ist. Denn sie hat eine Gesellschaft erschaffen, die durchaus im Bereich des Möglichen liegt und in Teilen auch heute schon (oder noch) bereits existiert.

Die Gilde entstand, weil vor vielen Jahren die Menschen nicht in der Lage waren, aus ihren moralischen Fehlern zu lernen. Wirtschaftsbosse und Politiker wurden für ihre Fehltritte nicht zur Rechenschaft gezogen und das Land lag am Boden. Um die Gesellschaft zu perfektionieren, wurde die Gilde gegründet, die sich als moralische Institution sieht und all jene verurteilt, die sich einen Fehler leisten. Während Gefangene nach ihrer Strafe rehabilitiert werden, behalten die „Fehlerhaften“ ihren Status ein Leben lang. Sie werden auf Schritt und Tritt kontrolliert, dürfen nur noch die Grundnahrungsmittel zu sich nehmen und sie unterliegen einer Ausgangssperre in den Abendstunden. In gehobene Positionen dürfen sie nicht eingestellt werden und von den anderen Gesellschaftsschichten werden sie geächtet und gemieden, als wären sie Aussätzige. Und das allerschlimmste: Sie erhalten Brandmale, damit man immer ihren Status erkennt.

In dieser Welt lebt Celestine, behütet aufgewachsen und geliebt von ihrer Familie. Zum ersten Mal ist sie verliebt, in Art, dem Sohn des Vorsitzenden Richters der Gilde Bosco Crevan. Und ihre Beziehung ist bislang kein Problem, im Gegenteil, sie schmieden Zukunftspläne. Doch dieser eine Fehltritt im Bus verändert das Leben der beteiligten Personen kolossal: Art ist erbost über das Verhalten seines Vaters und verlässt die Familie. Celestines Schwester Juniper fühlt sich schuldig, weil sie dabei war und geschwiegen hat. Ihr kleiner Bruder Ewan hat plötzlich Angst vor ihr und will nicht mehr mit ihr an einem Tisch sitzen. Ihre Eltern geben sich Mühe, die ganze Situation aufzulockern und helfen ihr, wo sie nur können. Der Schulbesuch steht ebenfalls auf der Kippe wie ein späteres Studium.

Richter Crevan gibt den Anschein der Bestechlichkeit und versucht offenbar seine Position für private Interessen zu nutzen. Als Celestine ihm in den Rücken fällt, kennt sein Hass keine Grenzen. Er erhöht die Strafe im Alleingang, da dies jedoch seine Kompetenzen eindeutig überschreitet, beginnt er eine große Vertuschungs-Aktion. Aber nicht alles kann er verschwinden lassen oder zum Schweigen bringen. Und das ist Celestines große Trumpf-Karte. Nur wo der Beweis ist, weiß sie nicht. Und da sie nun eine Fehlerhafte ist, darf ihr außer der Familie niemand helfen.

Mich hat diese Geschichte von der ersten Seite in den Bann gezogen. Die Seiten flogen nur so dahin und ich konnte mir ein gutes Bild machen, das an Grausamkeit kaum zu überbieten ist. Die Autorin geht da nicht gerade zimperlich mit ihren Lesern um, mutet ihnen was zu, was ich jedoch auch sehr bewundernswert finde. Denn die Art der Diskriminierung existierte schon vor langer Zeit und hat bis heute in Teilen ihre Gültigkeit behalten: z. B. bei der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA oder die Ausgrenzung der Juden in NS-Deutschland. Die Autorin hat einen wunden Punkt getroffen, aber die Thematik ist sehr geschickt umgesetzt. Dieser Spiegel der Gesellschaft ist so wichtig, damit man die Menschlichkeit und die Menschenrechte nicht aus den Augen verliert.

Ich habe mit Celestine gelitten, geweint und gekämpft. Wenn ich las, war ich vollkommen gefangen und konnte mich – auch gedanklich – nur schwer daraus lösen. Die eine oder andere Person zog sich ebenso meinen Zorn auf sich wie anderen mein Herz zuflog.

Was mich jedoch total gestört hat (und dafür kann die Autorin überhaupt nichts), war die Tatsache, dass es in einem Hardcover eine Leseprobe vom zweiten Teil gibt. Ich meine, im eBook oder bei Taschenbuch kann ich es akzeptieren. Aber die Hardcover sind teilweise wirklich teuer und ich bestehe darauf, nur dieses Buch zu kaufen und nicht noch andere Texte (außer Glossar und Nachworte).

Trotzdem bekommt der erste Teil begeisterte fünf Sterne und ich freue mich auf den zweiten Teil.

Veröffentlicht am 09.04.17!